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Sport

Die Spiele von Los Angeles

Der Ostblock boykottiert, ein deutscher Albatros fliegt, ein junger US-Leichtathlet wird zum erfolgreichsten Sportler der Spiele: Vor 25 Jahren begannen die Olympischen Sommerspiele in Los Angeles.

Olympiastadion von Los Angeles bei der Eröffnungsfeier (Foto: dpa)

Die pompöse Eröffnungsfeier von Los Angeles

Bunt, etwas oberflächlich und mit einer großen Prise Hollywood, so begannen am 28. Juli 1984 die 23. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit in Los Angeles. Nach 1932 traf sich die Jugend der Welt schon zum zweiten Mal in der Stadt der Engel. Die hellen Rundbögen des Memorial Colliseums bildeten die Kulisse für die 15 Millionen Dollar teure Show des Hollywood-Produzenten David L. Wolper. Die Zuschauer reckten immer wieder Farbtafeln in die Höhe und waren so teil der Show, Höhepunkt war der Flug des "Rocketman", eines Raketenmannes der mit einem Triebwerk auf dem Rücken einmal durch das Stadion flog.

Genau wie die vorangegangenen Spiele in Moskau wurden auch die Spiele von 1984 in Los Angeles von einem Boykott überschattet. 15 Ostblockstaaten angeführt von Russland blieben den Olympischen Wettbewerben fern, angeblich, weil die Sicherheit der Sportler nicht gegeben war – in Wahrheit wohl als Reaktion auf den Boykott westlicher Nationen zuvor. Einzig Jugoslawien und Rumänien schlossen sich dem Boykott nicht an und nahmen teil.

König der Spiele

Carl Lewis bei seiner Ehrenrunde mit der US-Flagge (Foto: dpa)

Viermal mit Gold dekoriert: Carl Lewis

"Reach Out for the medal", "Greif nach der Medaille", so hieß die erste Zeile des offiziellen Olympiasongs von 1984. Am häufigsten folgte dieser Aufforderung der junge US-Leichtathlet Carl Lewis vom Santa Monica Track Club, der in Los Angeles ein Heimspiel hatte. Gleich viermal durfte er ganz nach oben aufs Treppchen klettern: über 100 und 200 Meter, mit der 4 x 100 Meter Staffel und im Weitsprung. Ein angekündigter Coup, denn bereits im Vorfeld der Spiele hat Lewis sich siegesgewiss gegeben. "Ich gewinne vier Goldmedaillen in Los Angeles. Es gibt niemanden, der mich schlagen könnte", sagte er damals. "Alle werden die Gelegenheit haben zu zeigen, ob sie mich schlagen können. Aber ich weiß, dass das nicht möglich ist."

Marathonläuferin Gaby Andersen-Schiess torkelt ins Ziel (Foto: dpa)

Mit den allerletzten Reserven kämpft sich Gaby Andersen-Schiess ins Ziel

Auch für die deutschen Leichtathleten gab es Edelmetall: Im Hochsprung holten innerhalb nur 24 Stunden sowohl Ulrike Meyfarth als auch Dietmar Mögenburg Gold. Weitere Goldmedaillen gab es für Claudia Losch mit der Kugel und Rolf Danneberg mit dem Diskus. Die dramatischsten Bilder brachte der Marathonlauf der Frauen: Die Schweizerin Gabriela Andersen-Schiess torkelte völlig dehydriert ins Stadion. Das schlimme: keiner der umstehenden Kampfrichter nahm sie aus dem Rennen. "Fatal war, dass ich die letzte Station mit Getränken verpasst habe", erzählte sie selbst Jahre später in einem Interview. "Auch wenn ich auf den Fernsehbildern weggetreten wirke: Ich war total wach. Mein Verstand konnte sich nur nicht mehr gegen den streikenden Körper durchsetzen." Erst nachdem sie schließlich die Ziellinie überquert hatte, kümmerten sich die Ärzte um sie.

Flieg, Albatros, flieg!

