Die Suche nach 25 vermissten Tier- und Pflanzenarten läuft! | Wissen & Umwelt | DW | 24.04.2017
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Artenschutz

Die Suche nach 25 vermissten Tier- und Pflanzenarten läuft!

Seit Jahrzehnten wurden sie nicht mehr gesehen. Gibt es sie überhaupt noch? Oder sind sie ausgestorben? Eine Suchaktion soll die Antwort liefern. Hier sind ein paar Arten, die Naturschützer hoffen, bald wiederzusehen.

Sie sind nicht nur selten - nein, diese Tierarten sind so selten, dass keiner weiß, ob sie überhaupt noch existieren. Einige wurden seit Beginn des letzten Jahrhunderts nicht mehr gesehen. Rund um den Erdball gibt es solche vermissten Tier- und auch Pflanzenarten, insgesamt 1203 (vollständige Liste hier). Forscher und Artenschützer wären aus dem Häuschen, wenn sie nur ein einziges lebendiges - oder auch totes - Exemplar einer dieser Arten irgendwo in der Natur finden würden.

Die internationale Naturschutzorganisation Global Wildlife Conservation mit Hauptsitz in den USA will nicht länger warten und hoffen. Sie hat eine Suchkampagne unter dem Titel "25 Most Wanted" gestartet. Unter diesen 25 Arten aus 18 Ländern sind beispielsweise solche, die für die Wissenschaft oder die lokale Bevölkerung besonders interessant sind, und solche, bei denen die Hoffnung recht hoch ist, dass sie tatsächlich noch existieren.

Wissenschaftliche Expeditionen sollen die entlegensten Plätze der Erde nach den vermissten Arten durchforsten. "Die Expeditionen werden die Wissenschaftler von den dunklen Tiefen des Ozeans auf den Grund von rauschenden Süßwasserflüssen führen, von den üppigen tropischen Dschungeln zu den scheinbaren Ödlanden der Wüste", sagte Don Church, Vorsitzender von Global Wildlife Conservation. Allerdings: Losgehen kann es noch nicht. Zunächst will die Organisation Geld in Höhe von 500.000 US-Dollar sammeln. Wenn alles gut klappt, könnten die ersten Expeditionen diesen Herbst starten, teilt sie mit.

Hier ein paar Beispiele, welche Arten die Naturschützer zu finden hoffen.

1) Ein Frosch aus der Gattung der Stummelfußfrösche

scharlachroter Harlekinfrosch Atelopus sorianoi (Enrique La Marca)

Mindestens zwei scharlachrote Harlekinfrösche muss es mal gegeben haben

Der Scharlachrote Harlekinfrosch (Atelopus sorianoi)lebt in einem Nebelwald in etwa 2500 Meter Höhe Venezuelas. Zumindest tat er das bis zum Jahr 1990, denn dann wurde er das letzte Mal gesehen. Schon damals war sein Verbreitungsgebiet mit etwa zehn Quadratkilometern sehr klein.

Forscher befürchten, dass diese Art wie so viele andere Froscharten dem Chytridpilz zum Opfer gefallen sein könnte. Dieser Pilz befällt seit den 1980er Jahren in einer regelrechten Epidemie Amphibien und tötet sie. Falls der scharlachrote Harlekinfrosch aber doch noch existiert, - und Berichte der lokalen Bevölkerung geben dazu Hoffnung - wäre er für die Forscher sehr wertvoll: Sie könnten herausfinden, was diese Art resistent gegen den Pilz gemacht hat, und so vielleicht auch andere Froscharten vor dem Aussterben retten.

2) Eine flugfaule Wachtel

Himalayawachtel( Hume and Marshall/W. Foster)

Die Himalayawachtel war einst recht zahlreich vertreten

Die 25 Zentimeter große, braun-graue Himalayawachtel (Ophrysia superciliosa) mit ihrem roten Schnabel und den roten Beinen wurde seit 1876 - also seit fast 150 Jahren! - nicht mehr gesehen. Sie gehört zur Familie der Fasane und lebte einst in großer Zahl im Himalaya im Nordwesten Indiens. Obwohl schon so lange verschwunden, haben die Forscher Hoffnung, dass die Art noch existiert. Denn der Vogel versteckt sich gerne in dichtem Gras und hat wenig Lust zu fliegen. Forscher hoffen daher, dass sich ein paar wenige verbliebene Exemplare bisher einfach gut verborgen gehalten haben. Auch berichteten in den Jahren 1984, 2003 und 2010 Menschen, darunter Jäger, eine Himalayawachtel erspäht zu haben.

3) Ein Mini-Seepferd

Hippocampus Minotaur (Museum Victoria/M. Gomon)

Das Stiernacken-Seepferdchen wurde noch nie lebend gesichtet

Noch geheimnisvoller ist das Stiernacken-Seepferd (Hippocampus minotaur): Es wurde noch niemals in der freien Natur beobachtet. Forscher kennen nur vier Exemplare von ihm, die zwischen 1927 und 1981 aus dem Meer südlich von Australien gefischt wurden. Diese Exemplare liegen jetzt im Museum of Victoria in Melbourne. Vermutlich lebt - oder lebte - das maximal fünf Zentimeter große Zwergseepferdchen in etwa 100 Meter Tiefe auf dem sandigen Meeresboden, wo es sich mit seinem Schwanz an Korallen festhält.

4) Die größte Biene der Welt

Wallace's Giant Bee Künstlerische Darstellung der Wallace-Riesenbiene (Alexis Rockman)

Wie eine Biene - nur eben besonders groß

Auch die Wallace-Riesenbiene (Megachile pluto) ist seit 1981 verschollen. Die Weibchen werden bis zu 3,9 Zentimeter groß, die Männchen bis zu 2,3 Zentimeter. Sie lebt in den Wäldern auf drei Inseln Indonesiens und macht es sich in den Nestern von baumbewohnenden Termiten gemütlich. Die Biene sammelt Baumharz, verpappt dieses mit Holzfasern und baut mit dem klebenden Baumaterial die Termitennester nach ihrem Geschmack um.

5) Eine fleischfressende Pflanze

Genau wie Tiere können sich auch Pflanzen rar machen, etwa die Samt-Kannenpflanze (Nepenthes mollis). Von ihr existiert nur ein getrocknetes Exemplar im Herbarium des Botanischen Gartens in Bogor in Indonesien. Sie wurde 1918 auf der indonesischen Insel Kalimantan in etwa 1500 Meter Höhe gesammelt. Das Exemplar war allerdings eine männliche Pflanze, daher weiß niemand wie das weibliche Gegenstück aussieht. 1997 entdeckte ein neuseeländischer Botaniker eine Pflanze auf Borneo, die ihm zufolge genauso aussah wie die Samt-Kannenpflanze, mit zwei kleinen Unterschieden an der Blattbasis und am Blütenstiel. Ist das eventuell die heiß begehrte Nepenthes mollis?

Was, wenn tatsächlich eine der 25 Arten gefunden wird? "Dann werden wir zuerst mal feiern", schreibt Global Wildlife Conservation. Gleich danach aber müsse man darüber nachdenken, wie man die so seltene Art schützen kann, damit sie der Nachwelt auch weiter erhalten bleibt. Wird eine Art aber trotz intensiver Suche nicht gefunden, wird sie danach vermutlich endgültig für ausgestorben erklärt.

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