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Gesichter Deutschlands

Die Verkäuferin: Marina Paul

Vor gut sechs Jahren kam Marina Paul aus dem russischen Saratow nach Deutschland. Jetzt lebt die attraktive 29-Jährige bei Darmstadt und verkauft Schuhe in einem Einkaufszentrum.

Marina Paul (Foto: DW)

Marina Paul

Marina Paul mag es ruhig und friedlich. Deshalb steht die Schuhverkäuferin aus dem hessischen Weiterstadt morgens gerne etwas früher auf. Sie nimmt sich Zeit, um sich mit dem neuen Tag anzufreunden.

Das geht für die 29-Jährige am besten mit Musik und Tee. Bei beiden hat sie klare Vorlieben: Latino-Musik und schwarzer Earl-Grey Tee: "Ich mag keinen Kaffee. Aber Tee muss ich auf jeden Fall haben. Das ist mein Ritual. Ich komme nicht aus dem Haus, wenn ich meinen Tee nicht getrunken habe."

Vor sechseinhalb Jahren ist Marina Paul nach Deutschland gekommen, aus Russland. Zunächst ging sie nach Norddeutschland. Dort lebte damals ihr Bruder, erinnert sie sich: "Ich kam aus Russland erstmal nach Bremen, in Norddeutschland. Nach fünf Jahren bin ich wegen einer Arbeitsstelle nach Bayern umgezogen. Dann habe ich meinen Freund kennengelernt und bin bei ihm in Hessen gelandet."

Deutsch in Russland

Die Russlanddeutsche Paul stammt ursprünglich aus der russischen Stadt Saratow. Die liegt in der Nähe von Wolgograd. Dort hatten sich im 18. Jahrhundert viele Deutsche angesiedelt. "Mein Vater ist Deutscher, beziehungsweise geborener Deutscher in Russland und meine Mutter ist Russin," erläutert die attraktive Frau mit den langen rotblonden Haaren.

In ihrer russischen Heimat am Ufer der Wolga wuchs Marina Paul zusammen mit ihrem älteren Bruder auf. Und in Saratow hat sie auch ihr fünfjähriges Touristik-Studium absolviert. Jetzt hofft sie, dass die Eltern irgendwann nach Deutschland kommen - zu ihr und ihrem Bruder.

Edle Fußbekleidung lockt die weibliche Kundschaft (Foto: DW)

Edle Fußbekleidung lockt die weibliche Kundschaft

Marina Paul Arbeitsplatz befindet sich im "Loop 5". Dieses pompöse Einkaufzentrum wurde Anfang Oktober 2009 in Weiterstadt vor den Toren Darmstadts eröffnet. Eine der 175 Shoppingmöglichkeiten dort ist das Schuhgeschäft, in dem Marina Paul als Verkäuferin arbeitet.

Glitzerwelt Einkaufszentrum

Regal um Regal ist gefüllt mit braunen, blauen und schwarzen Stiefeln. Die edle Fußbekleidung lockt die weibliche Kundschaft in das Geschäft. Dezente Musik spielt im Hintergrund, das Spiel bunter Lichter in einem aus Kristall gefertigten Wasserfall sorgen für eine Wohlfühlatmosphäre, die den Griff zum Portemonnaie erleichtern soll.

Die hochgewachsene Frau steht vor der Kasse und lächelt die Menschen beim Betreten des Geschäfts freundlich an. Sie packt ein Paar Schuhe in einen Karton und plaudert mit den Kundinnen. Dann wieder schafft die junge Verkäuferin Ordnung im Geschäft.

Marina Paul mag ihren Beruf - vor allem weil sie den Kontakt zu den Kunden schätzt. "Ich wollte schon lange in den Verkauf", erklärt sie.

Wenn ihre Schicht um sechzehn Uhr vorbei ist, fährt Marina Paul erst einmal mit ihrem Auto nach Hause. Die Fahrt in den 25.000-Einwohner-Ort Weiterstadt dauert eine knappe halbe Stunde. Marina ist froh, dass sie nicht mit dem Bus fahren muss. Damit bräuchte sie wesentlich länger.

Leben zwischen Umzugskisten

Marina Paul ist gerade mit ihrem deutschen Freund zusammen gezogen. Überall in der geräumigen Wohnung stapeln sich noch die Umzugskisten. "Jeden Tag muss ich Umzugskisten auspacken und die Wohnung ein bisschen aufräumen. Ich will endlich alle Kisten auf dem Dachboden haben und eigenen Platz haben."

Wenn sie einmal nicht Kisten auspackt, genießt die sprachbegabte Russlanddeutsche das Lesen und Lernen von neuen Sprachen. Einen Fernseher sucht man in ihrer Wohnung vergebens; sie wollte nie einen haben. "Ich mag Geschichte - beziehungsweise das, was aus dem Leben kommt. Ich mag keine Fantasie."

Zur Geschichte der Marina Paul gehört, dass einige ihrer Vorfahren aus Hessen nach Russland ausgewandert waren. "Vielleicht bin ich deswegen wieder in Hessen gelandet", schmunzelt die 29-Jährige nachdenklich.

Gefragt, ob sie sich stärker als Deutsche oder als Russin identifiziert, erwidert sie: "Ich fühle mich als beides. Es ist wunderschön, zwei Mentalitäten zu haben. Ich glaube, das ist wirklich ein Geschenk - und ich bin froh, dass es so ist."

Autorin: Genevieve Baer
Redakteur: Matthias von Hein

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