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Sport

Die sportlichen Skandale des Jahres 2009

Kleine Mauscheleien, organisierter Wettbetrug und Doping – auch 2009 kam der Sport nicht ohne Skandale aus. Von verschobenen Fußballspielen über gedopte Pferde bis zu einem geplanten Autounfall war alles dabei.

Caster Semenya mit Goldmedaille (Foto: AP)

Caster Semenya sorgte 2009 für Diskussionen

Der wohl größte Skandal des Jahres wird uns auch bis weit ins nächste Jahr noch beschäftigen: Erneut erschüttert ein Wettskandal den deutschen und den internationalen Fußball. Laut der Bochumer Staatsanwaltschaft sollen in neun europäischen Ländern über 200 Spiele manipuliert worden sein, 32 davon in Deutschland. Fast alles sind Spiele der Amateurklassen aber auch vier Partien der 2. Bundesliga sind betroffen. Die Drahtzieher, unter denen genau wie 2005 bei der sogenannten "Hoyzer-Affäre", die beiden Sapina-Brüder, Ante und Milan, aus Berlin zu sein scheinen, sollen Spieler, Trainer und Offizielle bestochen haben. Schnell wurden Verdächtige festgenommen, einige Clubs suspendierten Spieler, ein Schiedsrichter bekam eine Schutzsperre. Die Ermittlungen laufen.

Theo Zwanziger (Foto: dpa)

Theo Zwanziger irritierte

Für Irritationen sorgte ausgerechnet DFB-Präsident Theo Zwanziger, der die Affäre erst bagatellisierte: "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht, wenn von 1,4 Millionen Spielen im Jahr 32 untersucht werden." Anschließend behauptete er, er habe bereits seit Monaten vom neuen Wettskandal gewusst. Nach der Affäre um Schiedsrichter Robert Hoyzer im Jahr 2005 hatte der DFB ein Frühwarnsystem für auffällige Wettbewegungen eingerichtet, dass aber im neuerlichen Wettskandal offensichtlich nicht angeschlagen hatte. Der DFB hat angekündigt, den Fall restlos aufzuklären und hofft nun auf möglichst baldige Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft.

Eher klein nehmen sich dagegen die weiteren Aufreger im deutschen Fußball aus: Im Februar erschienen die Hoffenheimer Spieler Christoph Janker und Andreas Ibertsberger zehn Minuten verspätet zur Dopingprobe. Das Sportgericht des DFB verurteilte den Bundesligisten daraufhin zu einer Geldstrafe von 75.000 Euro. Außerdem musste sich Bremens Stürmer Claudio Pizarro wochenlang mit einer Affäre herumschlagen. In seiner peruanischen Heimat war ein Dokument aufgetaucht, nach dem er illegalerweise neben seinem Job als Spieler auch als Spielerberater tätig sei. Pizarro, dem in Peru sogar eine Haftstrafe drohte, lächelte alle Vorwürfe weg und die Affäre verlief im Sand.

Briatore bekommt lebenslang, Hamilton lügt

Flavio Briatore (Foto: AP)

Briatore darf nicht mehr mitmachen

Ein Unfall mit Totalschaden ist in der Formel 1 eine teure Sache. Normalerweise. Nicht aber, wenn der Unfall des einen Piloten im Team dazu führt, dass der andere Pilot das Rennen gewinnt. Diese Gedanken muss sich vor dem Großen Preis von Singapur im September 2008 auch Renault-Teamchef Flavio Briatore gemacht haben. Er wies seinen jungen Fahrer Nelson Piquet junior an, seinen Boliden in einer bestimmten Rennrunde an einer vorher festgelegten Stelle in die Mauer zu lenken. Das Safety-Car kam auf die Strecke und neutralisierte das Feld. Der zweite Renault-Pilot, Fernando Alonso, der als einziger früh getankt hatte, konnte nach dem Ende der Safety-Car-Phase an allen anderen vorbeiziehen und zum Sieg fahren.

