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Afrika

Die Südsudanesen haben die Wahl

Nach über 20 Jahren Bürgerkrieg bestimmen die Südsudanesen nun über die Zukunft ihres Landes. Am 9. Januar findet ein Referendum statt, in dem entschieden werden soll, ob sich der Süden vom Norden abspaltet oder nicht.

Wähler im Südsudan mit Flagge (Foto: DW)

Die meisten Südsudanesen sind für die Abspaltung des Südens vom Norden

Ein neuer Popsong über die Unabhängigkeit des Südsudans hallt aus den Lautsprechern, die auf der Ladefläche eines Kleintransporters festgebunden sind. Eine Autokolonne, geschmückt mit der Flagge des Südsudans, rollt durch die Hauptstadt Juba. Ein Orchester mit Blasmusikern und Trommlern trottet hinterher, Schüler marschieren fahnenschwenkend die Hauptstraße entlang.

Mobilisierung für das Referendum

Thomas Lohima (Foto:DW)

...wie Thomas Lohima haben viele eine weite Reise auf sich genommen um abzustimmen...

Südsudans Regierung mobilisiert die Bevölkerung. Am 9. Januar steht eine wichtige Volksabstimmung an, die über die Zukunft des Sudans entscheidet. Fünf Millionen wahlberechtigte Südsudanesen sind aufgerufen zu entscheiden, ob sich der Süden von der Regierung in der nördlichen Hauptstadt Karthoum lossagt - oder ob er weiter Teil des größten Landes in Afrika bleibt. Am Mittwoch ist nun die zweimonatige Registrierungsphase zu Ende gegangen.

Thomas Lohima ist ein alter, gebrechlicher Mann. Sein krauses Haar und seine Bartstoppeln sind grau. Er stützt sich zitternd auf einen geschnitzten Gehstock. Lohima ist am Morgen von seinem 30 Kilometer entfernten Dorf in die Hauptstadt Juba gereist, um sich für die Volksabstimmung registrieren zu lassen. Jetzt steht er in einem Zelt in Juba, wo er sich in die Wählerliste eingetragen lassen will. Dafür erhält er eine Wählerkarte mit seinem Namen darauf. Da Lohima keinen Personalausweis hat, muss er seinen Namen buchstabieren. Thomas Lohima hat über zwanzig Jahre Bürgerkrieg erlebt. Er hat fünf seiner Söhne im Kampf gegen die Regierungstruppen des Nordsudans verloren und ist jahrelang als Flüchtling im eigenen Land durch die Wüste geirrt. Nach all den Opfern, die er erbringen musste, ist er heute sehr glücklich, an dieser Volksabstimmung teilnehmen zu dürfen. "Wir haben 20 Jahre Krieg hinter uns. Unser Leben lang wurden wir von der Regierung des Nordens unterdrückt und ausgebeutet. Ich bin mir sicher, dass es uns besser geht, wenn wir selbst bestimmen können. Dann wird sich unser Land auch entwickeln", sagt Lohima.

Flüchtlinge kehren in ihre Heimat zurück

Nach der Registrierung taucht der alte Mann seine dünnen Zeigefinger in blaue Tinte. Damit soll verhindert werden, dass sich Menschen ohne Ausweis doppelt registrieren. Ein junger Mann stützt Lohima von der Seite, weil der Alte wackelig auf den Beinen ist. Der junge Mann, Tito Marou, ist eben aus dem Nachbarland Uganda in seine Heimat zurückgekehrt, um sich registrieren zu lassen. In Ugandas Hauptstadt studiert er Chemie, um Arzt zu werden. Auch er hofft auf die Unabhängigkeit. Endlich herrsche kein Krieg mehr im Südsudan, sagt Marou. Viele Südsudanesen, die in Kriegszeiten in die Nachbarländer oder sogar nach Europa, Amerika und Australien geflüchtet sind, kehrten nun zurück, um ihr Land wieder aufzubauen. "Wir haben zwar immer noch Angst davor, dass der Norden einen neuen Krieg startet, wenn wir uns abtrennen. Doch wir hoffen, dass alles friedlich verläuft", sagt Marou und fügt hinzu: "Dann kommen wir Studenten zurück aus den Nachbarländern, um mit unserem gelernten Wissen zur Entwicklung unserer Heimat beizutragen."

Hohe Wahlbeteiligung trotz erschwerter Bedingungen

Wahlhelfer im Südsudan (Foto: DW)

...denn jede Stimme zählt auf dem Weg in eine bessere Zukunft

Auch Tito Marou holt sich an diesem letzten Tag der Registrierung seine Wählerkarte ab. Von rund fünf Millionen Wahlberechtigten haben sich rund drei Millionen Wählerkarten ausstellen lassen. In der Hauptstadt Juba wird dies bereits als kleiner Sieg für die Unabhängigkeit gefeiert. Dennoch, trotz des Ansturms, ist zu bezweifeln, dass die Mehrheit der rund acht Millionen Südsudanesen überhaupt versteht, was dieses Referendum bedeutet und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Die Menschen im Südsudan leben zum Großteil auf dem Land, viele sind Nomaden. 90 Prozent der Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben. Beatrice Khamisa, von der Referendums-Kommission gibt zu, dass es eine große Herausforderung ist, den Menschen zu erklären, für was sie da abstimmen sollen. Doch drei Millionen registrierte Wähler seien mehr als erwartet - ein wirklicher Erfolg.

Die Referendums-Kommission stand von Anfang an vor großen Herausforderungen. Die Menschen sind nicht wirklich aufgeklärt, was ein Referendum ist und was die Unabhängigkeit in der Praxis bedeutet. Sie hatte auch logistische Probleme zu lösen. Ein Beispiel: In dem Bundesland Jongolei regnet es derzeit, die Straßen sind überflutet, man kann sie mit dem Auto nicht mehr passieren. Die Registrierungshelfer mussten mit Hilfe von Trägern die Materialien für die Registrierung in die Dörfer bringen. Die Wählerkarten wurden zum Teil zu Fuß dorthin geschleppt oder mit dem Kanu angeschifft worden. Khamisa ist zufrieden: "Dass es dennoch geklappt hat, zeigt, dass die Menschen zu ihrem Land stehen."

Autorin: Simone Schlindwein

Redaktion: Michaela Paul

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