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Politik

Die vergessenen Genossen

Tausende fanden sich heute an den Stränden Thailands ein, um der Tsunami-Opfer zu gedenken. Aber auch Opfer eines heißen Kampfes bekamen diesen Monat ihr Denkmal: die Kommunisten Thailands.

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Die ganze Welt schaut auf Thailand und die Länder rund um den Indischen Ozean. Heute vor einem Jahr … mehr muss eigentlich nicht gesagt werden. Wir alle erinnern uns, haben es in den letzten zwölf Monaten nicht vergessen. Einige wenige mögen sich fragen, warum auf Phuket und in Khao Lak mehr Journalisten und Politiker zu finden sind als Angehörige der Opfer, aber wollen wir doch lieber einfach gedenken.

Vor zwei Wochen wurde in Thailand eine ganz andere Gedenkstätte eröffnet, zu der aber nur wenige Medien-mit-macher angereist waren. Denn dieses Denkmal - hoch im ruppigen, bergigen Norden des Landes - reißt in der thailändischen Gesellschaft keine alte Wunden auf.

Auf dem windigen Phu Payak-Berg in der Provinz Nan steht nun eine Gedenkhalle, deren Wände die Namen der vielen Männer tragen, die in den 70er Jahren in einem Kampf fielen, für den es in der internationalen kollektiven Erinnerung keinen Platz gibt. Den haben Vietnam und Kambodscha für sich beansprucht.

Einer, der sich da auf dem Phu Payak einfand, war Chaturon Chaisaeng, Thailands derzeitiger Bildungsminister. Immerhin war er vor 25 Jahren Mitglied in der Kommunistischen Partei Thailands (KPT), die hier oben eins ihrer Guerilla-Lager hatte, welches nun zum Denkmal erklärt wurde.

Schwarzer Oktober

Der politisch-soziale Kauderwelsch der europäischen 68er schlug mit jahrelanger Verspätung in Thailand ein. Einen ersten Massenaufstand gab es in Bangkok, im Oktober 1973, gegen eine Militärdiktatur. Zum ersten in Thailands Geschichte demonstrierten die kleinen Leute, die Bauern, die Arbeiter, die Studenten. Drei Jahre später gipfelten die mittlerweile landesweiten Unruhen in einem blutigen Studentenaufstand, bei dem Hunderte von Demonstranten erschossen wurden (seither gedenkt Bangkok alljährlich des Schwarzen Oktobers). Das Militär installierte eine weitere Diktatur.

Das Massaker von 1976 traumatisierte die Thais wie nichts zuvor. Desillusioniert verließen Studenten und ganze Intelligenzia-Gruppen das öffentliche Leben und schlossen sich der KPT und ihrem paramilitärischem Arm, der PLAT (Volksbefreiungsarmee Thailands) an. Man schlüpfte unter in den abgeschiedenen Provinzen des Landes; die Provinz Nan war Quasi-Zentrum.

Die KPT hatte ähnliche Ziele wie so viele andere radikalisierte kommunistische Gruppen weltweit. Man kämpfte gegen Militaristen, die Oberschicht und die USA, die in Thailand mehrere Militärstützpunkte unterhielt - der Kampfschauplatz Vietnam war nur zwei Flugstunden entfernt. Jahrelang bekämpfte das thailändische Militär die "Rebellen“ in den Dschungeln und den Bergen des Nordens fruchtlos. Zu erfolgreich waren die roten Gruppen. 1979 zählte die PLAT allein 10.000 Mann.

Roter Todesstoß

Die Regierung musste umdenken, ließ 1980 von direkten Kämpfen ab und erließ allgemeine Amnestien, mit Erfolg: Die meisten KPT-Anhänger gaben auf und kehrten aus dem Dschungel in die Städte zurück. Der KPT ging auch das Geld aus, das sie bis 1978 aus China erhielt – bis die Regierung Thailands mit China paktierte: Bangkok erkannte die Roten Khmer in Kambodscha an, dafür beendete das Riesenreich die roten Finanzspritzen.

Politisch ist die KPT natürlich zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Dessen waren sich auch die alternden Ex-Genossen bewusst, als sie die Gedenkstätte auf Phu Payak besichtigten, auf dem sie 25 Jahre zuvor eine rote Fahne hissten, nach jedem gewonnenen Kampf. Bestimmt aber trauerte so mancher den alten Tagen hinterher. Als Kämpfe noch zu etwas führten in Thailand.