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Wirtschaft

Die USA wollen einen teureren Yuan

Pekings feste Wechselkurse setzen die Wirtschaft der USA unter Druck. Die schwache US-Währung macht Chinas Waren deutlich billiger als einheimische. Auf seiner Asien-Reise soll Finanzminister Snow das Problem lösen.

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Was zählt für die Chinesen: Gute Geschäfte mit den Amerikanern

Wenn der US-Finanzminister John Snow am Dienstag (2. September 2003) den chinesischen Notenbankchef Zhou Xiaochuan in Peking trifft, werden beide Seiten sicherlich freundlich aufeinander zugehen – und bei ihren unterschiedlichen Positionen bleiben: Die USA wollen, dass die chinesische Regierung die eigene Währung, den Yuan, aufwertet und im Vergleich zum US-Dollar teurer macht. China hingegen sieht keinen Grund, den Preis von 8,3 Yuan je Dollar, den die chinesische Zentralbank seit 1995 stabil hält, zu ändern.

100 Milliarden US-Dollar Handelsbilanzdefizit

John Snow auf dem Weg nach Japan und China

Der US-Finanzminister in wahltaktischer Mission: John Snow

Ein Problem ist der staatlich fixierte Wechselkurs aus Peking auch erst, seit die amerikanische Wirtschaft in der Krise steckt und der US-Dollar in den vergangenen drei Jahren deutlich an Wert verloren hat. Während das britische Pfund, der Euro, der Taiwan- und Singapur-Dollar an den Devisenmärkten aufgewertet wurden, und so den Preisverlust der US-Währung ausgeglichen haben, hat die chinesische Notenbank dies nicht mitgemacht. Wie auch bei allen anderen Leitwährungen blieb sie bei ihrem Fixkurs.

Die Folge: Chinesische Produkte sind in den Vereinigten Staaten billiger als früher. In den USA hergestellte Waren haben mit ihren höheren Preisen bei den US-Käufern kaum noch Chancen. Aber auch in China finden sie weniger Abnehmer. Die Folge ist ein Handelsbilanzdefizit von 100 Milliarden US-Dollar, weil wesentlich mehr Waren aus China in die USA exportiert und verkauft werden als umgekehrt. Noch Ende der 1990er Jahre war der Betrag nicht einmal halb so hoch.

Ende August 2003 hat der US-Industrieverband National Association of Manufacturers China als Hauptgrund für den Verlust von 2,7 Millionen Stellen in den USA seit Mitte 2000 genannt. Das überrascht Hanns Günther Hilpert von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin nicht: "Viele Unternehmen in den USA geraten durch die sinkenden Absatzzahlen unter Druck. Sie müssen schließen oder ihre Produktion nach Asien auslagern." Besonders betroffen sind Branchen wie die Stahl- und Maschinenbauindustrie.

"China will stabil bleiben und billig sein"

China, Geschäftsmann vor Drachentapete

Tradition trifft Moderne: Ein chinesischer Geschäftsmann vor einer Drachentapete

Doch die chinesische Regierung hat ihrerseits gute Gründe, warum sie an ihrer Währungspolitik festhalten will: Der fixe Wechselkurs stabilisiert die Wirtschaft der Volksrepublik seit Jahren. Und während der asiatischen Finanzkrise Ende der 1990er Jahre ist es auch international begrüßt worden, dass Pekings Regierung bei ihrem Kurs blieb und dadurch die Asien-Krise nicht noch verstärkt hat.

Zudem haben zahlreiche Firmen - auch aus den USA – in Chinas produktiver Küstenregion investiert, weil sie sich auf den stabilen Wechselkurs zwischen Yuan und Dollar verlassen haben. Dass ihre Waren durch die inzwischen schwächere US-Währung nun sogar billiger geworden sind, beklagt von diesen Herstellern niemand.

"China will stabil bleiben und billig sein", fasst Asien-Experte Hilpert von der SWP die Motive des Landes zusammen. Auch in den USA profitiert die Wirtschaft durchaus von den günstigen Preisen der China-Waren, denn sie halten den Konsum am Laufen, meint Hilpert: "Es ist besser, die Konsumenten kaufen sich einen Rucksack für zehn Dollar made in China, als dass sie sich einen US-Rucksack für 50 Dollar nicht kaufen." Nicht alle Mitspieler der US-Wirtschaft sind darum an einem teureren Yuan interessiert.

Wirtschaftspolitischer Wahlkampf

Dass US-Finanzminister Snow mit seiner bevorzugten "ruhigen Diplomatie" in China Erfolg haben könnte, wird allgemein bezweifelt. Zum einen sind die fixen Wechselkurse, wirtschaftliche Stabilität und niedrige Exportpreise ganz im Sinne der chinesischen Staatsführung. Zum anderen hat das Reich der Mitte es derzeit auch nicht nötig, seine Beziehungen zu den USA zu verbessern.

Hilpert von der SWP meint: "Die Chinesen werden gerade gebraucht - nicht nur als Vermittler in der Atomkrise zwischen Süd- und Nordkorea." Wenn Snow das ungeliebte Thema Yuan-Dollar trotzdem anspricht, dann wohl auch aus wahltaktischen Gründen. Teile der amerikanischen Industrie erwarten Taten und Snows Chef, US-Präsident George Bush, muss wirtschaftspolitisch Flagge zeigen. Denn bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen ist es nur noch ein Jahr – und das ist schnell herum.

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