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Musik

Die richtige Harmonie finden - Das Bachfest Leipzig ist eröffnet

Wie hat Bach die Musik von Generationen beeinflusst? Was ist das Geheimnis seiner Harmonien? Diesen Fragen geht das Leipziger Bachfest in diesem Jahr nach - und findet interessante Antworten.

Mit großem Applaus begrüßte das Publikum Gotthold Schwarz beim Eröffnungskonzert in der Leipziger Thomaskirche. Noch rechtzeitig zum Start des Bachfestes hatte der Stadtrat Leipzig seiner Wahl zum neuen Leiter des weltweit bekannten Thomanerchores zugestimmt. Nach dem Konzert wurde der Dirigent mit Standing Ovations gefeiert, denn mit dem Thomanerchor, dem Gewandhausorchester und dem Leipziger Universitätschor hatte er ein fulminates und stimmlich gewaltiges Requiem von Max Reger geboten. "Wir freuen uns, dass wir in Gotthold Schwarz jetzt einen Thomaskantor haben, der den Thomanerchor in enger Zusammenarbeit mit dem Bach-Archiv, der Thomaskirche und dem Gewandhausorchester weiterentwickeln wird", freute sich Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Die Thomaner und das Bachfest

Thomanerchor Leipzig 2016 mit Gotthold Schwarz

Gotthold Schwarz mit den Thomanern

Die gute Zusammenarbeit der Thomaner mit dem Bachfest ist gerade für Vokalaufführungen wichtig. Doch das war nicht immer so: Noch in den 80er Jahren schieden sich die Geister, was die Aufführungspraxis anbelangt. Chor und Orchester waren in der DDR geprägt von der Aufführungstradition des 19. Jahrhunderts. Die Forschung des Bach-Archivs legte dagegen bereits eine historische Aufführungspraxis wie zu Bachs Zeiten nahe.

Heute hat die historische Praxis auch Einzug in Chor und Orchester gehalten, sagt Stefan Altner, Geschäftsführer des Thomanerchors Leipzig. "Bach hatte einen handwerklichen Baukasten, wie man die Metrik einhält oder etwa mit Trillern emotionale Effekte erzielt." Das sei eine Zeitlang in Vergessenheit geraten. "Wir sind heute wieder viel näher an der Bachzeit", sagt Altner. "Die Musik ist dadurch reicher und farbenprächtiger geworden, ohne nur laut zu sein."

Das Geheimnis der Harmonien

Die unterschiedlichen Aufführungspraxen, Interpretationen und Bearbeitungen Bachscher Werke sind in diesem Jahr beim Leipziger Bachfest allerdings gewünscht - sie gehören zum Programm, das unter dem Motto "Geheimnisse der Harmonie" steht.

Thomaskirche Leipzig

In der Thomaskirche war Bach 27 Jahre lang Kantor

Bachs Matthäus-Passion zum Beispiel erklingt in der dreistündigen Originalversion mit dem "Monteverdi Choir" und den "English Baroque Solists" unter John Eliot Gardiner, einem Verfechter der historischen Aufführungspraxis. Doch auch in der Bearbeitung von Felix Mendelssohn Bartoldy von 1829 ist sie zu hören: eine wesentlich kürzere Fassung mit weit größerem Chor und Orchester als zu Bachs Zeiten. Egal, wie man mit Bachs Musik umgehe, Bach bleibe immer Bach, meint John Eliot Gardiner: "Ob auf Synthesizer, mit einem Chor und Orchester des 19. Jahrhunderts oder auf historischen Instrumenten. Bach setzt sich immer durch."

Bach-Partitur für 1,98 Millionen Euro

Ein Jahr ist John Eliot Gardiner jetzt schon Präsident des Bach-Archivs, das das Bachfest ausrichtet. Im letzten Jahr konnte er das Publikum damit überraschen, dass er ein berühmtes authentisches Porträt des Komponisten Johann Sebastian Bach aus den USA nach Deutschland zurückholte. Bach hatte dem Maler Gottlob Haussmann 1748 Modell gestanden.

