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Schumann at Pier2

Die Schumann-Symphonien im Überblick

Robert Schumann gilt als einer der besten Vertreter der deutschen musikalischen Romantik. Seine Symphonien werden aber bis heute unterschätzt.

Erste Symphonie B-Dur op. 38

Robert Schumann komponierte seine erste Symphonie B-Dur op. 38 im Januar 1841 in Leipzig, die Skizzen dazu schrieb er in beachtlichen vier Tagen nieder. Man sollte nicht vergessen, unter welchem Druck der Komponist damals stand: Schumann war zu diesem Zeitpunkt ein erfolgreicher Komponist von Klavierwerken und Liedern, also von Kammermusik. Um aber vom Komponieren leben zu können, war ein Erfolg in der damaligen Königsdisziplin unabdingbar - der Symphonie. Auf diesem Feld hatte Schumann als Pianist wenig Erfahrung und auch nicht die nötige Ausbildung genossen.

Zwei Umstände kamen aber seinem Vorhaben zugute. Zum einen hatte er wenige Monate vorher, im September 1840, mit Clara Schumann eine erfolgreiche Pianistin, aber auch ehrgeizige Ehefrau geheiratet, die ihn ermunterte, wenn nicht gar drängte, endlich auch für Orchester zu komponieren. Zum anderen war die Freundschaft mit Felix Mendelssohn-Bartholdy hilfreich, der damals nicht nur einer der angesehensten Komponisten Europas war, sondern auch Leiter der wohl bedeutendsten Institution der deutschen Musikwelt - der Gewandhauskonzerte in Leipzig. Mendelssohn nahm die Partitur mit einigen Korrekturen an und brachte sie am 31. März zur Uraufführung. Die Leipziger Presse schrieb wohlwollend, das Werk sei "mit dem größten Beifall" aufgenommen worden.

Schumann geht in seinem symphonischen Debüt auf dem ersten Blick keine neuen Wege - auf den ersten Satz in Sonatenhauptsatzform folgen ein langsames Larghetto, ein lebhaftes Scherzo und ein Finale wieder in Sonatenhauptsatzform. Aber besonders im ersten Satz zeigt Schumann eine eigene Handschrift. Statt in dem zentralen Teil, der Durchführung, die Themen weiter zu entwickeln, variiert er sie frei und spielerisch. Diese Leichtigkeit hat sicherlich dazu beigetragen, dass sich der Beiname "Eine Frühlingssymphonie" durchsetzte, was Schumann auch intendiert hatte: In seinen Skizzen tragen die Sätze die Bezeichnungen "Frühlingsbeginn", "Abend", "Frohe Gespielen" und "Voller Frühling".

Zweite Symphonie C-Dur op. 61

Schumanns Symphonie C-Dur op. 61 gilt als die ambitionierteste seiner vier Sinfonien. Verfolgt man seine Aufzeichnungen und die seiner Frau Clara Schumann aus dieser Zeit, kam die Vollendung der Komposition einem Befreiungsschlag gleich. Vorangegangen war eine mehrjährige Schaffenskrise. Während seine Frau als Pianistin gefeiert wurde und den Lebensunterhalt der Familie bestritt, plagten Schumann rätselhafte Krankheiten und psychologische Krisen. Seine Hoffnung auf eine Anstellung am Leipziger Gewandhaus erfüllten sich nicht. Das Paar zog 1844 in das konservative Dresden, wo Schumann weitgehend anonym leben konnte. Hier studierte er intensiv das Schaffen Johann Sebastian Bachs, dessen Werke wenige Jahre vorher noch vergessen waren und die dank der Wiederaufführungen durch Moses Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig eine Renaissance erlebten. Die Beschäftigung mit der Bachschen Kunst, mehrstimmig zu komponieren, ist auch in der Symphonie C-Dur unüberhörbar.

Wie schwer Schumann die Arbeit an der Symphonie fiel, zeigt die lange Entstehungszeit: Zwischen den ersten Entwürfen im September 1845 und dem Abschluss der Arbeiten im November 1846 verging über ein Jahr. Die Symphonie wurde am 5. November 1846 von Mendelssohn-Bartholdy im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt.

