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Unwort des Jahres

Die Unworte des Jahres seit 1991

Seit 1991 gibt es das Wort des Jahres. Viele waren hoch umstritten. Welche kennen Sie noch?

2016 wurde Volksverräter zum Unwort gekürt. Der Begriff sei "ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten", begründete die Jury die Wahl. Als Vorwurf gegenüber Politikern sei das Wort "in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt".

Für 2015 entschied sich die Jury für Gutmensch als "Unwort des Jahres". Die Begründung: Vor allem in Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe diffamiere das Wort "Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd".

2014 - Lügenpresse: Die Tatsache, dass die sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks etwa während des Nationalsozialismus einem Großteil derjenigen, die ihn skandieren, nicht bewusst sein dürfte, mache ihn "zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen", hieß es zur Begründung.

2013 - Sozialtourismus: Damit werde "von einigen Politikern und Medien gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht“, begründete die Jury.

2012 - Opfer-Abo: Der Meteorologe Jörg Kachelmann hatte nach seinem Freispruch in einem Vergewaltigungs-Prozess die Ansicht geäußert, dass Frauen in der Gesellschaft ein "Opfer-Abo" hätten. Die Jury kritisierte den Begriff dafür, dass er Frauen "pauschal und in inakzeptabler Weise" unter den Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täter zu sein.

2011 - Döner-Morde: Der Ausdruck stehe dafür, dass die politische Dimension der NSU-Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde. Durch die Reduktion auf ein Imbissgericht würden die Opfer der Morde in höchstem Maße diskriminiert.

2010 - alternativlos: Das Wort bezieht sich auf eine Äußerung von Kanzlerin Angela Merkel. Nach Asicht der Jury suggeriert es unangemessen, "dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation" gebe. Behauptungen dieser Art drohten, die Politikverdrossenheit zu verstärken.

2009 - betriebsratsverseucht: Betriebsräte als Seuche zu bezeichnen, sei "ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen", fand die Jury.

2008 - notleidende Banken: Der Begriff stellt nach Ansicht der Jury das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf. Während viele Volkswirtschaften in Bedrängnis geraten seien und die Steuerzahler Milliardenkredite mittragen müssten, würden die Banken, durch deren Finanzpolitik die Krise verursacht worden sei, zu Opfern stilisiert.

2007 - Herdprämie: Das Wort als Synonym für ein Betreuungsgeld für Familien, die ihre Kinder ohne Inanspruchnahme öffentlicher Angebote wie etwa Kindertagesstätten zu Hause betreuen, sei abwertend.

2006 - freiwillige Ausreise: Das Wort beziehe sich darauf, dass viele abgelehnte Asylbewerber vor einer drohenden Abschiebung "freiwillig" in ihre Heimat zurückkehren. Tatsächlich hätten sie aber keine andere Wahl, kritisierte die Jury.

2005 - Entlassungsproduktivität: Das Unwort dieses Jahres ist ein wirtschaftswissenschaftlicher Begriff zur Beschreibung des Phänomens, dass die durchschnittliche Arbeitsproduktivität eines Unternehmens unter Umständen zunimmt, nachdem Mitarbeiter entlassen worden sind. Es beschönige die Arbeitslosigkeit und verschweige die Mehrbelastung derjenigen, die ihren Job behalten hätten, monierte die Jury.

2004 - Humankapital: Wieder ein Begriff aus der Wirtschaftswissenschaft. Nach Ansicht der Jury degradiert es "nicht nur Arbeitskräfte in Betrieben, sondern Menschen überhaupt zu nur noch ökonomisch interessanten Größen".

2003 - Tätervolk: Der Ausdruck bezeichnet ein ganzes Volk als "Täter" für Greueltaten - bezieht sich also auf die These der Kollektivschuld.

2002 - Ich-AG: Das Wort bezeichnet ein Einzelunternehmen, das von einem Arbeitslosen gegründet worden ist, der dafür einen Zuschuss erhält. Die Jury kritisierte, dass der Ausdruck Individuen auf sprachliches Börsenniveau reduziere.

2001 - Gotteskrieger: Die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache begründete die Wahl damit, "dass kein Glaube an einen Gott gleich welcher Religion einen Krieg oder gar Terroranschläge" wie den des 11. Septembers rechtfertigen könne.

2000 - national befreite Zone: Der Begriff sei eine "zynisch heroisierende Umschreibung einer Region, die von Rechtsextremisten terrorisiert wird, damit sie 'ausländerfrei' wird".

Ein verbrannter Eisenbahnwaggon aus dem Kosovokrieg (Foto: dpa)

Die Nato schloss nicht aus, bei der Bombardierung einer serbischen Eisenbahnbrücke einen Personenzug getroffen zu haben

1999 - Kollateralschaden: Der Begriff wurde von NATO-Vertretern im Kosovo-Krieg gebraucht. Er stehe für die "Verharmlosung der Tötung Unschuldiger als Nebensächlichkeit", befand die Jury.

1998 - sozialverträgliches Frühableben: Ärztekammerpräsident Karsten Vilmar verwendete den Begriff in einem Interview über Sparpläne der damaligen Regierung im Gesundheitswesen. Nach Ansicht der Jury ist das eine "zynisch wirkende Ironisierung".

1997 - Wohlstandsmüll: Der damalige Nestlé-Verwaltungsratspräsident Helmut Maucher prägte diese verächtlichende Bezeichnung über Menschen, die nicht willens oder in der Lage sind zu arbeiten.

1996 - Rentnerschwemme: Mit dem Begriff wurde polemisch auf die Überalterung der deutschen Bevölkerung hingewiesen. Es sei - so die Jury - ein "falsches, Angst auslösendes Naturbild" für einen sozialpolitischen Sachverhalt.

1995 - Diätenanpassung: Mit dem Wort werde die von den Bundestagsabgeordneten selbst beschlossene Diätenerhöhung beschönigt.

1994 - Peanuts: Der englische Ausdruck, der umgangssprachlich für Kleinigkeiten oder unbedeutende Geldsummen steht, wurde vom damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, für offene Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Millionen Mark benutzt, die im Zuge der Insolvenz des Immobilienunternehmers Jürgen Schneider aufgelaufen waren. Zwar war dies lediglich ein Prozent des Gesamtschadens, zwang aber manchen Gläubiger in die Insolvenz.

1993 - Überfremdung: Die Jury geißelte damit ein rechtsradikales Scheinargument gegen den Zuzug von Ausländern.

1992 - ethnische Säuberung: Das Wort bezeichnet das Entfernen einer ethnischen oder religiösen Gruppe aus einem bestimmten Territorium - in der Regel durch gewaltsame Vertreibung, Deportation oder Mord. Der Begriff wurde verwendet, um Vorgänge während der Jugoslawienkriege zu beschreiben.

1991 - ausländerfrei: Das erste Unwort des Jahres bezieht sich auf die ausländerfeindlichen Übergriffen in der sächsischen Stadt Hoyerswerda, wo randalierende Neonazis vor aller Augen Heime von Asylbewerbern und Vertragsarbeitern mit Steinen und Molotow-Cocktails bewarfen und deren Bewohner tätlich angriffen. Der Zusammenhang mit "judenfrei", einem Begriff des Nazi-Regimes, war von den Tätern beabsichtigt. Das und die Menschenverachtung, die das Wort ausdrückt, bewogen 1991 die Gesellschaft für deutsche Sprache dazu, erstmals ein Unwort des Jahres neben dem Wort des Jahres festzulegen.

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