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Afrika

Die simbabwische Tragödie

Machtgier, Habsucht und schlichtes Verbrechen gehen in Simbabwe Hand in Hand mit Dürre und Hunger. Die nächste afrikanische Tragödie ist fast perfekt, meint Heinrich Bergstresser.

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Der Fall Simbabwe wäre hervorragend geeignet, das Zusammenspiel zwischen hausgemachten, regionalen, globalen und natürlichen Einflüssen auf die Dürren und ihre Auswirkungen auf Menschen, Flora und Fauna konsequent darzustellen. An diesem Fall ließe sich beispielhaft darlegen, wie machtgierige Politiker durch ihr verbrecherisches Verhalten ein Land und seine Gesellschaft total ruinieren können, ein Land, das immer mal wieder von extremen Wetterbedingungen heimgesucht wird und dadurch eh schon leicht geschwächt ist, das aber unter den jetzigen politischen Bedingungen keine Chance hat, sich den einer Naturgewalten entgegenzustemmen.

Wer glaubt, erlittenes Unrecht mit neuem Unrecht sühnen zu können, wird vielfaches Elend erzeugen. Dies geschieht gerade in Simbabwe, wo Präsident Robert Mugabe das Rückgrat der Wirtschaft, die Landwirtschaft, zerbrochen hat. Hinter der Maske des Staatschefs und einst anerkannten Freiheitskämpfers kommt nun die machtgierige Fratze eines alten Mannes zum Vorschein, der ganz offen bereit ist, über Leichen zu gehen und alle Errungenschaften Simbabwes auf den Müllhaufen zu werfen. Seine erklärten Feinde sind die weißen Farmer, die zwar 70 Prozent des guten Agrarlands besitzen, die aber in der Vergangenheit auch den bescheidenen Wohlstand dieses Landes erzeugten. Die meisten der Viertausend weißen Farmer werden in den kommenden Tagen und Wochen entschädigungslos davongejagt und das Land an Mittellose und Kleinbauern verteilt. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn die Filetstücke hat sich die herrschende Clique um Mugabe bereits unter den Nagel gerissen.

Und die weißen Farmer? Einige Hundert wollen ausharren und Rechtsmittel einsetzen. Sie scheinen aber den Ernst der Lage zu verkennen. Denn wo nackte Gewalt das Recht ersetzt hat, helfen auch patriotische Durchhalteparolen nicht, verlorene Schlachten nochmals schlagen zu wollen. Vielmehr zeugt es von Dummheit und Starrsinn, und es lohnt sich nicht, für diese Sache sein Leben aufs Spiel zu setzen. Denn die Gewinnaussichten tendieren gen Null. Und mehr als ein bisschen Mitgefühl ist auch bei der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien und in den USA nicht zu erwarten. Denn selbst dort besteht Konsens darüber, dass eine Landreform nötig ist, eine Reform aber, die das Wort verdient.

Davon ist Simbabwe aber weiter denn je entfernt, und die Nachbarstaaten sehen dies nicht ganz ungern, halten sich aber in der Öffentlichkeit noch zurück. Für die paar Millionen Hungernden interessieren sich Mugabe & Co eh nicht. Um die können sich ja Hilfsorganisationen aus den reichen Industriestaaten kümmern, als kleine Kompensation für den europäischen Kolonialismus.

Dieser Zynismus, untermauert durch die Untätigkeit der Afrikanischen Union, setzt dem negativen Image des Kontinents zurzeit die Krone auf. Und weit und breit ist niemand in Sicht, der gegen das Böse in Gestalt eines Robert Mugabe vorgehen will, weder in Afrika noch in den führenden Ländern dieser Welt. Ein erbärmlicher Zustand, den auch der Umweltgipfel in Johannesburg leider nicht verändern wird.

  • Datum 13.08.2002
  • Autorin/Autor Heinrich Bergstresser
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2YWI
  • Datum 13.08.2002
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