Ein Jahr später flog alles auf. Piquet junior machte seinem Ärger über den Rauswurf bei Renault Luft und "verpetzte" Briatore beim Weltverband FIA. Mit drastischen Folgen: "Wir beabsichtigen, jedes Team, an dem Flavio Briatore direkt oder indirekt beteiligt ist, für alle FIA-Meisterschaften abzulehnen", hieß es im Urteil. "Er wird keinen Zugang mehr zum Fahrerlager haben und Rennfahrer, die von ihm gemanagt werden, bekommen künftig keine Lizenz mehr. Diese Strafe gilt auf Lebenszeit." Berufsverbot für Briatore, sein Rennstall, Renault, kam dagegen mit einer Bewährungsstrafe davon.

Rennszene Lewis Hamilton (Foto: dpa)

Hamilton hat gelogen und wurde erwischt

Ein paar Kratzer bekam auch das vorher so saubere Image des Weltmeisters, Lewis Hamilton ab. Der junge Brite machte nach dem ersten Saisonrennen in Melbourne eine bewusste Falschaussage. Er behauptete, Toyota-Pilot Jarno Trulli habe ihn während einer Safety-Car-Phase verbotenerweise überholt. Dabei war es Hamilton selbst, der Trulli erst überholt und dann wieder vorbei gelassen hatte, nachdem der Italiener kurz von der Strecke abgekommen war. Aufgedeckt wurde die Lüge peinlicherweise erst durch ein Abhören des Boxenfunks. Eine kleine Lüge zwar, die aber dennoch ernste Konsequenzen hatte: Hamilton wurde nachträglich disqualifiziert, sein McLaren-Team für drei Rennen auf Bewährung gesperrt und Teamdirektor Dave Ryan rausgeworfen, worauf der langjährige Teamchef Ron Dennis sich mit sofortiger Wirkung aus der Formel 1 zurückzog.

Ist er eine Frau oder ist sie ein Mann?

Caster Semenya jubelt nach Sieg in Berlin (Foto: dpa)

Zunächst durfte Semenya jubeln

Alles andere als lustig war das Jahr für die südafrikanische 800-Meter-Läuferin Caster Semenya. Bei der Leichtathletik-WM in Berlin gewann die erst 18-Jährige überlegen Gold und sah sich kurz danach einer Hetzjagd ausgesetzt. Es waren Gerüchte aufgekommen, bei Semenya handele es sich genetisch nicht um eine Frau, sondern einen Zwitter. Fernsehteams durchleuchteten das dörfliche Leben in ihrer südafrikanischen Heimat, die weinende Mutter wurde vor die Kameras gestellt, schließlich musste der Chef des südafrikanischen Leichtathletik-Verbandes wegen seiner haarsträubenden Fehler in dem Fall zurücktreten. Er hatte bereits im Vorfeld heimlich einen Geschlechtstest angeordnet. Einzige gute Nachricht für Semenya: Nach langem Hin und Her durfte sie ihre Goldmedaille und das Preisgeld aus Berlin behalten.

Champions-League-Finale verschoben

Noch mehr Skandale gefällig? Kein Problem: Im März bestätigte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), Bestechungsvorwürfe gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel. Die Kieler sollen vor dem Champions-League-Finalrückspiel 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt die Schiedsrichter geschmiert haben. Kiel Manager Uwe Schwenker trat zurück, der damalige Kieler Trainer Noka Serdarusic trat ein neues Bundesliga-Engagement bei den Rhein-Neckar Löwen erst gar nicht an. Auch zwei deutsche Schiedsrichter gerieten in den Fokus der Ermittler, weil sie verheimlicht hatten, dass sie nach einem Europapokalspiel in Russland mit 50.000 US-Dollar Bargeld am Moskauer Flughafen gestoppt worden waren. Die Europäische Handball-Föderation (EHF) suspendierte die Referees, die ihre Unschuld betonen, deshalb im Juli für fünf Jahre. Der DHB ahndete das Vergehen nur mit neun Monaten Sperre und unterstützte die Schiedsrichter im September sogar mit 10.000 Euro, um Einspruch gegen die EHF-Sperre einzulegen.

