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Wirtschaft

Die Rohre sind schon da

In gut zwei Jahren soll das erste Gas aus Russland durch die Ostseepipeline nach Deutschland strömen. Ein gigantisches Projekt - das Chancen und Risiken mit sich bringt.

Blick in drei leere Stahlrohre.

Stahlrohre für die rund 1200 Kilometer lange Ostsee-Gaspipeline

Die Pipeline soll über den russischen, finnischen, schwedischen, dänischen und deutschen Festlandsockel der Ostsee verlaufen und in der Nähe von Greifswald anlanden. Also direkt in Deutschland. Das bedeutet: mit dem alljährlich wiederkehrenden Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine haben die Deutschen dann nichts mehr zu tun. Doch bei der Ostseepipeline scheiden sich die Geister. Und so vertreten einige die Ansicht: Wenn Deutschland künftig wirklich unabhängiger sein will, ist der Bau der Pipeline die einzige Möglichkeit. Auch Altkanzler Gerhard Schröder denkt so.

Russland als zuverlässiger Partner?

Altbundeskanzler Gerhard Schröder

Altkanzler Schröder ist Aufsichtsratsvorsitzender bei Nord Stream

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist Aufsichtsratsvorsitzender der Betreibergesellschaft Nord Stream. Hinter dem Konsortium stehen der vom russischen Staat kontrollierte Konzern Gazprom, die BASF-Tochter Wintershall, Eon Ruhrgas und die niederländische Gasunie. Russland sei ein Energielieferant auch in Zeiten des Kalten Krieges gewesen, sagt Schröder, und Deutschland habe niemals Probleme mit der Sicherheit der Lieferungen gehabt. Das werde auch in Zukunft so bleiben.

Das ist gut möglich, wenn der sich ständig wiederholende Streit zwischen der Ukraine und Russland künftig im wahrsten Sinne des Wortes umgangen werden kann. Diese Situation macht nach Ansicht von Gerhard Schröder den Bau der Pipeline noch wichtiger. Der Chef von Wintershall, Reinier Zwitserloot, sieht das ähnlich: "Die Pipeline brauchen wir schlicht darum, weil Europa im nächsten Jahrzehnt zu wenig Gas haben wird."

Wichtigster Lieferant bleibt Russland

Da der Gasverbrauch in Europa künftig steigen wird, wird Russland als größter Lieferant gleichzeitig auch der wichtigste bleiben. Und so ist für den Chef von Wintershall, Zwitserloot, auch klar, dass die heutige Infrastruktur durch Polen, durch die Ukraine weiter für die Gaszufuhr nach Deutschland genutzt wird.

Doch gerade aus Polen – und auch aus den baltischen Staaten – kommen immer wieder Bedenken zum Bau der Ostseepipeline. Das Argument: Hängt Westeuropa nicht mehr nur an einer Leitung mit Osteuropa, dann kann Moskau den Osteuropäern nach Lust und Laune den Gashahn auf- und zudrehen. In der Tat ist es so, dass die geplante Strecke an den potenziellen Abnehmern, also an Polen und dem Baltikum vorbeiläuft. Und so wundert es nicht, dass diese Länder das gesamte Projekt als ein Spezialabkommen zwischen Deutschland und Russland kritisieren.

Umweltsorgen in Nordeuropa

Schwäne auf der Ostsee

Schweden befürchtet große Schäden für die Umwelt

Unüberhörbar ist aber auch die Kritik an der Ostseepipeline, die aus Nordeuropa kommt. Dänemark, Finnland und Schweden fürchten gravierende Schäden für die Umwelt. In Schweden sind die Bedenken besonders groß. Stockholm hat bereits mehrfach Änderungen am Verlauf der Pipeline gefordert. Und die müssen erfüllt werden. Schließlich kann die Gasleitung durch die Ostsee nur gebaut werden, wenn Stockholm grünes Licht gibt. Denn die geplante Pipeline verläuft zu einem großen Teil durch schwedisches Hoheitsgewässer. Und die Schweden haben Zeit für die Entscheidung: Sie selbst brauchen schließlich kein Gas, ihre Versorgungssicherheit heißt: Atomenergie und Wasserkraft.

Fazit: Beim Bau der Ostseepipeline liegen Chancen und Risiken dicht beieinander: Sie ist nützlich und sinnvoll für Deutschland. Von künftigen Streitereien zwischen Förder- und Transitland ist man dann nicht mehr betroffen. Aber klar ist auch, dass die Abhängigkeit von russischem Gas für Deutschland noch größer wird.

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