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Testseite Politik

Die US-Demokraten und die SPD

Auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten ist auch der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil dabei - um etwas zu lernen? Christina Bergmann hat mit ihm gesprochen.

Porträt von SPD-Generalsekretär Hubertus Heil

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil (Archivbild)

DW-WORLD.DE: Herr Heil, warum sind Sie denn nach Denver gekommen?

Hubertus Heil: Wir beobachten den Parteitag der Demokraten, nicht um uns vor allen Dingen die Show anzuschauen - das ist auch interessant -, aber um in Gesprächen herauszubekommen, was eine mögliche Administration Obama außen- und sicherheitspolitisch, wirtschaftspolitisch und klimapolitisch macht. Natürlich hat das Einfluss auch auf deutsche Politik und deshalb sind wir hier.

Was sind da bisher Ihre Erkenntnisse?

Es ist vieles noch im Unklaren, das ist vollkommen klar. Es ist ein Kandidat da, der hier nominiert wird, der sehr viel Hoffnung weckt, auch in Europa, auch in Deutschland, aber es ist noch nicht ganz klar, für was er inhaltlich steht. Wenn es beispielsweise um 'Afghanistan' oder um die Frage 'Wie engagiert eine Obama-Administration sich gegen den Klimawandel' geht. Das ist Gegenstand der Gespräche, aber es ist zu spüren, dass in der Demokratischen Partei, gerade seitens der Gewerkschaften, die die Demokraten ja unterstützen, eine große Sehnsucht ist, auch die Globalisierung politisch zu gestalten, beispielsweise wenn es um Arbeitsstandards auf der Welt geht.

Nun ist es ja auch Show - das haben Sie gerade gesagt - nicht nur Programm. Was hat Sie denn bisher am meisten beeindruckt?

Es ist schon beeindruckend, dass diese ganze Stadt, dass ganz Denver sich offenbar mit dieser Demokratischen Convention identifiziert. Es ist eine grandiose mediengerechte Show, die der amerikanischen Kultur entspricht. Das ist nicht auf Deutschland so übertragbar, das ist vollkommen klar, aber es ist sehr interessant, sich das anzugucken, die politische Kultur dieser ja sehr alten Demokratie der Vereinigten Staaten live und hautnah erleben zu können.

Haben Sie denn Barack Obama schon einmal persönlich getroffen?

Nein, ich habe ihn einmal gesehen auf der Veranstaltung in Berlin an der Siegessäule, aber getroffen würde ich das nicht nennen.

Würden Sie sich ihn als Kanzlerkandidaten für die SPD wünschen?

Nein, weil wir ein ganz anderes politisches System haben. Das hier ist ein präsidentielles System, wir haben eine parlamentarische Demokratie und insofern braucht man Kandidatinnen und Kandidaten, die in das entsprechende Land passen. Und keine Sorge, wir werden einen aufstellen.

Nehmen Sie denn trotzdem irgendetwas mit für den nächsten Parteitag der SPD hier von diesem Parteitag in Denver?

Für einen Parteitag weniger. Wie gesagt, wir haben eine andere politische Kultur, auch in den Parteien. Die SPD ist eine Volks- und Mitgliederpartei, die Demokratische Partei in den USA ist eine ganz andere Form von Organisation, vor allen Dingen in Wahlkampfzeiten. Was sehr interessant ist für uns, ist natürlich der Online-Wahlkampf, der hier betrieben wird, und auch die Art und Weise wie es gelungen ist, unheimlich viele junge Menschen anzusprechen, auch Grassroot-Campaigns zu organisieren, viele Freiwillige in den Wahlkampf einzubeziehen. Da kann man Techniken lernen, Inhalte nicht.

Rückt denn da die Obama-Campaign, also das Wahlkampfteam von Barack Obama, mit Informationen raus?

Man kriegt schon einiges mit im Gespräch mit Beratern, manchmal auch mit Senatoren und Kongressmitgliedern, aber natürlich: die ganzen harten Geheimnisse, die verraten die uns nicht. Die wollen sie natürlich für sich behalten. Das, was sie in den letzten Wochen im Wahlkampf zur Mobilisierung machen, das werden die auch sehr kurzfristig entwickeln. Wir werden es erleben.

Nun ist ja hier viel auf dem Parteitag der Demokraten von Zerrissenheit die Rede - Barack Obama auf der einen Seite, Hillary Clinton auf der anderen Seite - und man versucht, jetzt eben mit diesem Parteitag die Partei zu vereinen. Inwieweit können Sie sich denn da vielleicht was abgucken für Ihre eigene Partei zu Hause?

Wie gesagt, jede Partei muss das für sich beantworten in der jeweiligen politischen Kultur, aber eine interessante Frage ist, ob es Barack Obama gelingt, für sich im Rahmen dieser Kampagne auch die zu organisieren und zu mobilisieren, die man hier die 'blue-collar people', also die amerikanische Arbeiterklasse, nennt. Das ist auch für Sozialdemokraten in Deutschland natürlich wichtig, die Menschen zu erreichen, die hart arbeiten und sich an die Regeln halten. Aber das war es dann auch. Wir können hier nur beobachten, wir können Dinge mitnehmen, die vor allen Dingen mit politischen Inhalten zu tun haben.

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