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Deutschland

Die wahren Fluchtursachen

Ein Bündnis von Hilfsorganisationen warnt vor einem weiteren Ansteigen der Flüchtlingszahlen aus Syrien. Statt die Fluchtursachen zu bekämpfen, sorgt sich Europa zuviel um sich selbst, klagen die NGOs.

Bombardierung Krankenhaus. Foto: picture-alliance/dpa/S.Taylor

Ein bombardiertes Krankenhaus in Syrien - für Hilfsorganisationen ein Hinweis darauf, dass internationale Konventionen unterminiert sind

Die Präsidentin von "Brot für die Welt" ist überhaupt nicht zufrieden damit, wie die politische Diskussion über Flüchtlinge in Deutschland geführt wird. Cornelia Füllkrug-Weitzel ärgert insbesondere, was hierzulande unter dem Begriff Fluchtursachen verstanden wird. "Das sind nicht die Gründe, warum die Menschen nach Europa kommen, sondern die Ursachen dafür, warum sie ihre Heimat verlassen!", stellt die evangelische Pfarrerin bei einer Pressekonferenz mit Vertretern von Terre des Hommes und der Welthungerhilfe in Berlin klar. Weil der Fokus so verschoben sei, laufe auch der von der Bundesregierung und anderen EU-Regierungen angekündigte Kampf gegen die Fluchtursachen oft in die falsche Richtung. "Wenn es darum geht die Ankunft von Flüchtlingen in Europa zu begrenzen, möge man das bitte nicht Fluchtursachenbekämpfung nennen", betont Füllkrug-Weitzel. Das sei ein Gebot der politischen Redlichkeit.

Cornelia Füllkrug-Weitzel Präsidentin Brot für die Welt. Foto: DW/Heiner Kiesel

Cornelia Füllkrug-Weitzel klagt über Egoismus von Europas Regierungen

Ihre Kritik an den jüngsten Plänen der Bundesregierung fällt hart aus: die willkürliche Festlegung von "sicheren" Herkunftsländern, Grenzzäune und die Schwächung von internationalen Konventionen für den Flüchtlingsschutz helfen Politikern im Wahlkampf, aber nicht den Flüchtlingen.

Eigentlich würden die Menschen am liebsten in den Regionen bleiben, aus denen sie stammen, betonen die Vertreter der Hilfsorganisationen. Dass sie dennoch kommen, hat nach Füllkrug-Weitzels Ansicht mit "der Kurzsichtigkeit und Engstirnigkeit der europäischen Politik" zu tun. Diese hätte es versäumt, die Mittel für eine ausreichende Versorgung der Fliehenden in den Nachbarländern bereit zu stellen. Die Präsidentin von "Brot für die Welt " verweist darauf, dass die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR im vergangenen Jahr ihre Rationen für syrische Flüchtlinge habe halbieren müssen, weil international zugesagte Gelder nicht eingegangen seien. Vielen Flüchtlingen hätte demnach der Weg nach Mitteleuropa erspart werden können.

Zunahme bewaffneter Konflikte

Bärbel Dieckmann Präsidentin der Welthungerhilfe. Foto: DW/Heiner Kiesel

Bärbel Dieckmann sieht eine "verlorene Generation" in den Flüchtlingslagern um Syrien heranwachsen

"Ich war kürzlich in Jordanien und der erste Satz von den Syrern dort ist, dass sie wieder in ihre Heimat wollen", bestätigt Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe. Sie warnte davor, dass sich eine weitere Viertelmillion Syrer aus Aleppo retten würde, wenn die Stadt an die Truppen des Machthabers Baschar al-Assad fiele. "Die Stadt sieht inzwischen aus wie Köln nach dem 2. Weltkrieg." Aber der Mittlere Osten ist nur einer der vielen Krisenherde. Weltweit seien inzwischen 60 Millionen Menschen auf der Flucht. "Wir beobachten einen Anstieg von Flüchtenden in Ländern mit bewaffneten Konflikten", sagt Dieckmann. Die meisten Flüchtlinge gebe es in Pakistan, aber auch in Kenia sei ein Flüchtlingslager mit 450.000 Somaliern entstanden. "Wir werden Europa nicht abschotten können", warnte die Welthungerhilfe-Präsidentin. Viele der Menschen würden hierher kommen und müssten integriert werden.

Für die ursprünglichen Konflikte bedürfe es politischer Lösungen, fordern die Hilfsorganisationen. Aber besonders das Beispiel Syrien zeigt, wie unübersichtlich die Lage sein kann. Es sind viele Akteure unterwegs, teilweise kämpfen sie als Stellvertreter für andere Regionalmächte. Die islamistischen und terroristischen Milizien wiederum unterhalten international Verbindungen zu Bruderorganisationen. So gibt es Ausläufer des Konflikts nach Asien, Afrika und Europa. "Das überfordert uns Hilfsorganisationen", bekennt Dieckmann und es sieht ganz so aus, also ob auch die internationale Diplomatie teilweise den Überblick verloren hat. Ihre Kollegin Füllkrug-Weitzel fordert einen langen Atem bei der Befriedung der Kampfzonen. "Europa hat Jahrhunderte gebraucht, um zu Frieden und Demokratie zu finden", beschwört sie.

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