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Wirtschaft

Die Suche nach dem perfekten Team

Ob in der Bundesliga der Ball rollt oder nicht, die Club-Manager basteln ständig am entscheidenden Transfercoup und versuchen, ihr Team noch besser zu machen. Eine neue Studie zeigt, wie schwierig das geworden ist.

Früher sind viele Fußballspieler, die von ihrem Sport nicht lassen konnten, vom Rasen an den Schreibtisch gewechselt und Manager geworden. Doch es setzt sich die Erkenntnis durch, dass dazu mehr gehört - nämlich ein profundes Wissen auf Gebieten, mit denen ein Fußballer normalerweise nicht in Verbindung kommt. Vorbei die Zeiten, wo ein Manager einfach einen Kicker überredete, in Zukunft eben für einen anderen Verein die Stiefel zu schnüren. Heute "kommt es darauf an, Spieler unterschiedlicher Herkunft zu integrieren. Man muss die Arbeitskraft, die man akquiriert hat, bestmöglich nutzen und integrieren. Und dazu braucht es ein Management für Vielfalt, für ethnische Vielfalt auch", sagt Henning Vöpel im Gespräch mit DW-WORLD.DE.

Der Ökonom vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut hat eine Studie mit dem Titel "Fußball-Management" vorgelegt. Deren Untertitel "Mikroökonomische und spieltheoretische Modellierung von Managemententscheidungen" lässt schon ahnen, dass nicht nur der Sport selbst professioneller geworden ist, sondern auch die Methoden, mit denen er betrieben und verwaltet wird.

Infografik Fussball Managment Quelle: DW / HWWI

Auch wenn die Rechnung aufgeht: Der Stürmer muss treffen, der Star darf sich nicht verletzen.

Natürlich gibt es auch noch angehende Manager, die aus dem Sport selbst kommen. Zum Beispiel Mike Abbink. Der 26-Jährige studiert Sport-Management, weil "ich vorher bei Alemannia Aachen im Nachwuchsleistungszentrum war und da auch eine Ausbildung gemacht habe." Nach seinem Studium will er als Manager in den Fußballbetrieb zurück.

Aber er hat schnell gemerkt, dass die Arbeit am Schreibtisch anders ist als die auf dem Trainingsplatz. "Der Praxisbezug zum Sport hält sich in Grenzen", stellt er mit leichtem Bedauern fest. Statt mit dem Ball zu arbeiten, muss Student Abbink sich nun in vielen Fächern bewähren, die er vorher gar nicht auf dem Zettel gehabt hatte. DW-WORLD.DE gegenüber zählt er auf, was unter anderem dazugehört: "Zum Beispiel die buchhalterischen Sachen, Insolvenzrecht, Arbeitsrecht, Statistik und Controlling, Investition und Finanzierung, betriebliche Steuern, Marketing, Volkswirtschaftslehre."

Zwischen Amateuren und Profis

Ein Elfmeter wird verwandelt - Der Torwart streckt sich vergebens. Quelle: dpa

Entscheidend ist am Schluss immer, ob der Ball auch rein geht.

Der Fußball-Manager muss sich heute auf verschiedenen Feldern bewegen und vielfältige Interessen moderieren können. Innerhalb des Vereins muss er mit dem Präsidium, dem Aufsichtsrat, den Trainern und den Spielern arbeiten. Zunehmend wichtiger werden die Kontakte zu externen Akteuren wie etwa den Medien oder den Sponsoren. Ganz wichtig ist auch das Verhältnis zu den eigenen Fans, die, so Henning Vöpel, "oft sehr eigene Vorstellungen darüber haben wie sich ein Verein entwickeln sollte."

Innerhalb seines Vereins arbeitet der Manager in Strukturen, die einem oft diffusen Traditionsverständnis verhaftet sind, manchmal sind Fußballvereine auch schlicht unprofessionell organisiert. Nach außen hat er es dagegen mit hochprofessionellen, oft rein profitorientierten Interessen zu tun. Diese Vielfalt schlägt sich auch im Studium des Sport-Managements nieder.

Gute Kicker schaffen Mehrwert

Die Personalpolitik eines Managers steht immer im Rampenlicht. Hat er den richtigen Trainer engagiert oder den falschen zum richtigen Zeitpunkt gefeuert? Dazu glaubt jeder, etwas sagen zu können. Dabei ist gerade dieses Geschäftsfeld vermint wie kein anderes. Der Manager muss nicht nur beurteilen können, ob ein Spieler gut kicken kann. Bei diesen Angestellten sind andere, charakterliche und soziale Kompetenzen ebenso wichtig. Vor allem, sagt Henning Vöpel, müsse die Mischung stimmen. In der Mannschaft müssen nicht nur aufstrebende junge Spieler auf dem Rasen stehen, sondern auch ältere und erfahrene Akteure. Dem Binnenverhältnis der Sportler untereinander - Beobachter reden gern von der "Stimmung im Team" - kommt eine ebenso große Bedeutung zu. "Es ist eine ganz spezielle Kombination an Fähigkeiten, an charakterlichen Eigenschaften, auch an menschlichen Qualitäten, die dazu führen, dass eine Mannschaft funktioniert", sagt Henning Vöpel.

