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Wirtschaft

Die Schlacht um Mannesmann

Als sich am 4. Februar 2000 die britische Mobilfunk-Firma Vodafone den Traditions-Konzern Mannesmann einverleibte, ging ein spektakulärer Übernahmekampf zu Ende. Warum war Vodafone am Ende siegreich?

Die Vodafone-Zentrale am Mannesmannufer in Düsseldorf am 17.02.2003 (Foto: dpa)

Das neue Firmenlogo auf der ehemaligen Mannesmann-Zentrale in Düsseldorf

Großröhren von Mannesmann (Foto:dpa)

Mit Stahlröhren begann der Aufstieg von Mannesmann

Es ist die Zeit der Dot.com-Euphorie und des Internet-Hypes: Beim Düsseldorfer Mannesmann Konzern, der einst durch die Produktion von Stahlrohren zur Weltspitze aufgestiegen war, setzt man schon längst auf die neuen Technologien. Mit Klaus Esser steht seit Mai des Jahres 1999 ein Mann an der Konzernspitze, der schon lange in führenden Positionen die Neuausrichtung der Mannesmann AG von einem Industriebetrieb in einen Dienstleistungs- und Kommunikationsanbieter vorangetrieben hat.

Das Drama nimmt seinen Lauf

Mann mit Telefon vor Werbetafel Himmel frei für D2 (Foto: Salzgitter AG - Konzernarchiv)

Schöne neue Mobilfunk-Welt

Jetzt will er den europaweiten Ausbau des konzerneigenen Mobilfunknetzes D2 vorantreiben, das mit enormen Gewinnspannen alle anderen Geschäftsbereiche dominiert. Als Esser im Oktober 1999 den Erwerb des britischen Mobilfunkanbieters Orange ankündigt, nimmt ein Drama seinen Lauf, das als teuerste Übernahmeschlacht aller Zeiten in die Wirtschaftsgeschichte eingehen wird. Sehr schnell tauchen Gerüchte auf, nach denen Mannesmann selbst zum Übernahme-Kandidaten werden könnte. Der weltgrößte Mobilfunkbetreiber Vodafone Airtouch – wie Orange in Großbritannien ansässig und bereits mit 34 Prozent an Mannesmann beteiligt – streckt seine Fühler aus.

Das erste Übernahmeangebot der Briten wird am 14. November 1999 vorgelegt. Es beläuft sich insgesamt auf umgerechnet rund 100 Milliarden Euro. Klaus Esser lehnt ab. Für den deutschen Vorstandschef ist das Angebot "völlig unangemessen". Er beschwört seine Aktionäre, nicht zu verkaufen, sondern ihm zu vertrauen.

Vodafone erhöht das Angebot

Werbeanzeige: Aktientausch bringt verluste (Foto:Salzgitter AG-Konzernarchiv)

Zeitungsanzeige: Böses Vodafone...

Essers Gegenspieler bei Vodafone, der britische Manager Chris Gent, stockt das Angebot immer weiter auf. Sehr schnell beläuft es sich auf knapp 125 Milliarden Euro – eine absolute Rekordsumme. In Deutschland ist jetzt von einem "feindlichen" Übernahmeversuch die Rede. Doch Chris Gent wiegelt ab. "Wir tun dies in gutem Glauben und mit den besten Absichten für das Unternehmen. Und ich glaube auf keinen Fall, dass man das als 'feindlich' charakterisieren kann."

Jetzt eskaliert der Übernahmekampf. Esser und Gent beharken sich öffentlich. Esser reist nach London. Im altehrwürdigen Hotel Savoy, just an dem Ort, an dem Chris Gent seine Übernahmepläne publik gemacht hatte, hält Esser einen Vortrag vor Analysten. "Das sind Fachleute", erklärt er, "die notieren sich was, denken darüber nach und bilden sich ihre Meinung".

