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Politik

Die Spielregeln der Extremisten

Die im Irak entführten französischen Journalisten bleiben in den Händen von Extremisten. Während ein neues Ultimatum läuft, gehen die blutigen Anschläge im Irak weiter.

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Portraits der Journalisten am Pariser Rathaus

Vor dem Wochenende war die Hoffnung auf eine baldige Freilassung der am 20. August im Irak verschleppten französischen Geiseln noch groß. Die erwartete Übergabe der Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot scheiterte nach Angaben der Geiselnehmer an den Bombardements in der Nähe von Latifija. "Hütet euch davor, uns anzugreifen, wie Ihr es in Latifija an jenem Tag gemacht habt, an dem wir sie übergeben wollten", heißt es in einer am Montag (6.9.) im Internet veröffentlichten Erklärung, deren Authentizität jedoch noch nicht feststeht.

Neues Ultimatum mit Lösegeldforderung

In der Erklärung fordert die Extremistengruppe Islamische Armee, die hinter der Entführung der beiden französischen Journalisten stecken soll, innerhalb von 48 Stunden fünf Millionen Dollar Lösegeld, sowie die Verpflichtung der französischen Regierung, keine militärischen oder kommerziellen Kontakte mit dem Irak aufzunehmen. Auch die Annahme des von Osama bin Laden angebotenen Waffenstillstands ist Teil der Forderung, wurde aber nicht weiter spezifiziert. Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin reagierte mit Sorge auf das Ultimatum, sagte aber zugleich, dass es bisher nicht gelungen sei, "diese Informationen als wahr zu bestätigen."

Mithat Civi türkischer Lastwagenfahrer Geiselnahme Fernsehbild Irak

Mithat Civi, der im Irak entführte türkische Lastwagenfahrer, kurz vor seiner Freilassung

Fünf weitere im Irak festgehaltene ausländische Geiseln sind dagegen am Montag freigelassen worden. Wie der jordanische Außenminister Marwan el Muaschir in Amman berichtete, ließen Extremisten im Westirak drei Jordanier und einen Sudanesen frei, die als Lastwagenfahrer im Irak gearbeitet hatten. Auch der türkische Lastwagenfahrer, der in der Gewalt der Islamischen Widerstandsbrigade war, ist wieder auf freiem Fuß. Die Entführer hatten am Wochenende mit der Enthauptung der Geisel gedroht und verlangt, dass sich seine Arbeitgeber binnen 48 Stunden aus dem Irak zurückziehen. Nachdem die türkischen und kuwaitischen Auftraggeber des Mannes der Forderung nachgekommen waren, wurde der Türke wie vereinbart freigelassen.

Kämpfe im Irak dauern an

Währenddessen gehen die blutigen Kämpfe im Irak weiter. Am Dienstag wurden nach Angaben des irakischen Gesundheitsministeriums bei schweren Feuergefechten zwischen US-Soldaten und Anhängern des schiitischen Predigers Muktada el Sadr im Bagdader Viertel Sadr City mindestens 40 Menschen getötet und 172 verletzt. Zuvor waren zwei Iraker bei einem Sprengstoffanschlag auf Ali el Haideri, den Gouverneur der Hauptstadt, umgekommen. Der Regierungsvertreter selbst blieb unverletzt.

US-Militärkonvoi auf derr Autobahn in Richtung Bagdad

US-Militärkonvois werden immer öfter Ziele von Anschlägen

Auch drei US-Soldaten sind am Dienstag laut Aussagen der amerikanischen Streitkräfte im Großraum Bagdad Anschlägen zum Opfer gefallen. Bereits am Abend zuvor waren ein US-Soldat getötet und ein weiterer verletzt worden, als eine Bombe neben ihrem vorbeifahrenden Konvoi explodierte. Nach dem Tod von sieben US-Marineinfanteristen bei einem Anschlag nahe Falludscha am Montag - der folgenschwerste Einzelangriff auf die US-Truppen seit Anfang Mai - erhöht sich die offiziell genannte Zahl der US-Soldaten, die seit dem US-geführten Angriff gegen den Irak im März 2003 getötet wurden, auf 992.

Auch sonst halten sich die positiven Nachrichten aus dem Irak in Grenzen. Meldungen vom Wochenende über die angebliche Festnahme des früheren irakischen Vizepräsidenten Essat Ibrahim el Duri wurden inzwischen wieder dementiert. Bei dem festgenommenen Mann handele es sich lediglich um einen Verwandten des meistgesuchten Mitglieds der ehemaligen irakischen Führung, sagte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums am Montag. (kat)

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