Der spanische Fußball-Profi Raul wird in der Fußball-Arena AufSchalke in Gelsenkirchen vorgestellt. Quelle: dpa/lnw

Nur wer einen zahlungskräftigen Sponsor hat, kann einen Weltstar verpflichten: Raúl in Gelsenkirchen.

Denn wenn die Einzelteile des Teams gut aufeinander abgestimmt sind, dann ist das Ganze, also die Mannschaft, mehr als die Summe seiner Teile, also Spieler und Trainer. Dann wird auf diesem Weg ein Mehrwert geschaffen. Der einzelne Spieler wird wichtiger und bedeutender durch eben diesen Mehrwert, den er erzeugen hilft - er wird sich sportlich gut entwickeln und seinen Marktwert steigern. Das, so Henning Vöpel, "ist das große Geheimnis funktionierender erfolgreicher Mannschaften."

Dann brauchte, könnte der Laie denken, ein Manager ja nicht viel, damit sein eigener Verein ebenso gut wird wie Manchester oder Madrid, wie Barca oder Bayern. Er müsste einfach nur viel Geld ausgeben und seinem Verein einen Superstar kaufen. Nein, sagt Henning Vöpel kategorisch. Das könnte nicht funktionieren, "weil der Marktwert der Spieler bei sportlichem Erfolg stärker steigt als die Einnahmen des Vereins."

Der Fluch des guten Spiels

Wenn ein Verein eine gute Saison spielt, wie etwa Mainz 05 in der abgelaufenen Spielzeit, dann haben die Protagonisten des guten Mainzer Spiels ihren Marktwert gesteigert. Sie waren also für andere Vereine interessant geworden, die diese Spieler dann auch wegkauften, weil die Einnahmen des Clubs mit der Wertsteigerung seiner Spitzenkicker nicht mithalten konnten: Mainz konnte sich seine eigenen Spieler nicht mehr leisten. In diesem speziellen Fall sind die Spieler Fuchs und Holtby zum FC Schalke und Schürrle zu Bayer Leverkusen gewechselt - sie hinterlassen bei Mainz nun Lücken, die erst einmal geschlossen werden müssen. Viel Arbeit für den Trainer und vor allem für den Manager, der jetzt adäquaten Ersatz finden muss, der aber wiederum nicht zu teuer sein darf.

Henning Vöpel vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut Quelle: HWWI

"Messi besser zum FC Bayern." Henning Vöpel

Einfach jemanden wie Lionel Messi von Barcelona zu verpflichten, bringt für einen mittelmäßigen Club sowieso nichts. Denn ein guter Spieler braucht gute Mitspieler - ein Star täte sich selbst keinen Gefallen, in einer Mannschaft mit lauter Mittelmäßigen zu spielen. "Das hat damit zu tun, dass gute Spieler andere Spieler besser machen. Und je besser die Mitspieler sind, desto stärker profitieren die von einem guten Spieler", sagt Henning Vöpel und nennt diesen Mechanismus "Zidane-Clustering". Wo ein guter Spieler spielt, werden bald mehrere gute Kicker unter Vertrag stehen - denn Gutes kommt zum Guten.

Messi nur nach München

Wenn also ein Weltstar wie Lionel Messi unbedingt in die Bundesliga würde wechseln wollen, dann könnte er vernünftigerweise nur zum FC Bayern gehen, meint Henning Vöpel. Denn jemand wie der Kölner Starspieler Podolski würde zwar ohne Frage von den Ideen und Zuspielen eines Messi profitieren, aber das würde nicht reichen - weder für den FC noch für Messi. Beim FC Bayern hingegen spielen mit Schweinsteiger, Robben und Ribery mehrere Spieler, die gut genug sind, Messi so zu unterstützen, wie der Superstar andersherum sie. Und dann würde ein Stürmer wie der Bayern-Angreifer Gomez weit mehr von Messis Zuspielen profitieren, als das beim FC Köln dessen einziger Star Podolski tun würde.

Daraus folgt, fasst der Sportökonom Vöpel kurz zusammen, dass es "für die Bayern sinnvoller wäre, Messi zu verpflichten, als für den FC Köln." Und für Lionel Messi auch. Das wird ein Anhänger des 1. FC Köln natürlich nicht gern hören. Aber, wenn Henning Vöpel unrecht hätte, wäre es ja auch zu einfach, eine Fußballmannschaft besser zu machen - und Fußball-Management ist eben tatsächlich sehr viel komplizierter.