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Kultur

Die Russen singen!

Und wie sie das tun. Die deutsche Opernlandschaft zieht schon lange Sänger aus der ganzen Welt an. Aber ein russisches Paar ist hier gerade besonders erfolgreich und beliebt: Maria und Dmitry.

"Unsere Arbeit ist unser Leben", sagt Maria Kataeva. Auch ihr Mann, Dmitry Lavrov, kann Arbeit und Freizeit eigentlich nicht trennen: Die Musik dominiert den Alltag der Mezzosopranistin und des Bariton. Sogar kennengelernt haben sie sich in der Oper. Wenn sie gerade tatsächlich mal nicht singen, dann lernen sie Texte auswendig, spielen Klavier oder schwärmen von ihrer neuen Heimat Deutschland. Momentan gebe es für sie kein besseres Land, um sich als Künstler weiter zu entwickeln, so Maria und Dmitry.

Bariton Dmitry Lavrov in der Maske der Deutschen Oper am Rhein (Foto: Olga Kapustina)

Einmal Puder und dann auf die Bühne: Dmitry in der Maske

Dmitry Lavrov hat am Rimski-Korsakow-Konservatorium in St. Petersburg studiert, am berühmten Mariinsky-Theater gesungen und mehrere Wettbewerbe in Russland gewonnen. Vor zwei Jahren wurde er bei einem Casting in St. Petersburg für ein Engagement an der Deutschen Oper am Rhein entdeckt, einem der meist besuchten deutschen Opernhäuser. "Dieses Angebot war interessanter als alles, was ich in Russland bekommen könnte – sowohl beruflich als auch finanziell", sagt der 30-Jährige.

Standing Ovations und internationales Flair

Wie Lavrov kommen viele junge Operntalente aus dem Ausland nach Deutschland. Hierzulande gibt es so viele Opern wie nirgendwo sonst auf der Welt. An 84 Häusern treten regelmäßig fest engagierte Ensembles auf. Mehrere Millionen Zuschauer besuchen jedes Jahr Oper, Operette und Musicals. Doch die Einnahmen vom Ticketverkauf decken die Kosten nicht: Der deutsche Staat steuert jährlich rund 2,1 Milliarden Euro zu.

Maria Kataeva, Sängerin an der Deutschen Oper am Rhein (Foto: Klaudia Taday)

Jung und erfolgreich und, ja, auch noch schön: Maria Kataeva

"Das Publikum ist hier herzlicher als in Russland", sagt Lavrov. "Die Menschen äußern ihre Emotionen viel intensiver." Mehrmals habe er Standing Ovations erlebt und sich wie in einer "Show" gefühlt, lächelt er. Seine Begeisterung für das deutsche Publikum stößt auf Gegenliebe. 2011 gewann er den Emmerich-Smola-Preis, ein Publikumspreis und eine der weltweit höchst dotierten Auszeichnungen für junge Operntalente. Lavrov genießt auch das internationale Flair der Rheinoper in Düsseldorf. Mitarbeiter aus 32 verschiedenen Nationen arbeiten hier. "Das ist sehr praktisch. Wenn ich eine Arie auf Französisch singen muss, kann ich mich nach der richtigen Aussprache direkt bei einem Muttersprachler erkundigen."

Entdecken oder entdeckt werden

Christoph Meyer, Intendant der Rheinoper, fliegt um die ganze Welt auf der Suche nach den besten Stimmen für sein Ensemble, vor allem in Russland, Rumänien oder in den USA wird er fündig. Andere Sänger kommen wiederum selbst ins Düsseldorfer Haus zum Vorsingen. "Dabei spielen Agenturen eine große Rolle. Sie suchen nach den Gesangstalenten und vermitteln diese an die Opernhäuser", sagt Tanja Brill, Sprecherin der Deutschen Oper am Rhein.

Maria Kataeva singt beim Abschlusskonzert Meisterklasse (Foto: Susanne Diesner)

Üben für die große Bühne: Maria beim Abschlusskonzert "Meisterklasse"

Auch Maria Kataeva hat es so geschafft, Dmitrys Frau. 25 Jahre ist sie alt und hat in Russland ebenfalls schon mehrere Wettbewerbe gewonnen. Sie kam zum Vorsingen an die Rheinoper und wurde am hauseigenen Opernstudio aufgenommen. Hier werden junge Talente zwei Jahre lang ausgebildet. Zusammen mit Maria wurden sieben weitere Sänger aus mehr als 100 Kandidaten ausgewählt. "Neben Auftritten in den regulären Vorstellungen haben wir Meisterklassen mit den Opernsängern und Konzertmeistern aus berühmten Häusern wie Covent Garden oder der Berliner Oper", freut sie sich.

Glück im Job - und in der Liebe

Oft stehen die Eheleute Lavrov und Kataeva in Düsseldorf auch gemeinsam auf der Bühne - eine Seltenheit in der Opernwelt. Sie singen französische, deutsche und italienische Arien. In der letzten Saison hatten sie auch einen russischen Romanzen-Abend und waren positiv überrascht über den Zuspruch des deutschen Publikums. "Für Russland gilt das Sprichwort: Der Prophet im eigenen Land ist nichts wert. Viele Sänger, die in Russland momentan berühmt sind, waren zuerst im Ausland erfolgreich", sagt Dmitry.

Da sind die beiden schon auf dem richtigen Weg. Lavrov und Kataeva bekommen bereits Einladungen für Auftritte in Kanada und Norwegen. Sie träumen davon, einmal in der Scala in Mailand und in der Metropolitan Opera in New York zu singen. Wo sie in der Zukunft leben werden, wissen sie nicht. Ihre Heimat sei die Musik, sagen sie.

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