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Afrika

Die Straßenschlachten in Kairo gehen weiter

In Kairo regieren Angst und Gewalt: Anhänger von Ägyptens Staatschef Mubarak lieferten sich Straßenschlachten mit Oppositionellen. Es flogen Steine, Flaschen und später sogar Molotowcocktails. Und die Unruhen dauern an.

Gewaltsame Konfrontation am Tahrir-Platz (Foto: ap)

Gewaltsame Konfrontation am Tahrir-Platz

Bis in die frühen Morgenstunden am Donnerstag (03.02.2011) waren in der Innenstadt von Kairo immer wieder Schüsse zu hören. Augenzeugen berichteten, bei einer Schießerei seien am Morgen mindestens zwei Demonstranten erschossen worden. Zahlreiche Menschen harrten am zentralen Tahrir-Platz aus, obwohl die Behörden nach Angaben des staatlichen Fernsehens die Räumung des Platzes angeordnet hatten.

Anhänger Mubaraks bauen in der Nacht zum Donnerstag (03.02.2011) am Tahrir-Platz Barrikaden auf (Foto: dapd)

Anhänger Mubaraks bauen in der Nacht am Tahrir-Platz Barrikaden auf

Gegner und Anhänger des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak belauerten sich in der Nacht weiter hinter improvisierten Schutzbarrikaden aus Holz. An mehreren Stellen brannten Auto und Reifen.

Tote nach Straßenschlachten

Bei den gewalttätigen Zusammenstößen am Mittwoch wurden mindestens drei Menschen getötet, wie das ägyptische Gesundheitsministerium mitteilte. Die Zahl der Verletzten stieg nach Angaben des arabischen Senders Al-Dschasira auf mindestens 1500. Die Behörden sprachen von 700 Verletzten. Die Lage galt als unübersichtlich, es war von bürgerkriegsähnlichen Szenen die Rede.

Nach der Ankündigung Mubaraks, erst im September aus dem Amt scheiden zu wollen, hatten am Mittwoch erneut Tausende Menschen für seinen sofortigen Rücktritt demonstriert. Die Lage eskalierte, als seine Anhänger in das Stadtzentrum strömten.

Demonstrationen (Foto: AP)

Am Donnerstagmorgen kam es wieder zu Zusammenstößen zwischen Regime-Gegnern und -Anhängern

Schlägertrupps und knüppelschwingende Reiter auf Pferden und sogar Kamelen stürmten auf die zunächst friedlich demonstrierende Menge ein. Es kam zu regelrechten Straßenschlachten, Anhänger beider Lager bewarfen sich mit Steinen und prügelten aufeinander ein. Das Militär, das bei den stundenlangen Ausschreitungen lange tatenlos zugesehen hatte, setzte später Wasserwerfer ein, um die Kontrahenten zu trennen.

Journalisten wurden bedroht und attackiert

Ein Ägypter hält einen Pflasterstein in der Hand und holt Schwung zum Wurf (Foto: pa/dpa)

Pflastersteine werden zu Waffen bei den Straßenschlachten

Auch viele Journalisten wurden von Mubarak-Anhängern bedroht oder angegriffen. Mehrere Reporter, darunter Korrespondenten der Nachrichtenagentur AP und von CNN, wurden zusammengeschlagen. Augenzeugen berichteten, Männer hätten auch auf eine ausländische Journalistin eingeschlagen, bis Anwohner der Frau zur Hilfe eilten. Ein Fotograf der European Pressphoto Agency (EPA) wurde während der Auseinandersetzungen, die er am Ägyptischen Museum fotografierte, am Kopf verletzt.

Angesichts der aktuellen Exzesse forderte Oppositions-Vertreter Mohammed El Baradei die Armee auf, weitere Angriffe der Mubarak-Anhänger auf die Demonstranten zu unterbinden. Das Militär müsse eingreifen, um das Leben ägyptischer Bürger zu schützen, sagte El Baradei in einem Interview mit Al-Dschasira. "Es gibt eindeutige Beweise, dass die Polizei ihre Männer in Zivilkleidung auf die Demonstranten gehetzt hat", sagte der Friedensnobelpreisträger. Das Innenministerium wies die Anschuldigung zurück. Die Oppositionsparteien kündigten unterdessen weitere Proteste an.

Kritik des Auslands an Mubarak wächst

Anhänger und Gegner Mubaraks liefern sich Straßenschlachten (Foto: pa/landov)

Bürgerkriegsartige Szenen in Kairo

Deutschland und andere Staaten reagierten besorgt und mit Kritik auf den Ausbruch der Gewalt. Die USA, einst wichtigster Verbündeter Mubaraks, gehen immer deutlicher auf Distanz zu dem Regime. Das Weiße Haus rief die Regierung in Kairo zu einem Gewaltverzicht auf. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte, es sei eindeutig, dass Mubarak-Getreue die Gewalt angezettelt hätten, um die Demonstranten einzuschüchtern. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte den ägyptischen Vizepräsidenten Omar Suleiman auf, die Verantwortlichen für die Gewalt ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Auch Außenminister Guido Westerwelle rief zu einem Ende der Gewalt gegen die Demonstranten auf. "Es ist aus unserer Sicht in keiner Weise hinnehmbar, dass Schlägertruppen friedliche Demonstranten niederknüppeln", sagte er im ZDF. Er drohte Ägypten mit Konsequenzen von Seiten der internationalen Gemeinschaft, sollte es weitere Übergriffe gegen Demonstranten geben. In einem Telefonat mit Vizepräsident Suleiman am Dienstagabend habe er diesem erklärt, dass Deutschland die Übergriffe "mit großer Sorge" verfolge, sagte Westerwelle.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Gewaltausbruch in Kairo als nicht hinnehmbar. Jeglicher Angriff auf friedliche Demonstranten sei inakzeptabel. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte, Mubarak müsse auf den Willen des Volks eingehen. Ägypten brauche eine Regierung auf breiter Basis, die echte demokratische Reformen möglich mache.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Ulrike Quast

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