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Musik

Die Stimmung in Malmö

Im schwedischen Malmö ging das erste Halbfinale vom Eurovision Song Contest 2013 über die Bühne. Ob der ESC funktioniert und auf was wir uns einstellen können, fand DW-Reporter Andreas Brenner heraus.

Das ist Europa: Wenn man aus anderen Ländern ins schwedische Malmö zum Eurovision Song Contest 2013 will, landet man zunächst auf dem Flughafen der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Der Weg von dort ist aber nicht mehr so mühsam wie 1992, als Malmö schon einmal den ESC ausrichtete. Heute ist man dank der Öresund-Brücke, die Dänemark mit Schweden verbindet, binnen 30 Minuten im Stadtzentrum. 300 Tausend Einwohner. Eine überschaubare Stadt für den größten Musikwettbewerb der Welt. Auch das ist Europa.

TV-Show hat Vorrang

"Es kommt nicht auf die Größe an", so der Verantwortliche für den ESC bei der European Broadcasting Union (EBU) Jan Ola Sand. "Wichtig ist die hohe Qualität der TV-Produktion." Auch die Einwohner von Malmö finden es gut, dass der Eurovision Song Contest in ihre Stadt gekommen ist. "Sie ist so klein, dass wir die ganze Stadt dekorieren können", meint der 18-jährige Schüler Phillip gegenüber der DW.

Geschmücktes Denkmal von Karl X. in Malmö (Foto: Andreas Brenner/DW)

Auch Karl X. ist in ESC-Stimmung

Fahnen mit "We Are One" - dem Slogan des ESC 2013 - und Plakate mit Schmetterlingen – dem Logo des Wettbewerbs – sind überall zu sehen.  Auch das Denkmal von Karl X., der einst Schweden vereint hatte, bekam ein Schmetterling-Lifting. Malmö hat das Beste aus dem ESC für seine Einwohner und Gäste herausgeholt. In der Stadtmitte steht ein Zelt, auf dessen Bühne ab und zu Teilnehmer des Wettbewerbs mit ihren Songs auftreten.

Wenn man die Interpreten nicht zufällig auf der Straße entdeckt, sind diese Auftritte für die meisten Fans in der Stadt die einzige Möglichkeit, die Kandidaten live zu erleben.

Überteuerte Tickets

Denn gute Plätze kosteten im offiziellen Vorverkauf zwischen 100 und 200 Euro. Das erste Halbfinale war nicht ausverkauft. Stapelweise verteilten nette junge Leute im Pressezentrum kurz vor dem Beginn der Show kostenlose Restkarten, um die Halle zu füllen. Während der Veranstaltung wurden die Zuschauer von den oberen Rängen auf die Tanzfläche geholt.

Leere Plätze fallen in der Malmö-Arena, dem Zuhause der einheimischen Eishockey-Mannschaft, derzeit besonders auf: Weniger als elf Tausend Zuschauer finden Platz. Die Bühne wirkt imposant. Und doch ist sie im Vergleich zu den Events der letzten Jahre vergleichsweise klein.

Probe bestanden

Am späten Abend des 14. Mai hieß es dann erstmalig "Wir sind live!": Vertreter aus 16 Ländern wurden beim ersten Halbfinale auf die Fernsehbildschirme der Welt gebeamt. Deutschland darf das Halbfinale überspringen, ist mit "Cascada" bereits für das Finale am 18. Mai vorgesehen. Dieses Privileg haben die größten Geldgeber der EBU, so auch Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Und auch der Gewinner des letzten Wettbewerbs – Schweden – hat sich direkt für das Finale qualifiziert.

Zlata und Igor auf der Bühne im Halbfinale (Foto: REUTERS/Janerik Henriksson/Scanpix Sweden)

Zlata und Igor aus der Ukraine

Nun sind zehn weitere Finalistinnen und Finalisten bekannt: Vier junge Damen aus Osteuropa – aus der Republik Moldau, Russland, der Ukraine und  Weißrussland – kamen mit Bühnenpräsenz und einer guten Stimme weiter. Besonders stilvoll: Der Auftritt von Zlata Ognevich aus der Ukraine. Als Unterstützung holte sie sich den 2,35 Meter Riesen Igor Vovkovinskiy, der die zierliche Zlata auf die Bühne trug. Ihr Fantasy-Song "Gravity" erinnerte zu Beginn an "Die Schöne und das Biest".

Es kommt doch auf die Größe an

Und dass Größe eine Rolle spielt, hat auch Aliona Moon gezeigt. Im letzten Drittel ihres Auftritts hebt sich das Podium, auf dem die moldawische Sängerin steht. Plötzlich wird ihr Kleid zur riesigen Projektionsfläche für Feuer und Flamme. Trotzdem bleibt nur eine durchschnittliche Ballade im Eurovisionsstil in Erinnerung.

Die dänische Emmelie de Forest singt beim Halbfinale in Malmö (Foto: Henning Bagger/dpa)

Heisser Favorit aus Dänemark: Emmelie de Forest

Ein Feuerwerk auf der Bühne war die Dänin Emmelie de Forest, die in diesem Jahr die Favoritenliste anführt. Ihr Popsong mit folkloristischen Elementen, Flöte und Beat liegt beim ESC 2013 ganz im Trend. Die Zuschauer in der Arena – die Nachbarn aus Dänemark waren offensichtlich zahlreich vertreten – begrüßten Emmellie euphorisch.

Gewinner und Verlierer

Fast genau so viel Unterstützung fand die Holländerin Anouk mit dem wohl ungewöhnlichsten Lied bei diesem Wettbewerb: "Birds". Bei Presse und Fans gab es während der Pressekonferenz minutenlangen Applaus. Kein schlechtes Zeichen vielleicht, dass die Niederlande als letztes Land für das Finale benannt wurden. Die anderen Finalisten sind Belgien, Irland. Litauen und Estland. Die Spannung in Malmö wächst.

Montenegro's Trio Who See beim Auftritt in Astronautenkostümen (Foto: REUTERS/Janerik Henriksson/Scanpix Sweden)

Ein schriller Auftritt: Who See beim Halbfinale

Die wildeste Performance des ersten Halbfinales lieferte das Trio „Who See“ aus Montenegro. Aber HipHopper in Astronautenanzügen sind für den Eurovision Song Contest wohl zu schrill. Die geschmacklos übertriebenen Barbie-Kleider der serbischen Girlband "Moje 3" könnten der Grund für ein weiteres Fiasko gewesen sein.

Gute Witze sind willkommen

Das erste Halbfinale hat bereits gezeigt, dass das Konzept der EBU und des schwedischen Fernsehsenders SVT aufgegangen ist. Die Startreihenfolge wurde dieses Mal von den Organisatoren festgelegt, um Abwechslung und eine fesselnde Show zu gewährleisten. Doch leider ist die Qualität der Songs im diesjährigen Wettbewerb zumeist sehr durchschnittlich. So versuchte man das Geschehen mit Videoeinspielungen von ESC-Fans in Australien oder mit der Geschichte des Wettbewerbs ein wenig aufzulockern.

In diesen Videos tauchte unerwartet auch die Moderatorin des Abends auf, die schwedische Schauspielerin Petra Mede. Sie führte ein kurzes Gespräch mit Udo Jürgens während seiner Performance des Songs "Merci Cherie" im Jahre 1966 und trat zwei Jahre später als Sängerin im Hintergrund von Cliff Richard auf.

Und wem die Show trotzdem nicht gefiel, den tröstete die schwedische Komikerin Petra Mede mit dem Tipp: "Nicht jammern, in Norwegen wäre es teuerer!"