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Aktuell Europa

Die Spur des Pferdefleisches

Das Ausmaß des europaweiten Pferdefleisch-Skandals wird klarer. Nun liegen konkrete Zahlen zu der Menge von verarbeitetem Fleisch und betroffenen Ländern vor. Die Spur führt jetzt auch zu deutschen Gulasch-Konserven.

Hat das im Pferdefleisch-Skandal schwer belastete südwestfranzösische Unternehmen Spanghero von den falsch deklarierten Lieferungen aus Rumänien gewusst oder nicht? Während der Chef der Firma, Barthélémy Aguerre, bestreitet, für falsch deklarierte Lieferungen verantwortlich zu sein, nennen die französischen Behörden konkrete Zahlen zu der Menge von verarbeitetem Fleisch, hergestellten Fertiggerichten und betroffenen Ländern.

Wo wurde umetikettiert?

Nach Angaben der kontrollierenden Behörden bezog Spanghero über sechs Monate verteilt in 25-Kilogramm-Packungen 750 Tonnen Pferdefleisch aus Rumänien. Das Pferdefleisch war auf Zollpapieren auch als solches ausgezeichnet, wie von dem zyprischen Zwischenhändler ausgestellte Rechnungen an Spanghero zeigen. Von diesen 750 Tonnen Pferdefleisch verkaufte Spanghero rund 200 Tonnen selbst, als Merguez-Würste und unter einer Eigenmarke als Fertiggerichte.

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Skandal weitet sich aus

Der Großteil des Fleisches - rund 550 Tonnen - wurde an eine Fabrik des französischen Tiefkühlherstellers Comigel in Luxemburg geliefert - ausgezeichnet als Rindfleisch aus der EU. Aus diesen 550 Tonnen fertigte Comigel schließlich mehr als 4,5 Millionen falsch ausgezeichnete Fertigprodukte. Diese gingen an mindestens 28 Firmen in 13 europäischen Ländern.

Hauptschuldiger Spanghero wehrt sich

Firmenchef Aguerre reagierte auf die schweren Vorwürfe der französischen Ermittler: "Ich weiß nicht, wer es ist, aber wir sind es nicht", sagte er dem Radiosender Europe 1. Das bei Spanghero angekommene Fleisch sei stets als Rind deklariert gewesen. Neben Aguerre warfen auch seine rund 300 Mitarbeiter der französischen Regierung vor, das Unternehmen mit voreiligen Unterstellungen in den Ruin zu treiben. Das Landwirtschaftsministerium hatte Spanghero am Donnerstag bis auf weiteres eine für den Handel mit Fleisch notwendige Zulassung entzogen. Paris verteidigte diese Entscheidung auch nach der Kritik von Firmenleitung und Beschäftigten noch einmal.

EU-Beschluss zu Tests

Künftig sollen umfangreiche Tests für Klarheit sorgen. In Brüssel beschlossen die EU-Regierungen an diesem Freitag obligatorische DNA-Analysen von Fleischprodukten in allen 27 Mitgliedsstaaten, um das Ausmaß der Täuschungen durch nicht deklariertes Pferdefleisch auszuloten. Zudem sollen die Lebensmittel auf möglicherweise gesundheitsschädigende Medikamentenrückstände untersucht werden.

Eine Woche nach Bekanntwerden des Skandals in Großbritannien wurde eine Falschetikettierung von Fertiggerichten bereits in mehreren europäischen Ländern nachgewiesen, zuletzt in Norwegen und Österreich. Der Tiefkühlhersteller Comigel in Luxemburg beliefert auch deutsche Supermarkt-Ketten mit Produkten, die dann unter Eigenmarken vertrieben werden.

Pferdefleisch auch im Gulasch?

Spuren von Pferdefleisch wurden inzwischen auch in einem Fertigprodukt eines deutschen Lebensmittelherstellers gefunden. Die Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG aus dem brandenburgischen Neuruppin teilte am Freitag mit, dass in ihrem "Rindergulasch 540g Omnimax" Spuren von Pferde-DNA nachgewiesen worden seien.

Zuvor hatte bereits Aldi Süd mitgeteilt, Gulasch des Lieferanten Omnimax vorsorglich aus dem Verkauf zu nehmen. Das Produkt sei von Aldi Süd nur in Nordrhein-Westfalen verkauft worden. Zudem nehme Aldi Süd ein Ravioli-Dosenprodukt eines anderen Lieferanten vorsorglich aus den Regalen. Bei eigenen Analysen seien bei diesen beiden Produkten Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen worden.

Bundesweit werden Zehntausende Packungen mit Fertig-Lasagne als Folge des Skandals vernichtet. Handelsketten nahmen massenhaft verdächtige Ware aus den Regalen, in Kühlhäusern gelagerte Produkte wurden sichergestellt.

pg/qu/kle (dpa, afp, apd, rtr)

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