Chris Gent, Chef der Vodafone Airtouch PLC, links, und Mannesmann Vorstandsvorsitzender Klaus Esser, schuetteln sich am 3. Februar 2000 auf einer Pressekonferenz in Duesseldorf die Haende, auf der sie die Uebernahme des Mannesmann Konzerns durxch Vodafone bekannt gaben. (Foto: ap)

Ende der Übernahmeschlacht: Chris Gent, Vodafone-Chef (l.) und Mannesmann Vorstandsvorsitzender Klaus Esser beim Händedruck am 3.2.2000 in Düsseldorf

Esser weiß natürlich, dass die internationalen Großaktionäre beim Übernahmepoker eine entscheidende Rolle spielen. In ihre Richtung gewandt betont er immer wieder die enormen Rendite-Chancen, die für Mannesmann D2 im Verbund mit Orange für die den Zeitraum bis 2003 prognostiziert werden: nämlich bis zu 30 Prozent Zuwachs pro Jahr. Der Manager bringt es auf den Punkt: "Mit dieser Wachstumsperspektive sagen wir, dass unsere Aktionäre besser fahren, wenn sie bei Mannesmann bleiben und nicht das Vodafone-Angebot akzeptieren. Das ist einfach Finanz-Mathematik."

Als Hauptargument gegen eine Übernehme hebt Esser immer wieder die technische Überlegenheit seines Hauses gegenüber Vodafone hervor. Während die Briten ausschließlich das Mobilfunkgeschäft im Auge haben, setzt Mannesmann auf eine integrierte Strategie von Festnetz, Mobilfunk und Internet.

Plötzlicher Sinneswandel

Hinter den Kulissen werden Kontakte zu möglichen Verbündeten geknüpft. Esser sucht Unterstützung beim französischen Medien- und Telekomkonzern Vivendi und beim Internet-Anbieter AOL Europe. Als keine rettenden Verträge zustande kommen, zeigt sich, dass auch Vodafone geheime Verhandlungen geführt hat: Am 30. Januar 2000 geben Vodafone und Vivendi die Gründung einer gemeinsamen Internet-Firma bekannt, wenn Vodafone mehr als 50 Prozent der Mannesmann-Anteile erwerben sollte.

Esser sieht seine Felle davonschwimmen. Auch vom größten Mannesmann- Aktionär, dem Hongkonger Hutchison Whampoa-Konzern, wird er gedrängt, der Übernahme durch Vodafone zuzustimmen. Schließlich gibt er nach.

Zeitungsanzeige: Wir sind uns (Foto:Salzgitter AG-Konzernarchiv)

...und alle haben sich wieder lieb

Am 3. Februar 2000 besiegeln Klaus Esser und Chris Gent in der Düsseldorfer Mannesmann-Zentrale medienwirksam mit einem Händedruck die Einigung. Vor der Presse betont Esser, dass seine Entscheidung vom Votum der Mannesmann-Aktionäre getragen werde.

Am 4. Februar 2000 stimmt der Mannesmann-Aufsichtsrat der Übernahme durch Vodafone zu. Gleichzeitig bewilligt das Gremium für Esser und weitere Führungskräfte Bonuszahlungen in Millionenhöhe. Alleine Esser bekommt eine Rekordabfindung einschließlich Prämie von rund 30 Millionen Euro und gerät deshalb später zusammen mit anderen Beteiligten ins Visier der Justiz.

Teuerste Übernahme aller Zeiten

Kaum noch Spuren von Mannesmann: Das Logo von Vodafone im Jahr 2003 (Foto: DW)

Kaum noch Spuren von Mannesmann: Das Logo von Vodafone im Jahr 2003

Am Ende haben beide Kontrahenten während des Übernahmekampfes rund eine halbe Milliarde Euro alleine für Berater und Werbekampagnen ausgegeben.

Vodafone zahlt als Kaufpreis letztendlich an die 190 Milliarden Euro für die Mannesmann-Aktien. Das ist bis heute die teuerste Übernahme aller Zeiten in der Wirtschaftsgeschichte.

Autor: Klaus Ulrich

Redaktion: Henrik Böhme

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