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Nahost

Die unbekannten Anführer

Die beiden wichtigsten Anführer von Al-Kaida im Irak sollen getötet worden sein. Ihre genaue Funktion in der Terror-Organisation ist allerdings unklar, meint Nahost-Experte Guido Steinberg.

Iraks Ministerpräsident Nuri Al-Maliki zeigt Fotos von Abu Ajjub Al-Masri und Abu Omar Al-Bagdadi (Foto: AP)

Iraks Ministerpräsident Nuri Al-Maliki zeigt Fotos von Abu Ajjub Al-Masri und Abu Omar Al-Bagdadi

Immer wieder ist er in den vergangenen Jahren für tot erklärt worden: Abu Omar Al-Bagdadi, einer der wichtigsten Anführer von Al-Kaida im Irak. Das ist schon so oft geschehen, dass amerikanische Ermittler bereits davon ausgingen, Abu Omar gebe es überhaupt nicht – er sei nur eine erfundene Person. Jetzt aber melden sowohl die irakische als auch die amerikanische Regierung, dass Abu Omar Al-Bagdadi und Abu Ajjub Al-Masri, der ebenfalls zur Al-Kaida-Spitze gehören soll, bei einem Militäreinsatz im Irak getötet worden seien. US-Vizepräsident Joe Biden nannte den Tod der beiden Al-Kaida-Mitglieder im Irak einen "vernichtenden Schlag".

Widersprüchliche Angaben

Guido-Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (Foto: SWP)

Guido-Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik

Guido Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, ist mit seiner Einschätzung etwas zurückhaltender. Er plädiert dafür, abzuwarten, ob das Terrornetzwerk Al-Kaida im Irak den Tod der beiden Kämpfer bestätigt. "Das ist wahrscheinlich die verlässlichere Information", meint Steinberg. Schließlich gebe es zu Abu Omars Person widersprüchliche Angaben. Unter anderem, dass er ein Phantasiegebilde der irakischen Al-Kaida sei, um der Organisation einen irakischen Anstrich zu geben, da sie als von ausländischen Arabern dominiert gilt. Oder dass es sich bei Abu Omar um einen ehemaligen Offizier der irakischen Armee handele. "Zumindest öffentlich ist nicht weiter bekannt, wer dieser Mann überhaupt ist", erklärt Steinberg.

Unsichere Information

Ähnlich schätzt der Nahost-Experte den Al-Kaida-Anführer Abu Ajjub ein: "Über seine frühe Karriere innerhalb der Al-Kaida ist so gut wie nichts bekannt. Auch deswegen gibt es Zweifel, ob er denn wirklich eine so starke Position innerhalb der irakischen Al-Kaida innehat, wie das immer behauptet wird." Sollten die beiden Al-Kaida-Mitglieder tatsächlich getötet worden sein, rechnet Steinberg mit entsprechenden Informationen Al-Kaidas im Internet. "Immer, wenn wichtige Personen getötet wurden und das nicht mehr zu leugnen war, hat es Nachrufe auf solche Persönlichkeiten gegeben. Es ist davon auszugehen, dass die Organisation auch jetzt nicht von dieser Praxis absehen wird."

Gezielte Verwirrung

Das zerstörte irakische Finanzministerium (Foto: AP)

Für den Anschlag auf das irakische Finanzministerium 2009 wird Al-Kaida verantwortlich gemacht

Irakischen Angaben zufolge waren Abu Omar und Abu Ajjub am Sonntagmorgen in einem Haus zehn Kilometer von Tikrit aufgespürt und bei einer Militäraktion getötet worden. Abu Omar und Abu Ajjub galten als wichtigste Anführer von Al-Kaida im Irak, seit deren aus Jordanien stammende Anführer Abu Mussab Al-Sarkawi im Juni 2006 von US-Soldaten getötet worden war. Allerdings sei nicht einwandfrei nachvollziehbar, wer Al-Kaida im Irak tatsächlich anführe, sagt Steinberg: "Im Grunde hat Al-Kaida in den vergangenen Jahren die Weltöffentlichkeit und ihre Gegner im Unklaren darüber gelassen, von wem sie denn eigentlich geführt wird. Das hat es den Amerikanern und Irakern enorm erschwert, die Führungsspitze zu zerschlagen."

Wenig Schlagkraft

Iraks Ministerpräsident Nuri Al-Maliki sagte in Bagdad, der irakische Ableger von Al-Kaida sei nach dem Tod von Abu Omar und Abu Ajjub "zu schwach, um noch eine Gefahr im Irak darzustellen". Die Gruppe sei "ernsthaft geschwächt", aber "noch nicht vollständigt ausgeschaltet". Der Oberkommandierende der US-Truppen im Irak, Ray Odierno, bezeichnete die Tötung der beiden Al-Kaida-Mitglieder als "den bedeutendsten Schlag gegen Al-Kaida im Irak seit Beginn des Aufstands".

Dass die Organisation mittlerweile sehr geschwächt sei, meint auch Guido Steinberg: "Al-Kaida im Irak ist nicht mehr Teil einer großen Aufstandsbewegung. Sie hat sich im Grunde von einer größeren Guerilla-Truppe zu einer kleinen Terror-Organisation zurückentwickelt." Zwar sei Al-Kaida noch in der Lage, aufsehenerregende Anschläge zu verüben, beispielsweise auf die Ministerien in der zweiten Jahreshälfte 2009. Aber sie habe nicht mehr die Schlagkraft, solche Anschläge in einer hohen Frequenz auszuführen. "Insofern ist sie auch keine Bedrohung für die Stabilität des irakischen Staates mehr, wie sie das bis 2007 in jedem Fall war", meint Guido Steinberg.

Autorin: Anne Allmeling
Redaktion: Diana Hodali

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