Der Albatros Michael Groß fliegt zur Goldmedaille über 100 Meter Schmetterling (Foto: dpa)

Der "Albatros" Michael Groß fliegt zur Goldmedaille über 100 Meter Schmetterling

Keine Probleme mit den hohen Temperaturen hatten die Schwimmer. Besonders für einen ging in Los Angeles der Stern auf: Michael Groß. Jeweils in Weltrekordzeit flog der "Albatros", wie er wegen seiner Armspannweite von 2,13 Metern genannt wurde, über 100 Meter Schmetterling und 200 Meter Freistil zur Goldmedaille. Dazu kamen zwei Silbermedaillen. Mit viermal Edelmetall war er der erfolgreichste deutsche Sportler in Los Angeles. Unvergessen bleibt auch der Ausruf eines Fernsehreporters, der Groß mit einem "Flieg, Albatros, flieg!" anfeuerte und damit einen der bleibenden Sätze der Spiele schuf.

Als tragischer Held ging der deutsche Schwimmer Thomas Fahrner in die Olympiageschichte ein: Nachdem er das A-Finale über 400 Meter Freistil wegen einer falschen Taktik im Halbfinale verpasst hatte, schwamm er im B-Finale um die Plätze neun bis 16 olympischen Rekord und damit auch schneller als der Goldmedaillengewinner George DiCarlo – wäre er im A-Finale gewesen, hätte Fahrner Gold gewonnen.

Neu waren im Schwimmstadion von Los Angeles die Synchronschwimmerinnen. Erstmals bei den Olympischen Spielen dabei, boten die bunt geschminkten und ewig lächelnden Athletinnen für die meisten Zuschauer aber einen eher gewöhnungsbedürftigen Anblick.

Brücke zum Gold

Ringer Pasquale Passarelli im Finale 1984 (Foto: dpa)

Für Passarelli waren 90 Sekunden sehr lang

Einen langen Atem auf dem Weg zur Goldmedaille bewies der deutsche Ringer Pasquale Passarelli. Im Finale des Bantamgewichts, der Klasse bis 57 Kilogramm, im griechisch-römischen Stil, führte Passarelli fast über die gesamte Dauer des Kampfes knapp nach Punkten gegen seinen japanischen Widersacher Masaki Ito. In der zweiten Kampfhälfte aber geriet er in Bedrängnis: Ito drehte Passarelli auf den Rücken, um den Kampf mit einem Schultersieg vorzeitig für sich zu entscheiden. Passarelli stemmte sich mit dem Kopf und einem Arm gegen die drohende Niederlage. Über 90 Sekunden hielt er die Brücke und gewann so die Goldmedaille. Danach war er zwar glücklich, aber zu kaputt zum Jubeln.

Gewohnte Dominanz

Dressurreiter Reiner Klimke auf seinem Pferd Ahlerich (Foto: dpa)

Dressurreiter Reiner Klimke auf seinem Pferd Ahlerich

Schwer zu schlagen waren wieder einmal Deutschlands Dressurreiter: Wie schon 1976 in Montreal, 1968 in Mexiko-City und 1964 in Tokio holte die Equipe, diesmal in der Besetzung Dr. Reiner Klimke, Uwe Sauer und Hubert Krug die Goldmedaille. Darüber hinaus setzte sich Klimke auf seinem Paradepferd Ahlerich auch im Einzelwettbewerb durch. Für Klimke war es damals bereits die vierte olympische Goldmedaille, 1988 in Seoul sollte eine weitere Folgen.

Insgesamt gewannen deutsche Sportler in Los Angeles 59 Mal olympisches Edelmetall. Damit schafften sie es in der Rangliste der erfolgreichsten Nationen immerhin auf Rang drei. Besser waren – in Abwesenheit der starken Russen – nur Gastgeber USA und – überraschend auf dem zweiten Rang – Rumänien.


Autor: Andreas Ziemons
Redaktion: Joachim Falkenhagen

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