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Politik

Die schlimmste Phase der irakischen Geschichte

Am Ostermontag jährt sich zum vierten Mal der Sturz des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Doch das Ende seiner Herrschaft ist für die Iraker kein Grund mehr zum Feiern. Peter Philipp kommentiert.

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Obwohl der damalige irakische Informationsminister es nicht wahrhaben wollte: US-amerikanische Panzer hatten bereits Stellung in Bagdad bezogen, am 9. April 2003 aber wurde den Irakern und der Welt vor Augen geführt, dass eine neue Zeit angebrochen war. Oder zumindest, dass eine Ära zu Ende gegangen war: Zusammen mit einem Häuflein irakischer Demonstranten riss ein amerikanischer Armee-Bulldozer eine der größten Statuen von Saddam Hussein um – live übertragen in alle Welt.

Peter Philipp

Die Statue war zäher als vermutet: Nur langsam senkte sie sich und nur nach einem wahren Gewaltakt fiel sie zu Boden. Niemand ahnte, wie exemplarisch dies für die nächste Entwicklung im Irak sein sollte. Ebenso der Versuch eines US-Soldaten, den Kopf der Statue mit der US-Fahne zu verdecken, war ungewollt ein Hinweis auf das, was kommen sollte:

So weit vom Frieden entfernt wie nie

Vier Jahre nach diesem symbolischen Sturz des irakischen Diktators ist das Zweistromland von einer Lösung seiner Probleme weiter entfernt als je zuvor: Saddam Hussein gibt es nicht mehr – nach monatelanger Suche wurde er Ende 2003 gefunden, er wurde vor Gericht gestellt und am 30. Dezember 2006 hingerichtet. Ruhe und Frieden aber sind nicht eingekehrt im Irak: Das Land befindet sich eher in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand, in dem die verschiedenen Volks- und Religionsgemeinschaften einander bekämpfen, zum Teil unterstützt durch ausländische Terroristen und Mächte. Die Gefahr, dass der Irak an diesen Feindseligkeiten zerbricht, ist allgegenwärtig – trotz aller Versuche, aus ihm eine Muster-Demokratie für die Region zu machen:

Der Irak hat frei gewählt, er hat über eine Verfassung abgestimmt und er hat damit einige Voraussetzungen für eine friedliche Entwicklung erfüllt. Nur: Wahlen und eine Verfassung sind eben nicht alles. Da ist natürlich auch die Besatzung durch die USA. Und trotz aller gegenteiliger Anstrengungen besonders der Demokraten in Washington: Ein Ende dieser Besatzung ist nicht abzusehen. Letzte Prognosen gehen dahin, dass selbst ein demokratischer Nachfolger George W. Bushs die Truppen wahrscheinlich nicht abziehen kann.

USA können nicht bleiben – und nicht gehen

Kann oder will? Würden die Truppen abgezogen ohne eine Beruhigung im Irak, dann bräche dort vermutlich erst das richtige Inferno aus. Und bleiben die Truppen, dann sind sie konstanter Grund zu Unruhe und Unsicherheit. Seit Wochen versucht Washington, mit einer “Sicherheitsoffensive” und verstärkten Truppen die Lage in Bagdad unter Kontrolle zu bringen. Statt dessen ist die Zahl der amerikanischen Opfer dort gestiegen und auch die Zahl der Anschläge und Überfälle. Das Heer opferbereiter Selbstmord-Täter scheint unbegrenzt zu sein, denn jeden Tag kommt es zu Anschlägen, jede Woche, jeden Monat.

Und die irakische Bevölkerung leidet: Sie stellt die meisten Opfer der gewalttätigen Auseinandersetzungen. Wer nicht ins Ausland fliehen konnte, versucht, sich irgendwie zu verstecken. Aber es gibt keine Sicherheit. Terror und Gewalt kennen keine Regeln. Vier Jahre nach dem Sturz des Saddam-Regimes scheint nur eines sicher zu sein: Erlösung hat dieser Sturz nicht gebracht, er war eher Auftakt zu einer der schrecklichsten Phasen in der Geschichte dieses Landes.

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