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Politik

Die Utopie vom schnellen Krieg

Ein kurzer Krieg gegen den Irak wäre zwar wünschenswert - doch ob dies gelingt, scheint mehr als fragwürdig. Ein Kommentar von Peter Philipp.

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US-Präsident George W. Bush tat wohl gut daran, seine Bevölkerung darauf einzustimmen, dass der Krieg gegen das Regime Saddam Husseins nicht eine Angelegenheit von nur wenigen Tagen werden dürfte. Bush dämpfte damit die eben noch von ihm selbstangeheizte Euphorie, "God's own country" - das selbsterwählte "Land Gottes" - sei nun angetreten, den Bösewichten dieser Welt den Garaus zu machen.

Mehr noch als durch Worte wurde die Euphorie aber durch die ersten Taten gedämpft: Der erste Angriff auf den Irak war nicht der betäubende "Enthauptungsschlag", von dem Washington in letzter Zeit gesprochen hatte, es war auch nicht der Schlag, der den Irak in einen lähmenden Schockzustand versetzte. Sondern es war - vermutlich - ein Fehlschlag.

Keine Schadenfreude

Nun ist Häme, erst recht aber Schadenfreude, sicher fehl am Platz: Wäre es den USA gelungen, die irakische Führung mit einem solchen Schlag auszuschalten - der Krieg wäre vermutlich schneller zu Ende gegangen als seine Vorbereitung Zeit in Anspruch nahm. Denn für ein führerloses Regime würden auch die Republikanischen Garden Saddam Husseins sich nicht mehr opfern wollen. Sie würden statt dessen kapitulieren und der Spuk hätte ein Ende.

Saddam Hussein und seine Führungsclique aus der Ferne mit Cruise Missiles ausschalten zu wollen, erinnert aber fatal an den Versuch zur vorigen US-Regierung unter Bill Clinton, Osama Bin Laden in Afghanistan mit solchen Raketen zu liquidieren. Man traf ein leeres Zeltlager, Bin Laden ist bis heute unversehrt und man sucht nach ihm wie nach einer Stecknadel im Heuhaufen.

Raketen reichen nicht

Ähnliches könnte den Amerikanern auch mit Saddam Hussein widerfahren. Um seiner habhaft zu werden, reichen kaum Raketen. Dazu bedarf es des direkten Vordringens amerikanischer Truppen nach Bagdad oder aber der alten irakischen Methode, lästige Herrscher loszuwerden: Man stürzt sie und bringt sie um.

Beide Varianten sind leichter beschrieben als durchgeführt: Putschversuche im Irak hat es des öfteren gegeben und die Verantwortlichen haben diese nicht überlebt. Und ein Vormarsch nach Bagdad könnte zu blutigen Straßenkämpfen führen, die Washington sich nicht leisten kann. Nicht nur wegen der möglichen eigenen Verluste, sondern weil eine hohe Zahl irakischer Opfer auch dem amerikanischen Anspruch zuwider liefe, keinen Krieg gegen das irakische Volk sondern nur gegen das Regime Saddam Husseins zu führen.

Traum der Demokratisierung

Und hohe Opferzahlen im Irak hätten auch fatale Auswirkungen auf die Öffentlichkeit in der arabischen Welt: Dort ist man ohnehin überzeugt, dass die USA anti-arabisch sind und man hält Saddam heute für das Opfer einer amerikanischen Aggression.

Erhielten die Proteste dort durch einen extrem blutigen Charakter des Krieges zusätzliche Nahrung, dann könnte dies schnell zu einer Gefährdung der mehrheitlich pro-amerikanischen arabischen Regime führen. Diese allesamt ohnehin nicht gerade freiheitlich-demokratischen Regime würden einen noch repressiveren Charakter annehmen. Und damit bliebe die Vision George W. Bushs von einer Demokratisierung des Nahen Ostens nicht mehr als ein Traum.