Die viersätzige Anlage der Symphonie folgt zunächst der Tradition. Dem ersten Satz in Sonatenhauptsatzform folgen ein schnelles Scherzo und ein liedhaftes Adagio. Der zentrale Satz aber ist das finale Allegro molto vivace, das die klassische Form mit vielen überraschenden Wendungen, neuen Themen und Zitaten aus eigenen wie fremden Kompositionen bricht. Die kurzen mittleren Sätze fanden beim Publikum schnell Anklang, die aufwändigen Ecksätze kürzte Schumann nach der ersten Aufführung - wohl auch aufgrund der Kritik in den Musikzeitschriften, die den großen Umfang der Symphonie als verwirrend beschrieben.

Dritte Symphonie Es-Dur op.97

Robert Schumanns Symphonie Es-Dur op.97 gilt als seine leichteste, heiterste und volkstümlichste und zählt zu seinen populärsten Orchesterwerken. Sie ist heute auch unter dem Beinamen ¨Rheinische¨ bekannt. Seinem Verleger Peter Joseph Simrock beschrieb er sie als eine ¨Symphonie, die vielleicht hier und da ein Stück Leben widerspiegelt.¨ Damit meinte er das Leben im Rheinland, das er ab 1850 kennen lernte. In diesem Jahr übernahm er die Leitung des Allgemeinen Musikvereins in Düsseldorf - eine feste Anstellung, die es ihm erstmals erlaubte, ohne materielle Sorgen zu leben. In seinen Briefen und Aufzeichnungen aus dieser Zeit kann man nicht nur seine Erleichterung darüber heraus lesen, sondern auch, welch großen Eindruck die Region am Rhein auf den gebürtigen Sachsen machte. Schumann begann mit der Arbeit an der Symphonie zwei Monate nach seiner Ankunft in Düsseldorf, im November 1850. Uraufgeführt wurde sie im Februar 1851 in Düsseldorf unter Schumanns Leitung.

Besondere Aufmerksamkeit erregte unter seinen Zeitgenossen der Umstand, dass Schumann entgegen der Tradition neben den klassischen vier Sätzen - dem 1. Satz in Sonatenhauptsatzform, dem Scherzo, einem kurzen langsamen Satz und einem schnellen Schlusssatz wieder in Sonatenhauptsatzform - einen weiteren Satz komponierte, den er an vierter Stelle vor dem Finale einfügte: Ein mit "Feierlich" überschriebenes choralähnlich-sakral wirkendes Stück, in dem Schumann ausführlich auf Formen der älteren polyphonen Musik, Fuge und Kanon, zurück greift.

Vierte Symphonie d-moll op.120

Schumanns Symphonie d-moll op. 120 ist seine umstrittenste, und das war sie bereits nach ihrer ersten Aufführung. Das macht schon ihre Nummerierung deutlich: Geführt wird sie heute als seine 4. Symphonie, weil Schumann sie erst nach der 3. Symphonie, in den Jahren 1851/52, vollendete. Komponiert hat er sie allerdings bereits 1841, kurz nach seiner 1. Symphonie. Die war ein großer Erfolg, weshalb sich Schumann wohl zutraute, in der Symphonie d-moll kompositorisch mehr als noch bei seinem symphonischen Debüt zu wagen. Die Arbeiten an der Komposition zogen sich für Schumanns Verhältnisse sehr lange hin, insgesamt vier Monate, von Juni bis September 1841. Die gesamte Symphonie - mit ihrem traditionellen Aufbau: 1. Satz, langsame "Romanze", lebhaftes Scherzo und Finale in Sonatenhauptsatzform - sollte ohne Pause aufgeführt werden, quasi wie ein Satz aus einem Guss. Das kam bei der Uraufführung im Leipziger Gewandhaus bei Publikum und Kritikern nicht an, als unklar, gedrängt, unfertig wurde die Komposition bezeichnet. Schumann zog die Partitur zurück, für ganze zehn Jahre.

In Düsseldorf, wo der Komponist seit 1850 den Allgemeinen Musikverein leitete, nahm er sie sich wieder vor. Er änderte wesentlich nur die Instrumentierung, die er merklich erweiterte. Diese voller und deutlich dunkler wirkende Fassung wurde im März 1853 erstmals aufgeführt, unter Schumanns Leitung. Mit Erfolg: Es folgten kurz darauf weitere Aufführungen in verschiedenen deutschen Städten Heute hat sich die Spätfassung weitgehend durchgesetzt, wenn auch die Frühfassung ab und an noch auf Schallplatte oder in Konzertauführungen zu hören ist.