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Afrika

Die Sorgen von "Klein-Bamako"

"Klein-Bamako" liegt mitten in der Pariser Vorstadt Montreuil. Etwa 6.000 Malier leben hier. Sie sorgen sich um ihre Familien zuhause und fragen sich: Warum greift außer den Franzosen niemand in Mali ein?

Das Wohnheim "Bara" liegt in einer kleinen Seitenstraße, nur wenige Häuser von der Metro-Haltestelle entfernt. Es ist ein dunkles, heruntergewohntes Gebäude - und Zuhause für hunderte Arbeitsmigranten aus Mali. Auf dem großen Innenhof haben sie einen Markt aufgebaut - genehmigt ist er nicht. Einige malische Friseure haben Buden mit klapprigen Stühlen und Spiegel errichtet. Andere Malier verkaufen Süßigkeiten und Telefonkarten.

Während es draußen dunkel wird und Schneeflocken in der Luft tanzen, schöpfen drinnen im Speisesaal Frauen dampfende Reis-Berge und Soße auf Teller. Mariam Guineo erklärt, was in ihren Töpfen steckt: Spinat mit Zwiebeln. Und das traditionelle westafrikanische Gericht Maffé, ein Gemüseeintopf mit Erdnuss-Soße. Mariam Guineos Familie stammt aus der Nähe der malischen Stadt Mopti. Ihr Heimatdorf war vor wenigen Wochen erst von den Islamisten eingenommen und dann von den französischen und malischen Truppen wieder zurückerobert worden. "Wir können unsere Familie telefonisch nicht erreichen. Wir versuchen, ihnen Geld zu schicken, aber das ist schwierig, denn keiner will es von der Bank abheben und ihnen raus ins Dorf bringen. Alle haben Angst, ihre Häuser zu verlassen." Wie Mariam Gueno geht es vielen der rund 100.000 malischen Einwanderer in Frankreich, die ihren Familien daheim helfen wollen.

Viele Malier fühlen sich im Stich gelassen

Salimou Drame zeigt ein gemeinsames Handy-Foto mit Präsident Francois Hollande. (Foto: DW/Eleanor Beardsley)

Sein Held: Salimou Drame zeigt sein Handy-Foto mit Präsident Francois Hollande.

Im Wohnheim setzen sich die Männer zum Abendbrot an aneinander gereihte Campingtische. Andere stehen dichtgedrängt vor einem Fernseher, wo ein Fußballspiel läuft. Aber eigentlich unterhalten sie sich mehr. Es geht um den Konflikt und ihre Familien daheim. Wie viele Malier in dem Wohnheim, lobt auch Bauarbeiter Moussa Diakite den französischen Militäreinsatz, der den Vorstoß der Islamisten Richtung Bamako zurückgedrängt hat. "Wir müssen jetzt abwarten, was der französische Eingriff bringt. Wir kriegen hier keinerlei Nachrichten. Aber wir sind alle erleichtert, dass die Franzosen eingegriffen haben."

Er hofft, dass auch die westafrikanischen Truppen helfen können. Die treffen allmählich im Land ein. Die Europäische Union und die USA unterstützen sie zwar mit logistischer und medizinischer Hilfe. Warum sie nicht ebenfalls Truppen schicken, versteht Moussa Diakaté nicht. "Wir kämpfen gegen den Terrorismus. Und die Amerikaner kämpfen auf der ganzen Welt gegen Terrorismus. Warum greifen sie dann nicht auch in Mali ein?"

Franzosen fühlen mit den Immigranten mit

Das fragen sich viele der Malier, die hier in Montreuil leben, etwa 6.000 Einwanderer sind es. So viele, dass es dem Pariser Arbeiterviertel den Spitznamen "Klein-Bamako" eingebracht hat. Montreuils Bürgermeister Claude Reznik, der für die Einwanderer zuständig ist, erzählt von der Partnerschaft, die seine Stadt mit der Kayes-Region im Westen Malis hat. Von dort stammen viele Malier, die in "Klein-Bamako" leben. "Die Krise in Mali macht uns Franzosen genauso betroffen wie die Einwanderer. Wir wollen, dass dieses westafrikanische Land seine nationale und territoriale Einheit wiederbekommt, dass es Frieden und innere Stabilität zurückgewinnt - und natürlich Wahlen, damit sich die Politik wieder in Richtung Demokratie bewegt."


Ein Kleinkind einer malischen Migrantenfamlie in Frankreich sitzt auf einer Bank. (Foto: FRED DUFOUR/AFP/Getty Images)

Haben die Kinder noch eine Zukunft daheim in Mali?

Zurück im Wohnheim "Bara" erzählt die Köchin Mariam Guineo, dass sie Frankreich nach neun Jahren als ihr zweites Zuhause betrachtet. "Ich bin gerne in Frankreich - weil wir Frauen hier frei sind. Zuhause dürfen Frauen zum Beispiel keine Hosen tragen. Aber hier schreibt einem keiner vor, was man zu tun oder zu lassen hat." Trotzdem bezeichnet sie sich als "hundertprozentige Malierin". Und wie die anderen in Montreuil wartet sie auf Neuigkeiten aus Mali - und hofft, dass es besser wird.

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