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Politik

"Die Sicherheitslage im Irak ist noch schlechter geworden"

Vor einem Jahr übergaben die USA formell die Macht im Irak an eine Übergangsregierung. Was hat sich verändert? DW-WORLD hat Halim Alhijjaj aus Bagdad gefragt, der dort für deutsche Firmen als Kontaktmann arbeitet.

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Tägliche Anschläge: "Die Menschen reagieren apathisch"

DW-WORLD: Vor einem Jahr hat US-Präsident Bush die Macht im Irak an die irakische Übergangsregierung übergeben. Ist die Situation im Land in dieser Zeit besser oder schlechter geworden?

Halim Alhijjaj: Die Sicherheitssituation ist nicht besser geworden, in manchen Gegenden sogar noch schlechter. Wirtschaftlich ist die Lage immer noch kritisch, weil viele Betriebe bis heute die Arbeit noch nicht aufgenommen haben. Viele warten auch bewusst ab, bis sich die Sicherheitssituation verbessert hat.

Können Sie Ihren eigenen Alltag beschreiben? Wie läuft Leben im Irak ab?

Das ist eine heikle Frage. Wenn wir früh aufstehen, wissen wir nicht, ob zum Beispiel die Straße gesperrt ist. Wenn wir einen Termin machen und uns mit jemandem verabreden, müssen wir eine Zeitspanne von zwei Stunden einrechnen, weil es oft so lange dauert, bis man den verabredeten Ort erreicht hat. Manchmal platzen wegen Staus und Straßensperren auch die Termine. Auch müssen wir ständig mit Bombenattentaten rechnen.

Jeden Tag berichten die Nachrichtenagenturen von neuen Bombenanschlägen. Wie viel bekommen Sie davon mit?

Vor etwa drei Wochen detonierte eine Bombe nur dreißig Meter neben mir. Ich habe seitdem ein neues Leben und bin wieder erst einen Monat alt. Man ist natürlich froh, wenn man so etwas nicht erlebt, aber es passiert eben jeden Tag.

In welchem Stadtviertel sind Sie denn beschäftigt?

Im Westteil von Bagdad. Die letzten Jahre war ich im Ostteil. Aber da ich jeden Tag zweimal über die Brücke musste, bin ich in den Westteil der Stadt gezogen und wohne jetzt in einem vornehmen Viertel der Stadt.

Wie läuft denn der Alltag in Bagdad ab? Gibt es Versorgungsengpässe, und wie geht es der Bevölkerung?

Allein letzte Woche waren wir vier Tage ohne Wasser. Ein großes Problem ist auch die Stromversorgung. Alle vier Stunden haben wir für zwei Stunden Strom. Bei dieser Hitze ist es unerträglich, wenn die Klimaanlage nicht arbeitet. Besser geworden ist die Lebensmittelversorgung, zumindest ist genug vorhanden. Doch werden die Lebensmittel rationiert, und seit drei, vier Monaten werden diese Rationen nicht mehr ausgegeben. Das ist gerade für die arme Bevölkerung sehr schwer.

Wie ist denn die Stimmung unter den Menschen. Herrscht Optimismus für die Zukunft?

Vor einem Jahr war der Optimismus größer. Auch ich habe damals gedacht, dass es in diesem Jahr spürbar besser werden würde. Heute bin ich skeptischer, und viele in der Bevölkerung wissen nicht, wie es in Zukunft weitergehen soll. Man fürchtet, dass die Auseinandersetzungen weitergehen werden.

Wie präsent sind die US-Truppen in Bagdad noch, und wie steht die Bevölkerung zu ihnen?

Die Soldaten sind noch da und patrouillieren täglich durch die Straßen, auch durch die Nebenstraßen. Die Menschen reagieren apathisch auf die Soldaten.

Wie äußert sich das?

Als das 2003 begann, war man die ersten sechs Monate begeistert. Die Menschen haben den Soldaten zugewinkt und sich sogar mit ihnen unterhalten. Die Kinder sind sogar in die Panzer geklettert und konnten sie sich von innen ansehen. Heutzutage ist das Verhältnis deutlich schlechter. Zu den Konvois der US-Truppen müssen wir hundert Meter Abstand halten, sonst kann einen das das Leben kosten.

Lesen Sie im zweiten Teil, was die irakische Bevölkerung von der Regierung hält und welche Chancen sich deutschen Firmen trotz der prekären Sicherheitslage im Irak bieten.

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