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Sprachbar

Die Segel gesetzt?

Manchem, dem der Wind aus den Segeln genommen wurde und der sie schon gestrichen hat, setzt sie neu. Er fährt mit vollen Segeln voraus, segelt mit allen Winden und fühlt sich frei wie ein Mauersegler.

Eigentlich verbindet man das Wort segeln nicht unbedingt mit dem neuen Jahr und der kalten Jahreszeit. Aber segeln heißt, sich mit Hilfe eines oder mehrerer Segel und der Kraft des Windes fortzubewegen. Und ein Segelschiff oder ein Segelboot mit geblähten Segeln ist doch ein schöner und irgendwie optimistisch stimmender Anblick. Auch diejenigen, die zu neuen Ufern segeln, beginnen ja etwas Neues. Damit sind wir dann doch beim Jahresanfang.

Mit gesetzten Segeln voran

Männer holen ein Segel ein

Gemeinsam ist es zu schaffen!

Gleichwohl wird es – wie in den vergangenen Jahren auch – nötig sein, alle Segel zu setzen, mit vollem Segel zu fahren, um gemeinsame oder auch persönliche Ziele zu erreichen. Dieser bildhafte Ausdruck bedeutet, großen Fleiß zu zeigen und sich jede Mühe zu geben. In der Sprache der Segler ist dieses Sprachbild allerdings ganz wörtlich zu nehmen. Bevor jemand lossegelt, müssen die Segel per Hand gesetzt werden.

In beiden Fällen ist jedoch eins unabdingbar: Wind, der in die Segel fällt und sie bläht – wobei man die Segel nach dem Wind richten muss. Für Landratten bedeutet diese Regel aus der Seemannssprache, dass man günstige Gelegenheiten nutzen und sich den Gegebenheiten des Augenblicks anpassen muss, also nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen sollte. Denn wer gegen den Wind segelt, verausgabt sich.

Gestrichene Segel – nicht nur bei Flaute

Segelboot, die im Hafen liegen

Angekommen im Hafen - die Segel sind gestrichen

Wenn es dann einmal gar nicht anders geht, muss man jedoch die Segel streichen und nachgeben. Häufig geschieht es – daran wird sich auch im neuen Jahr nichts ändern –, dass einem der Wind aus den Segeln genommen wird, dass man gebremst, ja lahmgelegt wird. Das müssen nicht immer Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte sein. Das kann auch im alltäglichen Leben ständig passieren.

Dann spricht man – wie auf See – von einer Flaute. Wirtschaftsunternehmen stecken schon mal in einer Absatzflaute, Geschäfte spüren eine Konsumflaute, wenn die Leute kein Geld ausgeben und lieber sparen wollen – und in den Sommermonaten gibt’s die Sommerflaute, weil die meisten Menschen im Urlaub sind. Steckt jemand in einem Stimmungstief und hat auf gar nichts mehr Lust, herrscht auch bei ihm oder ihr eine Flaute. Mancher muss dann wie ein Seemann auf das Aufleben des Windes warten, auf neue Energie, neuen Lebensmut.

Vorsicht vor unter fremder Flagge Segelnden

Flaggenmasten mit mehreren Flaggen

Die meisten Segler segeln unter eigener Flagge

Was ein Segel ist, muss nicht groß erklärt werden, ebenso wie die Vielfalt der unterschiedlichen Formen und Arten. Das Wort selbst ist im Althochdeutschen als segal verzeichnet. Vermutlich ist es dem Germanischen entlehnt und bedeutet „abgerissenes Tuchstück“ oder „Streifen“.

Nicht genau weiß man, wann im heutigen Mittel- und Nordwesteuropa zum ersten Mal Schiffe unter Segel fuhren. Bei Brügge wurde aber 1899 das älteste westgermanische Segelboot ausgegraben, das aus dem 5. Jahrhundert nach Christus stammt. Mancher segelte vielleicht damals schon unter fremder, feindlicher oder neutraler Flagge, während eines Krieges zum Beispiel. Wer allerdings im übertragenen Sinn unter fremder Flagge segelt, ist entweder fremdbestimmt und handelt nicht auf eigene Verantwortung oder er täuscht etwas vor.

