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Fußball

Die Suche nach der Leichtigkeit

Im letzten Vorrundenspiel gegen Frankreich will das deutsche Team endlich zeigen, was es wirklich drauf hat - und den Gruppensieg holen. Dabei wird Spielführerin Birgit Prinz voraussichtlich nicht von Anfang an spielen.

Birgit Prinz und Fatmire Bajramaj (Foto: picture alliance)

Unzufrieden: Prinz (l.) und Bajramaj

"Es ärgert mich total, dass wir den Fans bisher noch nicht zeigen konnten, was wir können", sagt Linda Bresonik. Die Rechtsverteidigerin fordert deshalb: "Wir müssen einfach wieder Spielfreude entwickeln." Nach den haushohen Siegen in der Vorbereitung dieser Weltmeisterschaft hatten Mannschaft, Fans und Medien wohl gedacht, dass es auch beim Turnier so weiter gehen würde. Den Druck einer Heim-WM hat das Team anscheinend unterschätzt, zudem hatten Zuschauer und Journalisten ihn unnötig aufgeheizt. So werben die Fernsehanstalten ARD und ZDF für die Frauen-Fußball-WM mit "3. Plätze sind was für Männer", in Anspielung auf den dritten WM-Rang bei der Männer-WM in Deutschland vor fünf Jahren, und mit "Jungs, wir rächen euch." Das suggeriert den Zuschauern: Deutschland steht als Weltmeister schon fest.

Gehemmt, gar blockiert

Spielszene Deutschland - Nigeria (Foto: picture alliance)

Arbeitssieg gegen Nigeria

In der ersten Partie, dem 2:1-Sieg gegen Kanada, hatte die DFB-Elf zwar nicht schlecht gespielt, aber die ungewohnte Kulisse von 74.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion machte viele Spielerinnen offensichtlich so nervös, dass sie viele Fehlpässe spielten. Enttäuschend war das zweite Gruppenspiel gegen Nigeria, das Deutschland knapp mit 1:0 gewann. Der Weltmeister schaffte es nicht, den Afrikanerinnen sein Spiel aufzuzwingen. Das deutsche Team wirkte gehemmt, gar blockiert.

Der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt

Im letzten Vorrundenspiel an diesem Dienstag (05.07.2011, 20:45 Uhr MESZ) geht es gegen Frankreich nun um Platz eins in der Gruppe A. "Frankreich hat eine sehr gute Mannschaft, die spielerische Akzente zu setzen weiß", warnt Bundestrainerin Silvia Neid. Doch genau das dürfte den Deutschen entgegenkommen. "Weil sich Frankreich nicht nur hinten reinstellt, ergeben sich für uns vielleicht Löcher", meint Stürmerin Alexandra Popp. Sie und ihre Teamkolleginnen haben nun gegen den Weltranglisten-Neunten die Chance, die Begeisterung der erwartungsfrohen Fans wieder zu erwecken. Obwohl die Französinnen beim 4:0-Erfolg über Kanada viel besser spielten als die deutsche Elf bisher, ist das deutsche Team siegessicher. "Sie schweben jetzt auf Wolke sieben. Wir wollen sie wieder auf den Boden der Tatschen holen", so Linda Bresonik.

Umziehen oder bleiben?

Deutschland muss gewinnen, um Platz eins in der Gruppe zu sichern. Als Erster würde der zweimalige Weltmeister für das Viertelfinale am Samstag (09.07.2011) nach Wolfsburg umziehen, als Zweiter in Düsseldorf bleiben und in Leverkusen antreten. Mögliche Gegner sind Japan und England, die an diesem Dienstag (18:15 MESZ) um den Sieg in der Gruppe B spielen. Mexiko hat nur noch theoretische Chancen auf ein Weiterkommen. DFB-Präsident Theo Zwanziger will aber keinen zusätzlichen Druck aufbauen. "Wenn es der erste Platz wird, ist es klasse. Wenn es der zweite wird, ist das auch in Ordnung."

Sorgenkind Prinz

Spielführerin Prinz (l.) auf der Bank (Foto: dapd)

Ungewohnt: Prinz (l.) auf der Bank

Doch wie können die Spielerinnen dazu gebracht werden, wieder gewohnt locker und souverän aufzutreten? Bundestrainerin Neid und ihr Team versuchten es in den vergangenen Tagen mit Einzelgesprächen und lockeren Trainingseinheiten. Doch dabei stört vor allem ein Thema: die Leistung von Spielführerin Birgit Prinz. Nach ihren schlechten Auftritten und ihren frühen Auswechselungen in den bisherigen zwei Partien wird die deutsche Rekordnationalspielerin gegen Frankreich voraussichtlich nicht in der Startelf stehen. "Sie kommt morgens nicht gerade pfeifend zum Frühstück", berichtet Co-Trainerin Ulrike Ballweg. Die Weltfußballerin von 2003 und 2005 dient derzeit also kaum zur Stimmungskanone.

Langsamer, aber erfahren wie keine

Aber Prinz sollte auch nicht als Ursache für das bislang verkrampfte Auftreten der deutschen Elf herhalten müssen. Die 33-Jährige hat durch ihre einzigartige Karriere das Außergewöhnliche zur Normalität gemacht. Deshalb fällt ihre Schwächephase derzeit umso mehr auf. Bei der Kritik an Prinz wird jedoch gerne übersehen, dass sie mittlerweile nicht nur eine reine Torjägerin ist, sondern sich auch zu einer Spielgestalterin entwickelt hat. Deshalb wäre es interessant zu erfahren, wie Prinz spielen würde, wenn Neid sie nicht in der Spitze aufstellen würde. Dass sie dort nicht mehr die Antrittsschnelligkeit wie früher hat, ist klar. Aber ihre Erfahrung und technische Klasse können für das Team im weiteren Turnierverlauf noch von unschätzbarem Wert werden - und das wissen auch ihre Mannschaftskolleginnen.

Bajramaj in der Startelf?

Melanie Behringer hat sich gegen Nigeria verletzt (Foto: picture alliance)

Verletzt: Melanie Behringer

"Sie hat unsere volle Unterstützung", betont Inka Grings. Die erfolgreichste Torjägerin im deutschen Vereinsfußball ist bisher nur als Joker zum Einsatz gekommen und kann die Situation von Prinz wahrscheinlich gut nachvollziehen. Auch Fatmire Bajramaj kann bisher alles andere als zufrieden sein. Vor Beginn der WM musste die Mittelfeldspielerin ihren Platz an Melanie Behringer abgeben. Doch nun gibt es Hoffnung, dass sie gleich von Anfang an spielen wird. Denn Behringer hatte sich im Spiel gegen Nigeria verletzt und wird noch nicht hundertprozentig fit sein.

Um die Ehre

Der Konkurrenzdruck und die hohen Erwartungen der Fans und Medien sind also weiterhin enorm. Doch das ist immer noch besser als die Situation von Kanada und Nigeria. Denn bei den anderen beiden Teams der Gruppe A geht es um nichts mehr, sie sind bereits vorzeitig ausgeschieden.

Autorin: Sarah Faupel
Redaktion: Joscha Weber

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