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Politik

Die verschiedenen Entwürfe des Denkmals

Am Dienstag wird in Berlin das Holocaust-Mahnmals in Anwesenheit von mehr als 1000 Gästen aus aller Welt eröffnet. Die Planung und Bauzeit zog sich mehr als neun Jahre hin. Viele Entwürfe wurden heftig kritisiert.

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US-Architekt Peter Eisenman setzte sich durch

Ein Denkmal kann mahnen, erinnern, verschleiern oder verfälschen. Und egal, wie es gestaltet ist, immer sagt es nicht nur etwas aus über diejenigen, derer gedacht werden soll, sondern auch über jene, die gedenken. Wenn dieses Denkmal sich dann keiner geringeren Aufgabe verschrieben hat, als mahnend an den Mord an sechs Millionen europäischen Juden zu erinnern, sind Kontroversen unausweichlich, sagt Günter Schlusche, der in den letzten neun Jahren Planung und Bau des Holocaustdenkmals koordiniert hat.

Holocaust Mahnmal Berlin Innenansicht

Der "Ort der Information" liegt unter der Erde

Dieses Denkmal sei alles andere als eine Selbstverständlichkeit. "Es erinnert ja nicht an eine Ruhmestat, sondern an eines der größten Verbrechen, das jemals begangen wurde", sagt Schlusche. Dass sich die deutsche Gesellschaft, der Deutsche Bundestag, dazu bekenne, sei nach wie vor eine sehr ungewöhnliche Entscheidung. Auch in Zukunft werde es Debatten zu dem Denkmal geben. "Aber diese Debatten sind eben auch ein Ausdruck der Lebendigkeit," so Schlusche.

Kontroverse Vorschläge

Am 16. März des Jahres 1995 wurde das Ergebnis des ersten Wettbewerbs für ein in Berlin zu errichtendes "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" bekannt gegeben. Acht der eingereichten Entwürfe werden prämiert und zwei erste Preise vergeben. Der Entwurf des Architekten Simon Ungers sieht ein 85 mal 85 Meter großes Quadrat von vier mannshohen Stahlträgern vor, in die die Namen der Konzentrationslager spiegelbildlich eingetragen sind, so dass das Sonnenlicht sie in die Mitte der Fläche projiziert.

Eine Gruppe um die Berlinerin Christine Jakob Marcks will eine elf Meter hohe, 2000 Quadratmeter große schiefe Ebene aus Beton errichten, in die sämtliche Namen der in der Shoa ermordeten Juden eingraviert werden sollen. Der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, spricht sich am 8. Juni 1995 gegen Ungers Entwurf aus und sagt zu dem der Gruppe Marcks: "Geschmackloser geht es nicht". Der Entwurf sei inakzeptabel, befindet dann auch Bundeskanzler Helmut Kohl. "Es gibt keine endgültige Lesart, keine abschließende Interpretation dieser Vorgänge, sondern es gibt immer wieder nur den Versuch des Verstehens, des Erklärens. Aber auch der Ehrlichkeit im Umgang mit diesen Vorgängen. Und das ist schmerzhaft, aber notwendig", sagt Schlusche.

Entscheidung für Eisenmann

Der Vorschlag des SPD-Politikers Richard Schröder, ein einfaches Mahnmal mit der Inschrift "Nicht morden" wird im März 1999 heftig diskutiert. Da hat es längst einen zweiten Architekturwettbewerb gegeben und der international renommierte Architekt Peter Eisenman hat seinen in die engere Wahl gekommenen Entwurf eines Stelenfeldes bereits überarbeitet. Es sind dann nicht Experten, sondern Politiker, die Mitglieder des Deutschen Bundestages, die diesen Entwurf mehrheitlich befürworten. Sie verlassen sich dabei auf ihr Gefühl, setzen darauf, dass sich in "der kompromisslosen Kunst des Stelenfelds"‚ "ein Verständnis des Unvorstellbaren" einstellt, dass sich "der Terror der Einsamkeit" entfaltet. Die Warnungen des Schriftstellers Martin Walser mögen ihnen dabei in den Ohren geklungen haben. Der hatte sich in der Frankfurter Paulskirche nämlich‚ scharf gegen die "Monumentalisierung der Schande" ausgesprochen, gegen eine "Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum".

Offenes Denkmal mit innerer Kraft

Günter Schlusche betont, dass das Denkmal nichts Monumentales habe. Es hab vielmehr etwas sehr Sanftes. "Und es hat eine eher innere Kraft, die den Besucher hineinzieht. Aber es hat überhaupt nichts Hierarchisch-Dominierendes und Abschreckendes", sagt Schlusche. Außerdem sei es ein sehr offenes Denkmal.

Offen für Fragen, Assoziationen und Gedanken, die nicht zuletzt durch die Ausstellung im unter dem Stelenfeld gelegenen "Ort der Information'' in eine Richtung gelenkt werden: den Holocaust. Ein Experiment sei dieses Denkmal, sagt Günter Schlusche, besetzt es den innerstädtischen Raum, in dem man Hochhäuser erwartet, doch mit horizontalen Skulpturen. In eben dieser Überraschung aber liege seine Unübersehbarkeit. Ob die Botschaft des Einsenmanschen Stelenfeldes über den Tag hinaus verstanden wird? Die Zeit wird es zeigen.

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