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Filme

Die schönsten Filme über und aus München

Für viele ist München die heimliche Filmhauptstadt Deutschlands. Wir zeigen die zehn schönsten Münchenfilme der Kinogeschichte und der Direktor des Münchner Filmmuseums verrät seine Favoriten.

Ich treffe Stefan Drößler im Herzen der Stadt, am Münchner Sankt-Jakobsplatz, inmitten von Filmspulen und Videokassetten, Broschüren und Büchern. An den Wänden hängen Programme und Filmplakate sowie Fotografien, die Schauspieler und Regisseure zeigen. Ein Ort des Kinos - das Münchner Filmmuseum. Stefan Drößler leitet es seit 1999, und fragt man den Historiker nach seinen Lieblingsfilmen, die in der Stadt gedreht worden sind, so sprudelt es aus ihm heraus: "Ich habe schon mal eine große Retrospektive mit München-Filmen gemacht, das ist ein Thema, das mich als Filmhistoriker natürlich interessiert, gerade auch ältere Filme." 

Drei große internationale München-Filme 

Gerade vor ein paar Tagen habe er wieder den Film "Liebe und so weiter" von George Moorse gesehen: "Ein wunderbarer München-Film!" Man sehe dort wunderbare Ecken von München, "wahrscheinlich das schönste Dokument, das man von 1968 von München hat, wo man das Leben der Stadt und verschiedene Schauplätze sieht."

Filmszene aus Lola Montez von Max Ophüls mit einem Paar in einem Schloss-Saal beim Gespräch (picture-alliance/KPA)

Entstand Mitte der 1950er Jahre in München: Max Ophüls' "Lola Montez"

Im Gegensatz zum deutsch-amerikanischen Regisseur George Moorse, den heute nur noch Experten kennen, fallen Drößler dann mit Blick auf die internationale Kinoszene sofort ein paar filmhistorische Schwergewichte ein: "Es gibt drei große Filme, die von ausländischen Regisseuren in München inszeniert worden sind, wo man von München viel sieht."

Drößler nennt den 1955 in der bayerischen Landeshauptstadt gedrehten "Lola Montez" von Max Ophüls, "Angst" von Roberto Rossellini und "Mr. Arkadin" von Orson Welles: "Interessant ist, dass 'Mr. Arkadin' und 'Angst' unmittelbar vor unserer Haustür gedreht wurden, zu einem Zeitpunkt, als es das Filmmuseum noch gar nicht gab." Drößler deutet zum Eingang: "Hier beginnt der Film 'Angst' vor unserer Haustür, da trifft sich Ingrid Bergman mit ihrem Erpresser …".

Berühmte München-Drehorte werden gern besucht

Drößler bekommt oft Besuch aus dem Ausland von Kollegen internationaler Archive und Museen. Die seien immer ganz verblüfft, wenn er von "Mr. Arkadin" erzählt: "Hier in der Nähe wird im Film Zoug (Filmfigur aus "Mr. Arkadin") ermordet. Der Film beginnt ja mit so einer tollen Holztreppen-Szene, die ist hier im Nachbarhaus noch Eins zu Eins erhalten." Die Treppe sei gerade restauriert worden. "Alle Orson Welles-Experten, die mich besuchen, um im Nachlass des Regisseurs zu stöbern, schleppe ich immer rüber." Die würden dann ganz begeistert Fotos machen und gar nicht glauben können, dass sich das Set des Films dort noch befindet.

Stefan Drößler Direktor Münchner Filmmuseum (DW/J. Kürten)

Stefan Drößler, Leiter des Münchner Filmmuseums

Und die Deutschen? München war in den 1960er Jahren mit Beginn des "Neuen Deutschen Films" die eigentliche Filmhauptstadt der Republik. "Der ganze junge, deutsche Film, alle 'Oberhausener' Filmemacher der 1960er Jahre hatten ihre Produktionsfirmen in München, da taucht München in unheimlich vielen Filmen auf", erzählt Drößler und fügt hinzu: "Viel häufiger als Berlin und andere Städte." Es sei überhaupt keine Schwierigkeit, viele München-Filme aufzuzählen: "Das ist ein unheimlich weites Feld!"

