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Fußball

Die Sorgen überwiegen im DFB-Team

Viele Fragezeichen für den Bundestrainer: Wann steigt Lahm ins Training ein? Wann Neuer? Und wie fit ist Schweinsteiger? Derweil empfiehlt sich bei der ersten Trainingseinheit in Südtirol ein neues Gesicht.

Kurze schnelle Schritte, fokussierter Blick, den Körper stets zum Ball gewandt. Dann ein Sprint in den freien Raum, ein kurzes, lautes "Hey" zum Mitspieler, schon hat er den Ball und in Sekundenbruchteilen passt er ihn weiter. Mit jeder Faser seines Körpers vermittelt Erik Durm eine Botschaft: "Ich will mit nach Brasilien!" Der Dortmunder Verteidiger ist einer der Neuen im vorläufigen WM-Kader - und damit automatisch auch einer der Streichkandidaten. Doch schon in der ersten Trainingseinheit auf dem frisch verlegten Rasen von

St. Martin in Südtirol

ließ Durm erkennen, dass er es Bundestrainer Joachim Löw sehr schwer machen will, ihn zuhause zulassen.

Der Dortmunder Verteidiger blickt auf eine bärenstarke Saison zurück. Mit gerade einmal 22 Jahren entwickelte er sich wie aus dem Nichts zu einem Leistungsträger beim BVB, und sein Coach Jürgen Klopp war sich schnell sicher: "Er ist für die Champions League geboren." Sicher nicht nur dafür. Löw berief ihn ins vorläufige WM-Aufgebot, in dem er der einzige Spieler ist, der kein einziges Länderspiel vorweisen kann. "Die Freude ist natürlich gigantisch", so Durm, der klarmacht: "Ich möchte mich in jedem Training beweisen und zeigen, dass der Bundestrainer mich zurecht in das vorläufige Aufgebot berufen hat." Und das sieht man. Während es der ein oder andere Etablierte im ersten Mannschaftstraining nach einer langen Saison etwas ruhiger angehen ließ, hängte sich Durm voll rein - zur sichtlichen Zufriedenheit des Bundestrainers.

Das Duo Özil-Reus funktioniert

Noch etwas dürfte Löw in der ersten Trainingseinheit gefallen haben: Obwohl sie seit Monaten nicht zusammengespielt haben, harmonierten Mesut Özil und Marco Reus bestens miteinander. Der Ball lief wie von selbst zwischen beiden, blinde Abspiele und sogar ein paar Hackentricks konnten die gut 100 Journalisten auf der Tribüne beobachten. Dieses so wichtige Duo im deutschen Offensivspiel scheint schon in dieser frühen Phase der Vorbereitung zu funktionieren - zumindest im Training. Doch insbesondere Özil hat noch einiges zu tun im Trainingslager: "Mesut hat viele Spiele machen müssen und die Anpassung an die Premier League war nicht leicht. Zudem war er verletzt. Aber jetzt ist er auf einem guten Weg", meint Co-Trainer Hansi Flick.

Marcel Schmelzer im Training (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Pralle Sonne, sommerliche Temperaturen: Die Nationalspieler schwitzen in Südtirol für die WM-Form

Die gleiche Formulierung gebraucht Flick jedoch auch für die beiden Sorgenkinder der Nationalelf: Stammtorhüter Manuel Neuer und Kapitän Philipp Lahm sollen nach weiteren mehrstündigen medizinischen Untersuchungen in München nun doch schon am Freitag nach Südtirol reisen. "Wir müssen allerdings abwarten, wann sie ins Mannschaftstraining einsteigen können", schränkte der Co-Trainer ein.

Ter Stegen als Back up

Interessant ist jedoch, dass der DFB dennoch mit Netz und doppeltem Boden plant: Falls Neuer nicht mehr rechtzeitig fit wird, soll Marc-André ter Stegen nachrücken. "Informiert ist Marc schon, Andreas Köpke hat mit ihm telefoniert. Er wird nicht in den Urlaub fahren und beim Länderspiel in Mönchengladbach auch im Stadion sein." Reine Vorsichtsmaßnahme oder doch ein Signal, dass die Verletzung von Manuel Neuer schwerwiegender ist als gedacht? Ter Stegen, der am Montag

seinen Wechsel zum FC Barcelona

bekannt gab, könnte jedenfalls noch bis 24 Stunden vor dem ersten WM-Gruppenspiel am 16. Juni gegen Portugal nachgemeldet werden - für den Fall, dass Neuer ausfällt.

Nationalmannschafts-Training mit Bastian Schweinsteiger (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Die Patellasehne ist noch entzündet, daher trainiert Bastian Schweinsteiger noch individuell

Aber nicht nur Neuer und Lahm bereiten den Verantwortlichen des DFB Sorgen. Da wäre zum Beispiel auch noch Bastian Schweinsteiger. Der Leitwolf im defensiven Mittelfeld laboriert weiter an einer Entzündung der Patellasehne. Deshalb war er am Donnerstag der einzige anwesende Spieler, der nicht am Mannschaftstraining teilnahm. Stattdessen drehte er mit zwei Trainern seine Runden um den Trainingsplatz, ohne dabei das Tempo anzuziehen. "Er hat sein eigenes Programm", erklärte Co-Trainer Hansi Flick, "wir müssen aufpassen, wie er das verkraftet. Wir werden ihn am Ende so aufbauen, dass er das WM-Turnier gut verkraftet."

Daumendrücken für Khedira

Ein anderer Wackelkandidat im Kader sendet den DFB-Verantwortlichen derzeit aber positive Signale: Sami Khediras Formkurve zeige nach seinem Kreuzbandriss vor einem halben Jahr weiter nach oben, beobachtet Teammanager Oliver Bierhoff aus der Ferne. "Er ist ein tolles Beispiel für jeden verletzten Spieler, was alles möglich ist mit Wille, Konzentration und Glaube an sich selbst." In Südtirol rechnen sie fest mit Khedira. Am Samstag drückt ihm die Nationalmannschaft am Fernseher beim Champions-League-Finale zwischen Real und Atletico Madrid gemeinsam die Daumen, wie Bierhoff unterstrich. "Ich wünsche ihm, dass er das entscheidende Tor im Finale macht."

Viele Wünsche, ein paar positive Eindrücke, doch die Sorgen und Ungewissheiten überwiegen. Das Fehlen der wichtigsten Stammspieler in dieser entscheidenden Vorbereitungsphase wirft das Konzept der DFB-Verantwortlichen mächtig durcheinander. Manche Aussage wirkt da eher wie eine Durchhalteparole. "Wir haben 27 Spieler, denen wir voll vertrauen", sagt Teammanager Bierhoff, "wir sind überzeugt, dass diese Spieler am Ende die Chance haben, Weltmeister zu werden." Bis dahin ist es ein sehr weiter Weg.

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