Auf dem Rücken der Pferde

Isabell Werth auf Satchmo (Foto: dpa)

Merkwürdige Ansichten: Isabell Werth

Großen Wirbel gab es auch im deutschen Reitsport. Im Juni wurde bekannt, dass Whisper, das Pferd der fünfmaligen Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth, positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet worden war. Werth räumte die Medikamentengabe ein, sah sich selbst aber nicht im Unrecht. "Ich wollte mit dem Medikament doch keine Leistung manipulieren", behauptete sie. Vielmehr habe es sich um eine therapeutische Maßnahme gehandelt. "Mein Pferd leidet an der Zitterkrankheit. Ich habe es nur gut gemeint und wollte ihm den Alltag erleichtern." Dass das von ihr und ihrem Tierarzt verabreichte Mittel Fluphenazin, ein starkes Psychopharmakon, nur für den Menschen zugelassen ist, focht sie nicht an. "Es gibt kein entsprechendes Medikament für Pferde. Deshalb haben wir es getestet. Und es verlief erfolgreich." Ihre sechsmonatige Dopingsperre nutzte Werth, um Sohn Frederik auf die Welt zu bringen.

Bereits einen Monat vorher hatte die Deutsche Reiterliche Vereinigung hart durchgegriffen: Da ständig neue Details über verbotene und nicht ordnungsgemäß angemeldete Medikamentengabe während der Olympischen Spiele in Peking auftauchten, löste der Verband sämtliche Nationalkader der Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit mit sofortiger Wirkung auf. Wenig hilfreich waren Aussagen von Deutschlands Ausnahmereiter Ludger Beerbaum zur Sache. "Im Laufe der Jahre habe ich mich darauf eingerichtet, auszuschöpfen was geht", bekannte er in einem Zeitungsinterview. "In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird.“ Beerbaum wurde daraufhin von der Reiterlichen Vereinigung vorübergehend für alle Nationenpreismannschaften suspendiert.

Pechstein kämpft

Gedopt wurde aber nicht nur bei tierischen sondern auch bei menschlichen Athleten. Besondere mediale Aufmerksamkeit erregte dabei der Fall Claudia Pechstein. Die Eisschnellläuferin fiel im Februar mit seltsamen Blutwerten auf und wurde gesperrt, allerdings ohne positiven Dopingbefund, sondern lediglich aufgrund von Indizien. Ein monatelanges Tauziehen entstand. Während der gesamten Zeit präsentierte Pechstein jeden ihrer Schritte öffentlich in den Medien, gab eigenhändig einberufene Pressekonferenzen und verpflichtete eine ganze Heerschar von Doping-Experten, um der Welt ihre Unschuld zu beweisen. Im November bestätigte er Internationale Sportgerichtshof CAS die Sperre. Im Januar wird Pechstein in die Berufung gehen. Ende offen.

Armstrong schäumt

Stefan Schumacher (Foto: AP)

Erst EPO, dann Cera

Und auch der Radsport darf in dieser Aufzählung natürlich nicht fehlen: Stefan Schumacher, ehemaliger Profi des Teams Gerolsteiner, wurde im März vom Radsport-Weltverband UCI für zwei Jahre gesperrt. Schumacher war bei der Tour de France 2008 mit EPO erwischt worden. Im April wurde außerdem bekannt, dass er bei einer Nachkontrolle auch positiv auf Cera-Doping während der Olympischen Spiele 2008 getestet wurde.

Stichwort Tour de France: Obwohl seit Jahren mehrere positive Dopingproben – wenn auch nur in der A-Probe – gegen ihn vorliegen, kehrte Rekordsieger Lance Armstrong in diesem Sommer auf die große Schleife zurück. Mit offenen Armen empfangen von Organisatoren und Weltverband – das hatte vor einigen Jahren noch ganz anders ausgesehen. Doch statt seiner stolzen Sammlung einen achten Tour-Sieg hinzuzufügen, schnappte ihm in Person von Alberto Contador der eigene Teamkollege den Sieg weg. Armstrong schäumte und ätzte öffentlich gegen den Spanier. Dabei war doch vorher abgesprochen gewesen, dass Contador lediglich Helferdienste für Armstrong verrichten sollte. Auflehnung gegen den Patron aus den eigenen Reihen, also das ist doch nun wirklich ein Skandal…


Autor: Andreas Ziemons
Redaktion: Calle Kops

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