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Kultur

Die Tour lebt, das Radsport-Sponsoring kränkelt

Das größte Radsportspektakel der Welt hat begonnen. Wird wieder eine Dopingaffäre den Sport in den Schatten stellen? Die Skandale der vergangenen Jahre haben Spuren im Radsportsponsoring hinterlassen.

Fahrerfeld auf den Champs Elysees in Paris im Juli 2007. (c) dpa - Bildfunk

Die Tour de France zieht immer noch Massen, aber nicht mehr Geld.

Stell´ dir vor, es ist Tour de France und keiner interessiert sich dafür! Noch ist es nicht soweit, doch das größte Radsportspektakel der Welt hat wegen der Dopingskandale der vergangenen Jahre Federn gelassen. "Nirgendwo wurde die Glaubwürdigkeit des Radsports und auch der Tour de France als Aushängeschild so stark erschüttert wie in Deutschland", sagt Alexander Krause von der Kölner Marktforschungsagentur Sport+Markt. Die Studien belegten, dass auch in Frankreich, Spanien oder Italien das Interesse an der Tour zurückging, doch die Werte brachen nicht so dramatisch ein wie in Deutschland.

Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen wird in der noch relativ jungen Radsportnation Deutschland mehr und intensiver über Doping berichtet und diskutiert. Zum andern sieht man in den klassischen Radsportländern das Problem wohl seit langem realistischer: "Die Fans dort waren von den Dopingenthüllungen gar nicht so überrascht, weil sie ohnehin nicht von einem reinen Radsport ausgegangen waren."

Gefallene Helden, verlorene Sponsoren

Erik Zabel, Radfahrer des Team Milram, mit gefalteten Händen wie zum Gebet. Aufgenommen bei der Dopingbekenntnis-Pressekonferenz in Bonn am 24. Mai 2007. (AP Photo/Roberto Pfeil)

Reumütiger Sünder: Erik Zabel

Ganz anders in Deutschland. Hier investierten Unternehmen seit Jahren Millionensummen in die Helden der Landstraße - im Glauben, sie unterstützten einen sauberen Sport. Bis die früheren Helden wie Erik Zabel oder Rolf Aldag aus dem Doping-Nähkästchen plauderten. Jan Ullrich schweigt noch immer. "Doch es ist für alle offensichtlich, dass er gedopt hat", sagt Marktforscher Krause. Die Sympathiewerte für Ullrich seien jedenfalls dramatisch eingebrochen.

Der Telekom-Konzern zog 2007 die Notbremse und verabschiedete sich nach 16 Jahren aus dem Radsport-Sponsoring. Gerolsteiner steigt nach der Saison 2008 aus. Die Mannschaft steht vor dem Aus, weil Teamchef Hans-Michael Holczer bisher keinen neuen Geldgeber finden konnte. Schuld seien "die Standort-Gegebenheiten, die wahrscheinlich schwieriger sind als in jedem anderen Land".

Diese Einschätzung teilen auch die Marktforscher. "Unternehmen überlegen es sich heute zwei oder drei Mal, bevor sie in den Radsport einsteigen", sagt Krause. Und das obwohl sich einem Sponsor paradiesische Möglichkeiten böten. Wo sonst könne ein Geldgeber einem Team seinen Namen geben und derart frei Sportler für Werbekampagnen und Termine einplanen? Und das auch noch für wenig Geld. Denn die Preise sind gepurzelt. Auf 100 bis 150 Millionen Euro schätzen Experten den Wertverlust des Radsports in den vergangenen beiden Jahren.

Totgesagte leben länger

Die Tour de France hat die Stürme der vergangenen Jahre überstanden, wenn auch mit Blessuren. "Sie ist sehr belastbar", meint Krause, "was ihr widerfahren ist, hätte für andere Sportveranstaltungen das Aus bedeutet“. Die Todesanzeigen der französischen Presse für die Tour im vergangenen Jahr waren verfrüht. Auch 2008 werden die Radsportfans in Frankreich wieder in Massen an die Strecke strömen, etwa zum legendären Anstieg nach Alpe d´Huez oder auf die Champs Elysees in Paris. 2Sie wollen den Mythos fühlen", sagt der Marktforscher. Frei nach dem Motto: Die Tour ist tot, es lebe die Tour.

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