Eines der beruehmtesten Portraets des Komponisten Johann Sebastian Bach

2015 konnte John Eliot Gardiner das berühmte Bach Portrait zurück nach Leipzig holen

Dieses Mal liegt Gardiner die autografe Partitur der Kantate "Oh Ewigkeit, du Donnerwort" (BWV 20), die auch beim Eröffnungskonzert gesungen wurde, am Herzen. "Die Reise des Bildes ist Symbol für die Internationalität Bachs", meint er. Auch die Partitur schlummerte lange in den USA und ist jetzt Teil einer Sammlung in Basel. Sie wäre für 1,98 Millionen Euro zu haben. "Die Kantate ist eine der großartigsten Bachkantaten und auch eine meiner Lieblingskantaten", bekennt Gardiner. Doch noch sei das Geld nicht vorhanden.

Bachs Kantaten werden in diesem Jahr besonders gewürdigt. Allein in seinem ersten Amtsjahr 1773 schrieb Bach jede Woche eine neue Kantate. Von diesen 60 Kantaten werden innerhalb der nächsten Woche 23 aufgeführt, 10 davon an einem speziellen "Kantatentag". "Wie Bach die Musik der Sänger und Instrumentalisten kunstvoll und klug mischt, das ist für mich großartig", schwärmt John Eliot Gardiner. Nicht nur er, auch viele Komponisten des 19. Und 20. Jahrhunderts bewunderten Bachs Virtuosität und Stimmführung.

John Eliot Gardiner, Dirigent

Der Dirigent John Eliot Gardiner vertritt die historische Aufführungspraxis

Zu den Bewunderern gehört auch der Komponist und Leipziger Universitätsdirektor Max Reger. "Alles, alles verdanke ich Bach", schrieb er einst. Reger hat viele Werke von Bach bearbeitet, unter anderem die sechs Brandenburgischen Konzerte und mehrere Klavierkonzerte. Anlässlich des 100. Todestages von Max Reger sind seine Bearbeitungen und seine eigenen Kompositionen ein Programmschwerpunkt bei diesem Bachfest.

Bach ist Musik für die Welt

Allein in Deutschland gibt es 30 Bachfeste. Der Reiz am Leipziger Bachfest sind neben prominenten Interpreten die Originalschauplätze. Schließlich war Johann Sebastian Bach hier 27 Jahre lang Thomaskantor. Das lockt immer mehr Gäste nicht nur aus Europa, sondern auch aus Übersee an, sagt Oberbürgermeister Brukhard Jung. "Die USA sind ganz stark vertreten, dann Australien, Japan und Kanada. Bach ist Musik für die Welt, das spürt man sehr deutlich."

Auch in diesem Jahr rechnet das Bachfest wieder mit 75.000 Besuchern. Neben den klassischen Höhepunkten gibt es populäre Open-Air-Konzerte, etwa mit dem Orgelvirtuosen Cameron Carenter. Der Echo-Preisträger spielt auf dem Leipziger Marktplatz auf seiner elektrischen "Touring Orgel" ohne Pfeifen, dafür aber mit zehn Lautsprechern und acht Bassboxen. Jazz mit Posaunist Nils Landgren, Weltmusik und ein Multimedia-Musiktheater "Ach Bach" für Kinder bereichern außerdem das Programm.

Dirigent Gotthold Schwarz

Gotthold Schwarz war bereits öfter Interimskantor der Thomaskirche

Nicht nur Thomaskantor Gotthold Schwarz ist neu benannt. Auch der Intendant des Bachfestes Alexander Steinhilber und der Dramaturg Michael Maul traten ihr Amt erst in diesem Jahr an. Sie bereiten schon längst das Bachfest 2017 vor. Dann wird es um den Kirchenreformator Martin Luther gehen - und um seine Lieder und Texte, die Johann Sebastian Bach beeinflusst haben. Bis zum 19. Juni geht es jetzt aber erst einmal darum, 114 Veranstaltungen über die Bühne zu bringen.

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