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Ostmitteleuropa

"Die Schläfer Saddam Husseins"

- Muss Polen mit einem Terroranschlag rechnen?

Posen, 23.2.2003, WPROST, poln., Violetta Krasnowska

(...) Auch aus den Flüchtlingsheimen in Polen verschwinden 20 bis 30 Iraker pro Woche. Der irakische Vizepremier Tarik Aziz zählte Polen zu den engsten Verbündeten der USA, was bedeuten könnte, dass wir nach dem Ausbruch des Krieges im Irak mit einer Vergeltung rechnen können. (...)

In Polen halten sich zur Zeit etwa 2 400 Iraker auf. Über 1 100 von ihnen haben in Polen studiert und sind dann in Polen geblieben oder ausgereist und später zurückgekehrt: "Nicht jeder Iraker, der in Polen wohnt und arbeitet, kann als potenzieller Terrorist eingestuft werden. Man kann jedoch nicht ausschließen, dass es dazu unter gewissen Bedingungen kommen könnte", sagte gegenüber der Zeitschrift WPROST Andrzej Barcikowski, der Leiter der Agentur für Innere Sicherheit und fügte hinzu, dass seine Agentur entsprechende präventive Maßnahmen bereits eingleitet hat:

"Entsprechende Institutionen interessieren sich schon für die Studenten und auch für die anderen irakischen Staatsbürger. Eine wirkliche Gefahr ist jedoch mit dem verbunden, was nicht vorhersehbar und völlig irrational ist und was sich nicht beobachten lässt, da man keinen Angriff gerade von dieser Seite erwartet. Das Problem bilden nicht die in Polen ansässigen Iraker, sondern die Personen, die zu den zahlreichen durch Polen reisenden Ausländern gehören. Diese Menschen entziehen sich im großen Umfang jeglicher Kontrolle", sagt Andrzej Barcikowski.

Im letzten Jahr wurden durch den polnischen Grenzschutz 293 Iraker festgenommen, die illegal nach Polen gelangten, 206 von ihnen bereits im Inneren des Landes. Fast alle festgenommenen Iraker bemühen sich nach der Festnahme um den Flüchtlingsstatus in Polen, was ihnen die Aufenthaltserlaubnis sichert. Ab diesem Moment können sie praktisch tun, was sie wollen.

Die terroristische Bedrohung für Polen seitens der Mitarbeiter von Saddam Hussein ist umso größer, weil in den siebziger und achtziger Jahren fast 120 Iraker von unseren Nachrichtendiensten geschult wurden. Ihnen wurde u. a. beigebracht, wie man Diversionsaktionen durchführt. In den neunziger Jahren sind einige von ihnen als Geschäftsleute getarnt mit gefälschten Pässen nach Polen gekommen. Es ist wahrscheinlich, dass sie sich in Polen immer noch aufhalten und die Aktivitäten der Agenten von Saddam Hussein koordinieren, die sich unter den Flüchtlingen oder bei den seit Jahren in Polen lebenden sogenannten Schläfern verstecken.

Andrzej Barcikowski ist der Meinung, dass sich Terroristen bei der Auswahl des Angriffsziels vor allem für die Orte entscheiden, die für den spektakulärsten Effekt eines Angriffs sorgen und von niemandem in Erwägung gezogen werden. Sie wählen auch Schwachpunkte, d. h. Orte, die ihrer Meinung nach ungenügend geschützt werden. Polen ist ein wenig wahrscheinliches Ziel eines Terroranschlags, aber gerade deshalb, weil wir davon überzeugt sind, würde er bei uns für einen tiefen Schock sorgen. Dies ist wiederum oft das Ziel eines Terroranschlags. (...) (Sta)

  • Datum 27.02.2003
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