Windschatten und Kielwasser

Eine junge Frau smit Talar und Hut sitzt traurig am Tisch

Aus der Traum vom Richterdasein!

Segeln oder gleiten – egal ob zu Wasser oder in der Luft, ob im Segelboot oder im Segelflugzeug – ist eine elegante und fast geräuschlose Fortbewegungsart. So bekommt mancher möglicherweise nicht mit, dass ein anderer in seinem Windschatten segelt und die Freundschaft oder Bekanntschaft zu seinem Vorteil ausnutzt. Dagegen ist derjenige, der im Kielwasser eines anderen segelt oder fährt, von diesem sehr überzeugt. Er ahmt ihn nach, weil er seiner Stärke und Führungskraft vertraut – wie in der Seefahrt, wo etwa Eisbrecher den Weg für die Schiffe in ihrem Kielwasser bereiten.

Wer durch eine Prüfung segelt, sieht nicht gut aus, denn diese Art des Segelns bedeutet nichts anderes, als dass er oder sie mit Glanz und Gloria durchgefallen ist – das heißt, die Prüfung nicht bestanden hat. Mancher denkt sich da: „Wäre ich bloß mit dem Wind gesegelt und hätte nicht so viele Widerworte gegeben.“

Der Mauersegler

Eine Formation von Mauerseglern am Himmel

Mauersegler können im Flug schlafen

Und jetzt gehen wir in die Luft. Elegant, geräuschlos und pfeilschnell ist der Mauersegler. Diese Vögel, die zur Familie der Segler gehören, sind höchst erstaunliche Tiere. Ihre Fluggeschwindigkeit beträgt bis zu 150 Kilometer in der Stunde. Zur Fütterung ihrer Jungen fliegen sie bei schlechten Wetterbedingungen zur Nahrungssuche bis zu 100 Kilometer vom Nest weg und können bei günstigen Windverhältnissen dabei einen Zweistundenrhythmus einhalten. Sie können tagelang ununterbrochen in der Luft bleiben.

Den Segelfliegern vergleichbar lassen sie sich von der Thermik in bis zu 3000 Meter Höhe tragen. Dort verbringen sie Tage und Nächte im Wind segelnd in sogenannten „Schlafgesellschaften“ – sie schlafen im Flug. Bis zu 50.000 Mauersegler, die von Europa ins südliche Afrika unterwegs waren, wurden in solchen Schlafgesellschaften gezählt. Ende April/Anfang Mai kehren die Mauersegler aus ihren Winterquartieren wieder nach Europa zurück. Wie jedes Jahr.

Selbstbestimmt Segel setzen

Womit wir wieder am Anfang wären: Segel zu setzen und zu neuen Ufern zu segeln kann man am Jahresanfang – muss man aber nicht. Den Zeitpunkt kann jeder selbst bestimmen. Das kann auch im Sommer auf einem Segelboot bei geblähten Segeln sein.


Fragen zum Text

Ein deutsches Segelboot ist auf der Insel Malta registriert. Es segelt …
1. in fremden Gewässern.
2. unter fremder Flagge.
3. im Windschatten der Insel.

Anna hat ihr Abitur nicht bestanden. Sie …
1. hat die Prüfung durchsegelt.
2. ist vor der Prüfung weggesegelt.
3. ist durch die Prüfung gesegelt.

Nicht richtig ist, die Segel zu …
1. streichen.
2. setzen.
3. stellen.


Arbeitsauftrag
Du möchtest raus aus dem alltäglichen Trott, nicht in alter Gewohnheit das immer Gleiche machen, du möchtest etwas Neues beginnen, zu neuen Ufern segeln: Erstelle eine Liste, in der du alle die Dinge und Gewohnheiten aufführst, die du ändern möchtest, aber auch, womit du zufrieden bist. Am Jahresende kannst du dann schauen, was du geändert hast. Auf geht’s! Mit vollen Segeln voraus!

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