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Wissen & Umwelt

Die Stadt der eigenartigen Vögel

In Australien muss man ständig damit rechnen, dass einem ein Tier vors Auto läuft. In Mission Beach allerdings sollte jeder besonders vorsichtig fahren. Die Anwohner werden sonst wütend.

Im australischen Mission Beach läuft ein Helmkasuar vor einem Auto über die Straße (Foto: Rainer Dückerhoff).

Helmkasuare leben gefährlich in Mission Beach

Ein Auto kommt mir entgegen, der Fahrer blendet mehrmals auf und gibt mir mit Gesten zu verstehen, langsamer zu fahren. Ich erwarte, dass die Polizei hinter der nächsten Kurve steht und blitzt. Nicht aber in Mission Beach im tropischen Queensland, im Norden Australiens. Hier bedeutet das Gefuchtel, dass gerade ein Helmkasuar die Straße kreuzt.

Wer nicht den Zorn der Anwohner auf sich ziehen will, sollte vorsichtig sein, um keinen dieser seltenen Laufvögel anzufahren. Es gibt noch etwa 2000 Helmkasuare in Australien, und etwa hundert davon leben rund um die Kleinstadt Mission Beach. Hier finden die Vögel die Umgebung, die ihnen gefällt: Regenwald, der direkt an den Strand grenzt. Einige Baumarten hier sind für ihre Fortpflanzung sogar auf Helmkasuare angewiesen.

Aber auch Australien ist nicht zimperlich, wenn es um die Abholzung von Regenwald geht. So ist der Lebensraum der Helmkasuare in den letzten Jahrzehnten beachtlich geschrumpft. Die

bedrohten Vögel

spazieren immer häufiger durch die Gärten der Anwohner - und über die Straßen.

Gepflastert mit Warnschildern

Gelbe, rautenförmige Schilder warnen in Australien die Autofahrer vor Wildtieren. In Mission Beach sind darauf nicht wie üblich Kängurus oder Rinder abgebildet, sondern Helmkasuare. Die Schilder stehen vor jedem Hügel, vor jeder Kurve, einige wechseln regelmäßig ihren Standort: "Hier hat vor kurzem ein Helmkasuar die Straße gekreuzt."

Straßenschild im australischen Mission Beach warnt vor Helmkasuaren (DW/Brigitte Osterath).

Einige Warnschilder scheinen mir sehr emotional: "Beachten Sie die Geschwindigkeitsbegrenzung. Gefährden Sie gerade unsere Helmkasuare?"

Die Menschen hier lieben die wilden Riesenvögel fast wie ihre Haustiere. Die meisten Helmkasuare haben Namen, zum Beispiel Ms. Cass, Cyrilina, Joov. Bei meinem Besuch im

Informationszentrum

erzählen mir zwei Frauen ausführlich, welcher Kasuar bei welchem Anwohner vor kurzem durch den Garten gelaufen ist, welches Männchen sich gerade mit welchem Weibchen gepaart hat und wer gerade wie viele Junge aufzieht.

Etwa vier der seltenen Vögel werden trotz aller Vorsicht jedes Jahr von einem Auto angefahren, erzählt mir Naturschützerin Liz Gallie. Denn natürlich gebe es auch Menschen, die sich wenig um die Vögel scheren und Geschwindigkeitsbegrenzungen ignorieren. "Wir haben einige Fälle von Fahrerflucht", sagt Liz. "Niemand will hier zugeben, dass er diejenige war, der einen Helmkasuar angefahren hat."

Naturschützerin Liz Gallie zeigt DW-Reporterin Brigitte Osterath ihre Webseite (Foto: Rainer Dückerhoff).

Liz Gallie präsentiert DW-Reporterin Brigitte Osterath ihre Webseite

Datenbank für Helmkasuare

Gemeinsam mit ihrer

großen Facebook-Gemeinde

stellt Liz zusammen, wer welchen Helmkasuar wann und wo gesichtet hat und an welcher Stelle einer der Vögel überfahren wurde. Liz hat noch viel vor: In Zukunft möchte sie auch sammeln, wo in Mission Beach Hunde leben, die für die Laufvögel eine Gefahr darstellen können, und wo unüberwindbare Zäune stehen.

Dabei ist Liz keine Forscherin, sondern Silberschmiedin. Sie lebt seit den 1970er Jahren in Mission Beach. Die Helmkasuare, von denen einige jeden Tag um ihr Haus streifen, haben es ihr angetan. "Sie beeilen sich nie, sie nehmen immer einen Schritt nach dem anderen", sagt die 63-Jährige und ihre Augen leuchten. "Manchmal sitzen sie einfach für ein, zwei Stunden ruhig da. Sie machen, dass die Zeit still steht."

Känguru-Mahl

Schließlich mache ich mich selbst auf die Suche nach den Vögeln, zunächst auf einem Wanderweg durch den Regenwald, wo ich von Mücken lebendig aufgefressen werde - ohne Erfolg.

Aber Liz hat mir einen heißen Tipp gegeben: In den letzten Wochen hat "Wheatly Dad" regelmäßig die Straße an einer ganz bestimmten Stelle passiert. Tatsächlich: Wie verabredet stoße ich dort auf den Vogelvater mit seinen zwei Küken.

Die Helmkasuar-Familie macht sich über ein totes Känguru am Straßenrand her. Obwohl die Laufvögel gerne Frösche, Fisch und kleine Beuteltiere fressen, schüttelt sich Liz angewidert, als ich ihr die Fotos vom Känguru-Mahl zeige. Normalerweise würden Helmkasuare keine toten - von Fliegen übersäten - Kängurus essen, sagt sie. Dass sie jetzt dazu übergehen, ist für sie der Beweis, dass die Vögel in ihrem geschrumpften Lebensraum nicht mehr genug Nahrung finden.

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