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Sport

Die Tour de Ski wird Fünf

Am Anfang belächelt, jetzt geachtet: Die Tour de Ski hat sich zu einem etablierten und vor allem geschätzten Wettbewerb entwickelt. Am Silvestertag startet das Großereignis der Langläufer bereits zum fünften Mal.

Evi Sachenbacher-Stehle bei den Olympischen Winterspielen Vancouver 2010 in Whistler, Canada. (Foto: dpa)

Bei den Langläuferinnen mit dabei: Evi Sachenbacher-Stehle

Was bitte ist die Tour de Ski? So oder ähnlich reagierte die Sportwelt im Winter 2006, als der Wettbewerb ins Leben gerufen wurde. Jetzt, vier Jahre später, ist die Skepsis gewichen. Am Silvestertag 2010 beginnt bereits die fünfte Auflage des Mehretappen-Rennens für Skilangläufer und die Tour hat sich etabliert. Die Sportler sind heiß, die Sponsoren zufrieden und das Fernsehen reißt sich um die Übertragungsrechte.

Der Erfinder des Wettbewerbs, Jürg Capol, war von Anfang an vom Erfolg seines Projektes überzeugt. Das Kopfschütteln, ja den Spott zahlreicher Experten verdrängte der Schweizer beharrlich und genießt nun die Anerkennung seiner einstigen Kritiker. "Wenn ich nicht überzeugt gewesen wäre, hätte ich mich nicht so engagiert", sagt Capol. Eigentlich könnte er sich zufrieden zurück lehnen, doch davon ist er weit entfernt. Capol, mittlerweile als Race Direktor Langlauf beim Weltverband FIS in Lohn und Brot, weiß, dass die Entwicklung noch lange nicht beendet ist: "Mit fünf ist man noch nicht erwachsen, aber man ist auch kein Kleinkind mehr. Die Tour ist jetzt stabil, jetzt kann man an das Verfeinern des Systems gehen."

Ein Großereignis das beeindruckt

Die Skilangläufer vor der atemberaubenden Kulisse der Tour de Ski in Oberhof. (Foto: AP)

Die Skilangläufer vor der atemberaubenden Kulisse der Tour de Ski in Oberhof

Die Tour de Ski 2010 hält für die weltbesten Skilangläufer das bislang ausgewogenste Programm bereit. In Oberhof, Oberstdorf, Toblach und Cavalese werden die komplettesten Langläufer gesucht, die für ihre Leistungen ein sattes Preisgeld erhalten. Den Siegern bei Damen und Herren winken jeweils 119.730 Euro, dazu gibt es 400 Weltcup-Punkte. Sollte es einem Athleten gelingen, alle Etappen zu gewinnen, würde er mit 800 Punkten die Heimreise antreten.

Davor haben die Veranstalter jedoch ein Mammutprogramm gesetzt, das den Teilnehmern alles abverlangt. Während die Frauen 58,9 Wettkampf-Kilometer absolvieren müssen, stehen die Männer 105,15 Kilometer auf Ski. Um von einem Wettkampfort zum anderen zu gelangen, verbringen alle Teilnehmer rund 932 Kilometer im Auto. Die fünfte Tour-Auflage erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit unter den Medien. 368 Journalisten berichten von der Veranstaltung. Das Finale zur Alpe Cermis in Italien wird von 14 Fernsehstationen live übertragen. Im vergangenen Winter verfolgten rund 75.000 Zuschauer die acht Etappen live an den Wettkampfstrecken, in diesem Jahr rechnen die Organisatoren mit mindestens 100.000 Interessierten.

Deutsche mit gedämpften Erwartungen

Bundestrainer Jochen Behle an der Strecke der Langlauf Staffel der Frauen bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010, Kanada. (Foto: sampics Photographie)

Bundestrainer Jochen Behle hat es nicht leicht in diesem Winter

Die Vorfreude ist allerorten groß und so meint Bundestrainer Jochen Behle dann auch: "Die Tour ist ein Highlight geworden, weil sie alles bietet, was das Langlauf-Herz begehrt." In diesem Jahr allerdings zählen die Deutschen erstmals nicht zum unmittelbaren Favoritenfeld. "Wir werden nicht siegen", betont der 50-Jährige angesichts der Tatsache, dass seine komplette A-Garnitur im Dezember krankheits- und verletzungsbedingt ausgefallen war und nun versuchen muss, wieder in den Wettkampfrhythmus zu kommen.

"Wir haben einfach noch zu viele Baustellen, um ganz nach vorn zu kommen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht um Tagessiege kämpfen wollen." Von den Deutschen hat sich vor allem Axel Teichmann einiges vorgenommen. Der Bad Lobensteiner will wie in den Jahren zuvor bei seinen Heimrennen in Oberhof zu Silvester und am Neujahrstag glänzen. "Das ist etwas ganz Besonderes. Ich bin sehr heimatverbunden und gern hier. Unter den Zuschauern sind viele Familienangehörige, Freunde und Fans, die haben es durch ihre Treue verdient, dass ich ihnen mein Können zeige", sagt der Lokalmatador, ohne sich auf ein konkretes Ziel festlegen zu wollen.

Die deutschen Skilangläufer Tobias Angerer (l.) und Axel Teichmann im Ziel in Oberhof. (Foto: dpa)

Deutsche Hoffnungen: Angerer (li.) und Teichmann

Ähnlich sieht es der Frankenhainer Jens Filbrich. Nach seiner Erkältung ist er wie Teichmann wieder fit und strebt einen Platz unter den besten Zehn der Gesamtwertung an. Ein Fragezeichen steht hinter dem Leistungsvermögen von Tobias Angerer. Der Vachendorfer, der die Tour-Premiere für sich entschieden hatte, kam bislang nicht in die Gänge und erhielt von Behle vor Weihnachten sogar Sonderurlaub, um Abstand vom Langlauf zu bekommen.

Von seinem Traumaufgebot ist der Bundestrainer sowieso weit entfernt. So musste Jochen Behle einen Tag vor dem Tour-Start einen weiteren Ausfall hinnehmen. Thomas Bing aus Dermbach sagte seine Teilnahme wegen einer fiebrigen Erkältung ab. Zuvor hatte bereits die deutsche Siegeshoffnung Nicole Fessel aus Oberstdorf passen müssen.

Die großen Favoriten

Die größten Chancen auf den Gesamtsieg werden dem Russen Alexander Legkow und dem Schweizer Dario Cologna eingeräumt. Auch Norwegens Olympiasieger Petter Northug könnte das diesjährige Programm auf den Leib gestrickt sein. Bei den Frauen gehen alle Experten davon aus, dass die Polin Justyna Kowalczyk ihren Vorjahreserfolg wiederholt, zumal die dreimalige Olympiasiegerin Marit Björgen aus Norwegen als einzige der Top-Athleten auf die Tour verzichtet.

Autor: Calle Kops (sid, dpa)
Redaktion: Eleonore Uhlich