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Sport

Die Verteidiger des Chaco

Chaco Chico war ein trostloses Viertel: ohne richtige Straßen, ohne Müllabfuhr - mit Menschen ohne Arbeit und Perspektive. Bis eine Gruppe Jugendlicher einen Fußballverein gründete. Von da an wurde alles anders.

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Schwarz-grün sind ihre Farben:
Schwarz wie der Schlamm, grün wie die Wiese

Sie nennen sich die "Verteidiger des Chaco“. Am Anfang waren sie nur zu zwölft, inzwischen kommen jede Woche über tausend Kinder und Jugendliche hierher. Früher war das hier einfach nur eine Müllhalde, erzählt Fabián Ferrero. Er ist Mitte Dreißig, ehemaliger Fußballprofi und einer der Gründer des Vereins. Er war es, der vor rund 13 Jahren zusammen mit einem Freund die Initiative ergriffen hat. Er hatte eine Zeitlang in Europa gelebt und als er zurück kam gingen im die Augen auf, sagt er. Erst da habe er gemerkt, in welch trostlosen Bedingungen die Jugendlichen hier aufwachsen und er beschloss etwas zu tun. Chaco Chico liegt in einem Vorort von Buenos Aires, rund 40 km von der argentinischen Hauptstadt entfernt.

Am Anfang hatten sie nur ein Stück Wiese

Defensores del Chaco - bild 2

Auf dieser Wiese fing alles an

Zunächst trafen sie sich nur ein paar Mal zum Kicken. Doch dann meldete Fabián seine 12 Jungs zu einem Turnier an, damit sie ein Ziel hatten, auf das sie hinarbeiten konnten. Mit der Zeit kamen immer mehr Kinder und Jugendliche hinzu. Und die Einsicht, dass man es dabei nicht belassen konnte. Es reiche nicht, wenn die Kinder am Nachmittag eine gute Zeit haben und abends wieder zu ihren Familien geschickt werden, die weiterhin zu Hause hocken und saufen, sagt Fabián Ferrero. Und so machten sie sich daran, auch die Erwachsenen mit einzubeziehen. Heute ist das Gelände, das zwei Fußballplätze, ein bunt bemaltes Vereinshaus und ein Kulturzentrum umfasst, Treffpunkt für alle. Neben Fußball wird inzwischen auch Basketball und Volleyball gespielt, es gibt Theateraufführungen und Musikkurse. Und auch ein Nähatelier, in dem die Mütter die Trikots für ihre Kinder nähen.

Vom Fußball zur Kunst

Defensores del Chaco - bild 3

Der Klub ist der Ort an dem man sich trifft

Jonatan Jiménez war damals 12 Jahre alt, als Fabián mit dem Vorschlag kam, eine Fußballmannschaft zu gründen. Für ihn ist der Verein seine zweite Familie. Hier ist er aufgewachsen, hier hat er seine große Leidenschaft entdeckt: die Kunst. Auslöser war eine Verletzung, die ihn eine Weile vom Fußballspielen abhielt. Kurze Zeit später gründeten sie das Kulturzentrum "Botschaften der Seele“. Denn Jonatan war nicht der Einzige, der Lust hatte auf andere Aktivitäten als Fußball. Zum Beispiel Lust auf Murga - ein traditioneller Straßentanz, der zurückgeht auf die Zeit der Sklaven während der Kolonialzeit. Es ist eine Art sozialer Protest, der im Tanzen zum Ausdruck gebracht.

Inzwischen ist Jonatan 25 Jahre alt und leitet das Kulturzentrum. Nebenbei studiert er Kunst - finanziert durch seinen Klub. Der vergibt Stipendien an Jugendliche, die es sich sonst nicht leisten könnten. Bezahlt werden die Studiengebühren, rund 30 Euro im Jahr, plus Busfahrt und Materialkosten. Einzige Bedingung: Man muss weiter für den Klub arbeiten. Aber das ist für Jonatan eh keine Frage, schließlich ist hier ist sein zweites Zuhause.

Mit Dreißig ist Schluss

Defensores del Chaco - bild 4

Jonatan (r.) bei Proben im Kulturzentrum

Eine der Ideen des Klubs ist es, dass die Jugendlichen ihn selbst betreiben. Deshalb hat Fabián Ferrero die Leitung auch sehr schnell abgegeben. Nebenher hat er eine Stiftung gegründet, unter dem gleichen Namen "Verteidiger des Chaco“. Sie kümmern sich unter anderem um Sponsoren. Aber es geht hier nicht nur um Sport. 2003 haben sie eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für die Entwicklung der Gemeinde einsetzt. So haben sie es beispielsweise geschafft, dass die wichtigsten Wege in Chaco Chico inzwischen asphaltiert sind, man also auch bei Regen durchkommt. Außerdem bauen sie gerade einen neuen Kindergarten und eine neue Schule. Und eines Tages wollen sie vielleicht ihre eigene Universität gründen.

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