Fassbinder hatte eher den Blick für Hinterhöfe und U-Bahnstationen

Und wie war das bei Fassbinder, der zwar kein gebürtiger Münchner war - Fassbinder kam 1945 im bayerischen Bad Wörishofen zur Welt - aber immer wieder nach München kam? "Wir haben eine Retrospektive 'Fassbinders München' gemacht", erinnert sich Drößler, das sei damals aber nicht so einfach gewesen: "Wenn man bei Fassbinder genau hinschaut, dann gibt es da ganz wenige Orte. Fassbinder hat seine Geschichte oft sehr zeitlos inszeniert, hat immer versucht etwas zu abstrahieren, in der Sprache, in den Konstellationen." München sei in den Filmen des Regisseurs immer ziemlich am Rande aufgetaucht: "Das sind Hinterhöfe, man sieht mal einen U-Bahnhof, irgendein Gebäude im Hintergrund."

Rainer Werner Fassbinder Film Filmszene Liebe ist kälter als der Tod mit einem jungen Paar in einem Auto sitzend (picture-alliance/akg-images)

Fassbinders Filme, hier "Liebe ist kälter als der Tod", rücken die Sehenswürdigkeiten der Stadt nicht in den Vordergrund

Fassbinder sei es nicht darum gegangen, dass Leben in München dokumentarisch einzufangen: "Das waren kleine Versatzteile für seine Geschichten, die dann aufblitzen, die er ja eigentlich universal anlegte." Also kein München der Sehenswürdigkeiten? "Ganz und gar nicht", sagt Drößler: "Da ist nicht, wie zum Beispiel in 'Lola Montez', die Frauenkirche als Modell im Studio gebaut worden, um in einer bestimmten Fenster-Perspektive in Erscheinung zu treten, das finden wir bei Fassbinder nicht, das sind nicht die Sehenswürdigkeiten."

Manche Münchner Regisseure suchten das Weite

Und Fassbinders Kollegen? Haben die München als Schauplatz für ihre Filme genutzt? "Natürlich gibt es bei jedem Regisseur einen Film, der auch in München spielt", muss Drößler nicht lange nachdenken, leitet aber direkt hinüber zum Phänomen, dass viele Münchner bzw. in München lebende Regisseure aus der Stadt ausgebrochen sind: "Der Werner Herzog hat sich hauptsächlich exotische Schauplätze ausgesucht, schon bei seinem ersten Film, auch bei seinen Kurzfilmen." Von Herzog gebe es keinen Film, der in der Innenstadt Münchens spielt.

Und Wim Wenders habe zwar in München gedreht, aber dabei immer eher das amerikanische Kino im Kopf gehabt. Drößler erinnert an dessen Einsatz von Musikboxen und amerikanischen Straßenschlitten sowie Autofahrten in den Filmen. "Aber sein Debüt 'Summer in the City' spielt zumindest zur Hälfte in München", so Drößler.

Film Rote Sonne von Rudolf Thome, Szene mit Rainer Langhans und Uschi Obermaier auf Münchner Strasse (picture-alliance/Keystone)

68er-Ikonen Rainer Langhans und Uschi Obermaier in Rudolf Thomes "Rote Sonne"

Dann gebe es noch Filmemacher wie Rudolf Thome, dessen "Rote Sonne" zwar nicht in der Stadt, aber am unweit gelegenen Starnberger See gedreht worden sei. Thomes Film "Detektive" hingegen sei ein echter München-Film: "Da sieht man in Cinemascope-Schwarz-Weiß-Bildern, wie die Charaktere in einem Straßenkreuzer am Karlstor vorbeifahren."

