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Wirtschaft

Die Solarbranche kämpft an vielen Fronten

Es kommen harte Zeiten auf die Solarfirmen in Deutschland zu. Die Bundesregierung kürzt die Fördersätze für Sonnenenergie drastisch. Auch die Konkurrenz aus China macht der Branche zu schaffen.

Werk von SolarWorld im sächsichen Freiberg (Foto: SolarWorld AG)

Den technologischen Vorsprung will SolarWorld halten

Bereits im Dezember hatte der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen deutliche Kürzungen in der Solarförderung angekündigt. Nun ist es amtlich: Nach der regulären Kürzung der Fördersätze um rund zehn Prozent am Jahresanfang soll ab April die Förderung für die Solarenergie einmalig um 15 Prozent gekürzt werden.

Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG (Foto: SolarWorld AG)

Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG

Frank Asbeck, Chef der Bonner Solarfirma SolarWorld AG, lässt sich die Laune nicht durch die schlechte Nachricht für seine Branche verderben. "Unglücklich wäre ich, wenn sich spontan die Sonne verdunkelt hätte", sagt er in seinem gläsernen Büro mit Blick auf den Rhein und seinen Privatwildpark. Die Pläne der Bundesregierung bezeichnet er dennoch als "starke Einschnitte": "Es ist immer schade, wenn eine junge Branche so ausgebremst wird, die noch enormes Wachstumspotential hat."

Für einige Anbieter wird es eng

Drastischer schildert der Bundesverband Solarwirtschaft die aktuelle Situation. Er sieht eine Pleitewelle und Jobverluste in großem Ausmaß auf Deutschland zukommen. Derzeit sind knapp 80.000 Menschen in der Solarbranche beschäftigt.

Infografik Solarzellen Produktion (DW)

Dabei haben die Unternehmen gerade ein hartes Jahr hinter sich. Ein Preisverfall von bis zu 30 Prozent brachte einige Solarunternehmen hierzulande in die Verlustzone. Ein Grund ist die starke Konkurrenz aus China, die aber auch selber unter dem Preisverfall litt. Lachende Dritte waren diejenigen in Deutschland, die letztes Jahr in eine Solaranlage investiert haben. Denn einerseits wurde die Anlage billiger, andererseits blieb die Einspeisevergütung stabil. Diese Vergütung ist Teil eines Gesetzes zur Förderung der erneuerbaren Energien. Demnach erhalten Solaranlagenbesitzer über einen Zeitraum von 20 Jahren eine feste Vergütung für den Strom, den sie ins Netz einspeisen. Sie kann je nach Größe der Anlage bis zu 39 Cent pro Kilowattstunde betragen. Zum Vergleich: Der Börsenpreis für konventionelle Elektrizität bewegt sich im einstelligen Cent-Bereich.

So viel Solarstrom wie noch nie

Hohe Renditen für Anlagen-Investoren führten 2009 zu einem unerwartet starken Ausbau der Photovoltaik-Anlagen. Verbraucherschützer liefen Sturm. Denn die Differenz zwischen dem Marktpreis und der Einspeisevergütung zahlen die Verbraucher. Mit anderen Worten: Je mehr Solarstrom eingespeist wird, desto mehr Kosten werden auf die Verbraucher umgelegt. Sie forderten daher eine radikale Kürzung der Förderung von 30 Prozent.

Utopia Garden in Dezhou: hier entsteht eine neue Siedlung mit energiesparender Technologie und Solar-Klimaanlagen (Foto: Ruth Kirchner)

China fördert erneuerbare Energien - hier in Dezhou entsteht eine neue Siedlung mit Solar-Klimaanlagen

Da das Gesetz nicht vorgeschrieben hat, dass nur in Deutschland produzierte Solaranlagen in den Genuss der Förderung kommen, haben von dem Run auf Solaranlagen vor allem Konkurrenten aus China profitiert. Der weltweit größte Modulhersteller Suntech Power in der südchinesischen Stadt Wuxi liefert die Hälfte seiner Solarzellen nach Deutschland. Das war auch ein Argument der Befürworter einer stärkeren Kürzung der Förderung, da sie sozusagen die Konkurrenz heranzüchtet.

Unfaire Wettbewerbsvorteile?

Nun sind alle Solarunternehmen von der Kürzung betroffen, doch sieht Frank Asbeck, Chef des größten Solarzellenherstellers in Deutschland, die Produkte aus Fernost im Vorteil: "Natürlich werden sich chinesische Module jetzt besser durchsetzen können, weil sie einfach nicht den Personalaufwand haben, den wir hier haben. Wir zahlen unseren Leuten etwa das Zehnfache pro Monat von dem, was man in China zahlt."

Die Personalkostenquote liege bei SolarWorld laut Asbeck bei zehn Prozent, bei den Chinesen nur bei drei Prozent. Auch gebe es Subventionen im Energiebereich in China und bei den Vormaterialien. Das zusammen mache aus seiner Sicht schon einen Kostenvorteil der chinesischen Produkte um die 15 Prozent.

Ihn stört es besonders, dass chinesische Unternehmen mit subventionierten Krediten arbeiten: "Ich muss auf den Kapitalmarkt gehen und muss mir mein Geld für sechs Prozent leihen, um auszubauen. Das müssen die chinesischen Firmen eben nicht. Das ist eine Verwerfung."

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