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Wirtschaft

Die theoretische Ölreserve

In Kanada, Alaska und Venezuela, vor den Küsten Afrikas, Südamerikas und Nordeuropas liegen riesige Ölreserven: in Sand und Sedimenten, in der Tiefsee beziehungsweise im Dauerfrost. Wer sie haben will, zahlt drauf.

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Ölschiefer: Wo keine Bohrinsel hin kann, wird es schwierig


Ölsand, Ölschiefer, Polar- und Tiefseeöl - diese vier versprechen gigantische Ausbeute. Die Ölsand- und Ölschieferlagerstätten sind zum Teil schon seit Jahrhunderten bekannt. Und sie sind gewaltig. Polar- und Tiefseeöl bieten obendrein technische Herausforderungen, mit denen die Erdölkonzerne ihre Innovationsfreude zeigen können.

Pipeline - Panoramabild

Viel vorhanden, wenig genutzt

"Energiekonzerne und Ölfirmen wollen die gegenwärtige Produktion von Öl aus 'unkonventionellen Lagerstätten' in den nächsten zehn Jahren verdoppeln", erzählt Wolfgang Blendinger, Professor für Erdöl-Geologie an der TU Clausthal. "Verdoppeln" hieße in diesem Fall: eine Steigerung von derzeit zwei bis drei auf möglichweise sechs Prozent Anteil an der Erdöl-Gesamtfördermenge. Aber: "Wenn die Vorräte so irrsinnig groß sind: Warum sind dann die Fördermengen so lächerlich gering?", fragt Blendinger. Die Frage des Experten ist natürlich rhetorisch - die geologisch fundierte Antwort folgt prompt:

1. Was ist Ölsand?

Förderbrücke Illumination

Ob Braunkohle oder Ölsand: Die Abraumförderbrücken unterscheiden sich kaum

Ölsand ist ein Gemisch aus 83 Prozent Sand, 4 Prozent Wasser und zirka 13 Prozent Bitumen. Bitumen ist ein klebriges, teeriges Kohlenwasserstoffgemisch, das künstlich bei der Erdölverarbeitung entsteht - oder als natürliches Bitumen in eben jenem Ölsand eingeschlossen ist. "Um den Teer vom Sand zu trennen, sind Unmengen Wasser notwendig", erklärt Blendinger. Das Bitumen wird mit heißem Wasserdampf aus dem Sand gelöst. Zehn Prozent der teilweise 40 Meter dicken Ölsand-Schichten sind Tagebaue. Pro Tonne Rohöl fallen 25 Tonnen Schutt und Abraum an. Tiefergelegene Sedimente werden "In-Situ" - also "vor Ort" - angezapft: Dazu wird Wasserdampf ins Erdreich gepumpt und das verflüssigte Bitumen an die Oberfläche befördert.

Ölsand in Kanada

Schmierig: Ölsand

Russland und Venezuela haben große Ölsand-Lagerstätten, am meisten genutzt werden sie in Kanada: Das Teersand-Vorkommen in der Provinz Alberta verteilt sich auf etwa 140.000 Quadratkilometer. Eine Tonne Ölsand ergibt ein halbes Barrel (80 Liter) Öl. 2001 hat Kanada pro Tag 350.000 Barrel davon synthetisiert, theoretisch könnte Kanada 180 Milliarden Barrel Öl gewinnen. "Damit aus Bitumen Rohöl wird, muss der Teer mit Wasserstoff angereichert werden. Dieser Wasserstoff wird aus Erdgas gewonnen", sagt Blendinger. Das heißt: Der eine Rohstoff wird verbraucht, um den anderen zu gewinnen, "eine klassische Nutzungs-Konkurrenz". Ein Viertel der Treibhausgase Kanadas kommt aus diesen Anlagen.

2. Was ist Ölschiefer?

Regenwald in Puerto Rico

Riesenfarne können irgendwann zu Erdöl werden

Ölschiefer ist kein "Schiefer" im eigentlichen Sinne, das Material eignet sich nicht zum Dächerdecken. Der Schiefer enthält auch kein Erdöl, sondern Kerogen - organisches Material, aus dem Erdöl werden kann. Lässt man den Ölschiefer noch ein paar Millionen Jahre liegen, erledigt sich das auf natürliche Weise. Mit technischer Nachhilfe funktioniert es auch: Der Ölschiefer wird im Tagebau abgebaut und auf 500 Grad Celsius erhitzt.

"Die nicht vorhandene Energie-Effizienz ist noch viel deutlicher als beim Ölsand", berichtet Blendinger. Denn das Verschwelungs-Verfahren verbraucht mehr Energie, als im so gewonnenen Rohöl enthalten ist. Theoretisch ergäbe eine Tonne Schiefer zirka 0,7 Barrel (115 Liter) Rohöl, hat das Unternehmen Unocal Corporation ermittelt. Allerdings: "Kein einziges Land der Welt gewinnt derzeit Rohöl aus Ölschiefer." Weltweit sollen 355 Milliarden Tonnen Öl in Schiefer eingeschlossen sein. Drei Viertel aller Ölschiefervorräte lagern in den USA, in Colorado, Utah und Wyoming. Auch Australien, Russland und China sind gut ausgestattet.

Reserve-Lagerstätten für "fertiges" Erdöl gibt es auch, sie sind nur teilweise schlecht zugänglich. Lesen Sie auf der nächsten Seite, ob es sich lohnt, auf Tiefsee- und Polaröl zu hoffen.

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