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Aktuell Welt

"Die Wahrheit, die die Mächtigen oft nicht gern hören"

Vertauschte Rollen im UN-Sicherheitsrat: Diesmal hörten die Diplomaten den Journalisten zu, als die von ihrer gefährlichen Arbeit berichteten - und den Kollegen, die dem Zorn der Mächtigen schon zum Opfer fielen.

Die Vereinten Nationen haben ihre Mitgliedsstaaten aufgefordert, Morde an Journalisten rückhaltlos aufzuklären. "Es ist schockierend und absolut inakzeptabel, dass 90 Prozent aller Morde an Journalisten nicht aufgeklärt werden", sagte Vize-Generalsekretär Jan Eliasson am Mittwoch vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. Im vergangenen Jahr seien 121 Journalisten getötet und mehr als 200 inhaftiert worden - nach Angaben von Journalistenverbänden fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor.

"Viele Kollegen haben den höchsten Preis bezahlt"

"Es sind Journalisten, die sich jeden Tag in Lebensgefahr begeben, um die Welt über Unrecht und Gewalt aufzuklären, immer mit dem Wissen, dass der nächste Atemzug der letzte sein könnte", sagte die Journalistin Kathleen Carroll von der Nachrichtenagentur Associated Press im Rat. Mustafa Haji Abdinur (auf dem Artikelbild links - hier mit dem Irak-Korrespondenten der britischen Zeitung "The Guardian", Ghaith Abdul Ahad) berichtet seit Jahren für die Agence France-Presse aus Somalia. "So viele meiner Kollegen haben den höchsten Preis bezahlt, den ein Mensch bezahlen kann. Sie haben ihr Leben verloren, weil sie sich der Wahrheit verpflichtet fühlten, weil sie nicht die Unwahrheit sagen und nicht die Wahrheit verschweigen wollten." Ohne eine freie Presse könne es keine Freiheit geben. Im Jahr 2012 wurden in Somalia 18 Journalisten getötet.

Auch Richard Engel, Reporter des Senders NBC aus New York, sagte, dass es "ohne Frage lebenswichtig für Freiheit und Demokratie ist, dass Informationen frei fließen können". "Es hat ja seinen Grund, warum Diktatoren und Regime immer vor allem Journalisten bedrohen, einsperren, erpressen und sogar ermorden. Denn Journalisten erzählen den Menschen die Wahrheit, die die Mächtigen oft nicht gern hören."

Der afghanische Repporter Ali Asqar Yaqubi nach einem Anschlag auf ihn in einem Krankenhaus in Herat (Foto: DW)

Auf den jungen afghanischen Reporter Ali Asqar Yaqubi wurde im April ein Anschlag verübt. Das Foto zeigt ihn in einem Krankenhaus in Herat

Seit 1992 fast 1000 Journalisten getötet

Abdul Ahad beklagte die "Straffreiheit" bei Gewalt gegen Journalisten. Er forderte daher, Medienvertreter in Konfliktgebieten als "Teil der humanitären Bemühung, die Geschichte zu erzählen," zu betrachten.

Seit 1992 wurden weltweit fast 1000 Journalisten bei der Ausübung ihres Berufes getötet. In den meisten Fällen wurden die Verantwortlichen nie zur Rechenschaft gezogen. Alleine im Syrien-Konflikt starben Schätzungen zufolge seit Beginn der Kämpfe im März 2011 etwa 100 Journalisten.

Die Debatte im Sicherheitsrat zur Gewalt gegen Journalisten wurde von den Vereinigten Staaten organisiert, die in diesem Monat die Präsidentschaft des Gremiums innehaben. "Journalisten sind buchstäblich unsere Augen und Ohren in allen Ecken der Welt", sagte die amtierende UN-Botschafterin der USA, Rosemary DiCarlo. "Dieser Rat hat eine Verpflichtung, diejenigen zu schützen, die uns mit so vielen wichtigen Informationen versorgen."

Tod eines Polizeireporters in Mexiko

Im Süden Mexikos wurden unterdessen die Leichen eines Journalisten und eines weiteren Unbekannten gefunden. Die beiden Männer seien nahe der Stadt Oaxaca im gleichnamigen Bundesstaat wohl mit Steinen und Zementblöcken erschlagen worden, sagte eine Sprecherin der örtlichen Staatsanwaltschaft. Wie die Zeitung "El Imparcial" berichtete, war der Mann als freier Mitarbeiter Polizeireporter des Blattes. Mexiko gilt weltweit als eines der gefährlichsten Länder für Journalisten. Nach einem Bericht des "Committee to Protect Journalists" wurden zwischen 2006 und 2012 in dem nordamerikanischen Land mehr als 40 Pressevertreter ermordet, zwölf werden noch vermisst.

sti/re (afp, dpa)

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