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Kultur

Die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts

Am 1. August 1914 erklärt Kaiser Wilhelm II. Russland den Krieg. Innerhalb eines Monats tobt ein Krieg in historisch nie dagewesener Dimension auf drei Kontinenten. DW-WORLD blickt zurück.

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Grauenhafte Fronterlebnisse

Das Attentat auf den Thronfolger Österreich-Ungarns in Sarajevo vom 28. Juni 1914 hätte Auslöser eines kleinen, regional eng begrenzten Krieges sein können. Doch innerhalb von fünf Wochen weitete sich die dadurch ausgelöste Krise zum Flächenbrand aus, der in einem bis dahin beispiellosen Krieg mündete. Bis heute ist unter Historikern umstritten, wer hierfür die Verantwortung trägt. Sicher ist: In allen Hauptstädten der an der Juli-Krise von 1914 beteiligten Staaten wurde der Krieg als legales Mittel zur Durchsetzung der eigenen Interessen angesehen.

Neue Dimension des Tötens

Europa hatte in den Jahrzehnten vor 1914 eine beispiellose Epoche von technischem Fortschritt und industrieller Entwicklung erlebt, die sich erstmals in einem Krieg widerspiegelte: Truppenaufmärsche in Millionenstärke innerhalb weniger Tage - ohne das Transportmittel Eisenbahn undenkbar. Durchschnittlich 6000 Tote an jedem Kriegstag, mehr als zehn Millionen insgesamt - erst Maschinengewehre, schwere Artillerie, Panzer, Flugzeuge, Giftgas - als erste Massenvernichtungswaffe der Menschheitsgeschichte - und die industrielle Massenproduktion all dieser Waffen haben diese Dimension des Tötens möglich gemacht.

Erster Weltkrieg

Truppen im ersten Weltkrieg

Die Soldaten, die im August 1914 vielfach begeistert und in der Erwartung eines kurzen Krieges an die Front fuhren, ahnten nichts von dem Grauen, das sie erwartete. Die, die überlebten, kehrten als Millionenheer Verkrüppelter oder ihr Leben lang Traumatisierter zurück. Bis heute rätseln Historiker, warum sich nirgendwo in den Schützengräben Widerstand entwickelte angesichts des sinnlosen Gemetzels, des tausendfachen Sterbens für nur wenige Meter Geländegewinn.

"Schmach von Versailles"

Fatal war nicht nur die Entstehung dieses Krieges, fatal war auch sein Ende, das bereits den Keim der nachfolgenden Katastrophen in sich trug. Dass Deutschland zur Schwächung seines Kriegsgegners Russland Lenin im Herbst 1917 zur Machtübernahme in Sankt Petersburg verhalf, war eine Kriegsstrategie mit damals unabsehbaren Folgen. Historisch folgenreich aber auch der November 1918: Dass nicht Militärs den Waffenstillstand unterzeichneten, sondern ein Repräsentant der gerade entstehenden deutschen Demokratie, diskreditierte diese von Anfang an.

Bildgalerie Deutschland USA 4. Juli

Vertrag von Versailles: (von links nach rechts) Vittorio Orlando, Lloyd George, Georges Clemenceaus, Woodrow Wilson

Der Friedensvertrag von Versailles entsprach nicht dem eigentlich notwendigen Ziel, eine dauerhafte Friedensordnung in Europa zu schaffen, sondern folgte der Logik nationalistischer Kriegsziele der Sieger. Hitler verdankte seinen Aufstieg vor allem der Parole, die "Schmach von Versailles" zu tilgen. Trotz der traumatischen Fronterlebnisse einer gesamten Generation blieb in Deutschland die Idee populär, die Ergebnisse dieses Krieges in einem neuen Waffengang zu revidieren.

Auslöser weiterer Kriege

Auch die anderen, in Pariser Vororten geschlossenen Friedensverträge mit den Nachfolgestaaten der zerfallenen Großmächte Österreich-Ungarn und Osmanisches Reich enthielten Potenzial für neue Konflikte. Willkürlich gezogene Grenzen neuer Staaten, die auf ethnische Bevölkerungsstrukturen keine Rücksicht nahmen, haben weder Südosteuropa noch den Nahen Osten bis heute wirklich dauerhaft befriedet, waren vielmehr Auslöser weiterer Kriege. Die Einordnung des Ersten Weltkriegs als der "Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts" hat daher ihre Berechtigung.

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