1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Europa

Die Serben, die Moslems und die Kriegsopfer aus dem Stausee

Nach Ablassen des Wassers wegen Reparaturarbeiten gab der Perucac-Stausee in Bosnien eine grausige Altlast des Krieges frei: Leichen von 160 von Serben getöteten Moslems. Auch beim alten Feind ist das Entsetzen groß.

A forensic expert from the International Commission on Missing Persons uncovers a set of human remains on the shore of Lake Perucac during service maintenance on the dam when the lake is drained near the eastern Bosnian town of Visegrad, 70 kms east of Bosnian capital of Sarajevo, on Thursday, Aug. 5, 2010. This location is one of 15 established locations along the banks and bottom of an artificial lake used as a reservoir for a local hydro power plant. According to the Commission on Missing Persons, hundreds of partial or complete human remains are scattered along flooded banks and the lake bed. Visegrad was the site of one of the most notorious ethnic cleansing campaigns led by Bosnian Serb at the beginning of the 1992-1995 war. (ddp images/AP Photo/Amel Emric) <<

Perucac-Stausee

Tausende Serben haben sich schockiert über die 162 Leichen gezeigt, die aus dem Perucac-Stausee an der Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Serbien geborgen und als Massaker-Opfer identifiziert wurden. "Ich schäme mich, dass Angehörige meines Volkes den Bosniern soviel Böses zugefügt haben", schrieb ein Mann an den Belgrader Fernsehsender B92. "Begreifen die Leute überhaupt, wie schrecklich das ist?", zeigte sich ein anderer Zuschauer fassungslos. Fast 3000 andere Serben pflichteten dem in ihren Zuschriften an B92 bei. Auch bei "Blic", der größten Zeitung in Serbien, gingen Beiträge von fast 400 bestürzten Lesern ein.

Volunteers wait for a Bosnian Army helicopter to transport them to the opposite side of the temporarily drained artificial Lake Perucac, to join forensic experts in searching for human remains in the dried mud, Lake Perucac, Bosnia-Herzegovina, Wednesday, Aug, 18, 2010. Shovel wielding volunteers on Wednesday joined forensic experts searching for more remains of Bosnian war victims on the muddy banks of Lake Perucac in eastern Bosnia. The search began a month ago after the water level was lowered for dam work, exposing 73 sets of human bones, the remains of people killed at the start of the 1992-1995 war and thrown into the Drina river, which divides Serbia and Bosnia. (ddp images/AP Photo/Sulejman Omerbasic) <<

Freiwillige Helfer warten am Stausee auf einen bosnischen Armeehubschrauber

In der Vorwoche hatte das international unterstützte "Institut für verschwundene Personen in Bosnien-Herzegowina" in Sarajevo mitgeteilt, von den im Jahr 2010 geborgenen Leichen seien 160 als Muslime identifiziert worden. Das hätten DNA-Tests ergeben. Die Muslime seien im Jahr 1992 getötet worden und stammten mehrheitlich aus den Städten Visegrad, Foca und Rogatica, so das Institut weiter. Sie waren während des Bürgerkrieges (1992-1995) wahrscheinlich von Serben in dem Stausee versenkt worden. Ein Viertel von ihnen waren Frauen. Und auch mindestens zehn Kinder wurden Opfer der Gewaltexzesse.

Bosnien rechnet mit mehr als 200 Toten

Nach Darstellung des Instituts muss mit noch mehr Toten gerechnet werden, tatsächlich gehe es wahrscheinlich um mehr als 200. Weitere forensische Untersuchungen sollen folgen. Die Leichenteile waren 2010 geborgen worden, nachdem das Wasser des Stausees wegen Reparaturarbeiten abgelassen worden war. Die Verbrechen in dieser Region sind bislang weder historisch noch gerichtlich aufgearbeitet worden.

Perućac Lake near Bajina Bašta, Serbia Datum: unbekannt, vor 2006 Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:BajinaBastaLake.jpg

Eigentlich eine Idylle - der Perucac-Stausee

Der Perucac-See liegt im Osten von Bosnien-Herzegowina. Dort waren während des Krieges tausende Muslime von bosnischen Serben umgebracht worden. Von den insgesamt rund 100.000 Toten des Konflikts werden nach Angaben des Instituts in Sarajevo noch immer etwa 30.000 vermisst. Etwa 22.000 Leichen konnten bislang exhumiert werden.

sti/se (afp, dpa)

Die Redaktion empfiehlt