Wenders ging nach Berlin und Düsseldorf

Die Filmstadt München, auch daran erinnert Drößler, sei irgendwann aus der Mode gekommen. "Das war die Tragik der Münchner Filmszene: München hatte eigentlich gute Voraussetzungen in den 1960er Jahren. Da war sie wirklich das Zentrum der Jungfilmer." Diese Rolle habe sie dann aber verloren. Ein Wim Wenders zum Beispiel, der ja eigentlich auch immer Stadtfilme inszeniert habe, hat sich anders orientiert, nach Berlin ("Himmel über Berlin") oder Düsseldorf ("Palermo Shooting"). "Ob  man das nun bedauern muss, ist auch noch die Frage: Es ist ja keine Qualität der Filmemacher, dass man sich nur am Ort aufhält und dann zum Heimatfilmer wird."

Helmut Dietl Regisseur (picture-alliance/dpa)

Münchner Original: Regisseur Helmut Dietl

München, das wird relativ schnell klar im Gespräch mit dem Filmhistoriker, ist auch eine Stadt, in der sich ganz bestimmte Charaktere, denen vielleicht auch etwas Skurriles anhaftete, wohlfühlten. Klaus Lemke zum Beispiel, Herbert Achternbusch oder Helmut Dietl: "Dietls schönsten Filme spielen in München, der hat da sein Universum geschaffen." Weniger Erfolg habe Dietl dann gehabt, als er versuchte, darüber hinauszugehen. "Es ist interessant, dass seine Filme 'Schtonk!' oder 'Rossini' keine Werke gewesen sind, die woanders funktioniert haben." Das seien keine Exportschlager gewesen: "Die haben nur in Deutschland funktioniert und besonders gut hier in München."

München als beliebter Studio-Drehort

Und dann ist München natürlich auch eine Stadt, die von vielen großen ausländischen Regisseuren aufgesucht wurde, um in den Bavaria-Studios zu drehen. Die eigentliche Stadt spielt bei den meisten dieser Filme gar keine Rolle. Drößler zählt auf: "Cabaret" von Bob Fosse (unser Artikelbild) spielt in Berlin, "Berlin Alexanderplatz" wurde in den Bavaria-Studios gedreht - die Studio-Straße des Films hat dann Ingmar Bergman für "Das Schlangenei" benutzt - und Billy Wilder hat hier "Eins, Zwei, Drei" zu Ende gedreht, als er in Berlin nicht mehr drehen konnte.

Auch Robert Aldrich habe hier 1977 "Das Ultimatum" gedreht, Billy Wilder ein Jahr später "Fedora", John Huston habe schon 1962 seinen Film "Freud" in den Studios aufgenommen: "München sieht man diesen Filmen aber nicht an, das sind Studioproduktionen."

Filmszene aus Rollerball von Norman Jewison mit James Caan und Maud Adams (Imago/EntertainmentPictures)

Internationale Großproduktionen wie "Rollerball" mit James Caan und Maud Adams (1975) entstanden in München

Münchner Studios seien auch schon zu Stummfilmzeiten gefragt gewesen, erinnert Drößler und nennt zwei Klassiker: "Wir zeigen hier gerne die beiden großen Stummfilme, die wir restauriert haben 'Nathan der Weise' und 'Helena: Der Untergang Trojas", das ist alles hier in München gedreht worden." Schon früh habe hier der Wunsch bestanden, eine große Filmstadt zu haben - mit einem großen Studio wie in Hollywood oder in Berlin, wo man große, internationale Produktionen stemmen konnte.

Spielberg drehte "München" in Ungarn und auf Malta

So ist München eine Stadt, in der viele berühmte Regisseure aus dem In- und Ausland gedreht haben - genauso wie die bayerische Metropole eine Stadt ist, in der viel inszeniert wurde, ohne dass die Metropole im später fertigen Film zu sehen war.

Einer der berühmtesten München-Filme, "München" von Steven Spielberg, der eine historisch wichtige Episode der Stadtgeschichte erzählt, das Olympia-Attentat von 1972, wurde komplett in Ungarn und auf Malta gedreht.

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