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Asien

Die ungleiche Symbiose

China und die USA sind wirtschaftlich auf Gedeih und Verderb miteinander verflochten. Anfang dieser Woche findet in Washington die nächste Runde des Wirtschaftsdialogs zwischen den beiden Staaten statt.

Symbolbild: Adler trifft Drache

Die USA und China - zwei Hoffnungsträger der Weltwirtschaft?

US-Finanzminister Timothy Geithner (Foto: dpa)

US-Finanzminister Timothy Geithner

Im März 2009 veröffentlichte das Center for Strategic and International Studies eine Studie zu den Beziehungen zwischen den USA und China. Die Washingtoner "Denkfabrik" für Außenpolitik betonte gleich im ersten Satz der Studie, dass die Beziehungen zwischen China und den USA größere Auswirkungen auf internationale Angelegenheiten haben könnten als jede andere Beziehung. Und im letzten Absatz heißt es: keine globale Herausforderung ließe sich ohne Zusammenarbeit von USA und China bewältigen. Schon gar nicht die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise.

Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner hat deshalb ganz zu Recht bei seinem Besuch in Peking Anfang Juni betont, dass der erfolgreiche Wandel hin zu einer ausgeglicheneren, stabilen Wirtschaft weltweit substanzielle Veränderungen der Wirtschaftspolitik und der Regulierung der Finanzwirtschaft verlangt. Einige der wichtigsten Veränderungen, sagte Geithner, würden dabei von den USA und China kommen müssen. "Ob wir in Washington und Peking erfolgreich sind, wird entscheidend sein für die Wirtschaft im Rest der Welt."

Gegenseitige Abhängigkeit

Chinesische Spielwaren in einem US-amerikanischen Geschäft (Foto: AP)

Chinesische Spielwaren in einem US-amerikanischen Geschäft

Die Volkswirtschaften der letzten Supermacht und der aufstrebenden Regionalmacht sind eng miteinander verflochten. China versorgt den amerikanischen Markt mit billigen Konsumgütern. Das Land ist auf diesen Markt auch angewiesen: für anhaltendes Wirtschaftswachstum, für Beschäftigung und soziale Stabilität. Das bilaterale Handelsvolumen belief sich 2008 auf rund 400 Milliarden US-Dollar. Wobei die USA ein Defizit von 266 Milliarden Dollar einfuhren. Seit Jahren schon sorgt das wachsende US-Handelsdefizit mit China in Washington für Verärgerung.

Kaum im Amt, hatte Geithner im Januar China der "Währungsmanipulation" bezichtigt, um seine Exporte in die USA künstlich zu verbilligen. Barack Obama musste mit der chinesischen Führung telefonieren, um den Unmut in Peking wieder auszuräumen. Die durch den Handel mit den USA - aber auch mit der EU - erzielten Überschüsse wiederum fließen von China in die USA zurück. Es wird geschätzt, dass rund 70 Prozent des chinesischen Devisenschatzes in US-Dollar angelegt sind. Ende Juni war der schon auf über zwei Billionen Dollar angewachsen. Rund 800 Milliarden hat Peking in amerikanische Staatsobligationen investiert.

Das heißt: Mit den Überschüssen aus dem US-Geschäft finanziert China den US-Haushalt mit. Nach Daten des US-Finanzministeriums hält China etwa ein Viertel der gesamten in ausländischer Hand befindlichen US-Schulden. Damit ist das Land größter Gläubiger der USA. Und weil mit den Rettungspaketen der US-Regierung der Finanzbedarf weiter gestiegen war, warb die amerikanische Außenministerin Hilary Clinton Ende Februar in Peking für das fortgesetzte Vertrauen der chinesischen Regierung in die US-Staatsanleihen: Denn "die USA und China werden sich erholen und gemeinsam die globale Erholung anführen", ist sich die US-amerikanische Außenministerin sicher.

Skeptische Chinesen in der "Dollar-Falle"

Chinas Premier Wen Jiabao (Foto: AP)

Chinas Premier Wen Jiabao sorgt sich um die Dollarreserven seines Landes

Das Vertrauen der Chinesen in den Dollar ist allerdings erschüttert. Ministerpräsident Wen Jiabao erklärte am 13. März, er sei um die Sicherheit der chinesischen Dollar-Anlagen besorgt. Eine Sorge, die auch Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, für begründet hält. Seiner Meinung nach hätten die Chinesen zu einseitig investiert: "Die unklugen Chinesen haben nahezu alle ihre finanziellen Eier in ein Nest gelegt. Und das ist etwas, was man üblicherweise nicht tut", erklärt Walter.

Und trotzdem werden die Chinesen zur Freude Washingtons vermutlich ihre Überschüsse weiter in Dollars anlegen. Kein anderer Markt kann so viel Geld aufnehmen wie der US-amerikanische. Das massenhafte Abstoßen von Dollar-Anleihen würde den Markt dagegen zusammenbrechen lassen. Für Norbert Walter sitzt Peking so in einer Art "Dollar-Falle". Es wir also spannend werden beim strategischen Wirtschaftsdialog in Washington. Und wenigstens interkulturell ist Timothy Geithner gut auf die Begegnung mit dem chinesischen Vize-Premier Wang Qishan vorbereitet: Geithner hat einmal in Peking Chinesisch studiert.

Autor: Matthias von Hein
Redaktion: Thomas Latschan

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