1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Bildung

Die Retter in der Wohnungsnot

Zimmer frei und einziehen - so einfach ist es selten. Ausländische Studierende müssen oft lange suchen, bis sie eine Wohnung finden. Damit sich das ändert, haben Studenten die Initiative "Plug and Study" gegründet.

Anzeigen und Internetforen nach einer Wohnung durchforsten, telefonieren, besichtigen, mit dem Vermieter verhandeln - was viele Studenten zur Verzweiflung bringt, hat Eva Velasco Pérez zu ihrem Beruf gemacht. Seit über zwei Jahren ist sie in Köln unterwegs, um günstigen Wohnraum zu finden, zu mieten und an ausländische Studierende zu vermieten. Ein Fulltimejob, der seinen Anfang ausgerechnet im fernen Shanghai nahm.

Dort nämlich diskutierte Eva Velasco Ende 2008 während eines Auslandspraktikums mit dem BWL-Studenten Max Scharpenack über die schwierige Wohnungssituation in der chinesischen Metropole. "Ich musste die ersten Wochen im Hostel wohnen, weil ich kein Zimmer fand“, erzählt die 26-jährige Deutsch-Spanierin. Über einen anderen Praktikanten aus den USA lernte sie schließlich eine chinesische Familie kennen, die ihr ein Zimmer anbot. Dafür sollte sie den Kindern Englischunterricht geben. Auch ihr Kommilitone Max hatte sein Zimmer nur mit der Hilfe eines anderen Studenten gefunden.

Keine Sprach- und Bürokratieprobleme

Die Gründer der Kölner Studenteninitiative Plug and Study, Max Scharpenack und Eva Valesco Pérez, die Wohnungen mietet und gezielt an ausländische Studierende vermietet. Copyright: Plug and Study

Max Scharpenack und Eva Velasco Pérez

"Wir sind beide keine ängstlichen Menschen, aber die Wohnungssuche hat uns sehr belastet“, so Eva Velasco. "Dabei ist uns aufgefallen, dass es vielen ausländischen Studierenden in Deutschland ebenso geht.“ Schnell war die Idee geboren, an Max' Studienort in Köln Zimmer an Praktikanten und Studenten aus dem Ausland zu vermieten - ohne Sprach- und Bürokratieprobleme. Immerhin sprechen die beiden Studenten fließend Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Chinesisch. Zurück in Deutschland, gründeten sie Ende 2009 ihre Mini GmbH "Plug & Study". Der Name spielt auf das von Computern bekannte "Plug & Play"-System an: neue Hardware anschließen und gleich loslegen ohne komplizierte Installationen.

Inzwischen vermietet "Plug & Study" 38 Zimmer, die sich in Zentrums- und Uni-Nähe befinden. Über 100 Studenten und Praktikanten aus aller Welt haben dort bereits gewohnt. Jeweils drei bis vier Mieter teilen sich eine Wohnung. Sie bleiben zwischen zwei Monaten und einem Jahr in den möblierten Zimmern. Für die unkomplizierte Vermittlung verlangt "Plug & Study" einen Aufschlag von bis zu 30 Prozent auf die Miete. Trotzdem seien die Wohnungen oft günstiger als auf dem regulären privaten Wohnungsmarkt, sagt Eva Velasco.

Mitbewohner aus aller Welt

Die Kölner Studenteninitiative Plug and Study mietet Wohnungen, die sie gezielt an ausländische Studierende vermietet. Das Bild zeigt ein Studentenzimmer am Lichhof in der Nähe vom Kölner Neumarkt Copyright: Plug and Study

Typisches Studentenzimmer

"Für viele Studenten sind wir der rettende Engel in der Wohnungsnot", erzählt die 26-jährige Geschäftsführerin. "Sie stellen sich bei zahlreichen Vermietern und in studentischen Wohngemeinschaften vor, aber niemand möchte ihnen für die kurze Zeit, die sie in Deutschland sind, ein Zimmer vermieten." Da die Plätze in Studentenwohnheimen rar sind, bleibe ihnen nichts anderes übrig, als in Pensionen zu wohnen oder überteuerte Mieten für private Zimmer zu zahlen. "Es ist eine große Entlastung, wenn es sofort mit der geeigneten Unterkunft klappt." Daher kooperiert "Plug & Study" inzwischen mit der Kölner Universität und verschiedenen großen Unternehmen, die regelmäßig Praktikanten aus dem Ausland beschäftigen.

Einer von ihnen ist der 19-jährige Thailänder Daycha Los. Er kam 2011 für vier Monate nach Köln und wohnte bis Ende des Jahres in einer Wohngemeinschaft von "Plug & Study". "Ich wollte auf jeden Fall ein möbliertes Zimmer", erzählt Los. "Denn es wäre unsinnig gewesen, für die kurze Zeit noch eine Einrichtung zu kaufen." Die Wohnung teilte sich der Praktikant mit zwei jungen Männern und einer Frau, alle zwischen 19 und 27 Jahre alt. "Ich fand es schön, Mitbewohner aus aller Welt zu haben, so war es abends und am Wochenende nie langweilig für mich." Daycha Los wäre gerne in Köln geblieben, doch er fand keinen Studienplatz. Jetzt studiert er Mediendesign in Belgien.

Gute Nachbarschaft zu Kölnern

Die Kölner Studenteninitiative Plug and Study mietet Wohnungen, die sie gezielt an ausländische Studierende vermietet. Das Gruppenbild zeigt drei internationalen Mieter am einer Wohnung am Lichhof in der Nähe vom Kölner Neumarkt Copyright: Plug and Study

Ausländische Studierende in ihrer Küche

Ähnlich positiv äußern sich auch andere Studenten und Praktikanten. "Alle finden es spannend, mit jungen Leuten aus anderen Ländern zusammenzuleben", sagt Eva Velasco. Bislang habe es nur selten Probleme etwa wegen unterschiedlicher Sauberkeitsvorstellungen oder Musiklautstärken in den WGs gegeben. Auch die Nachbarn äußerten sich durchweg positiv. "Viele finden die ausländischen Studenten sehr freundlich und nett."

Weil ihr der Job bei "Plug & Study" so viel Spaß macht, hat Eva Velasco ihre eigenen Studienpläne vorerst aufgeschoben. Eigentlich wollte sie noch ihren Master in "European Studies“ machen. Doch nun hat sie sich zunächst mal andere Ziele gesetzt. "In den nächsten Jahren möchten wir zum größten Anbieter möblierter Wohnfläche für junge Leute aus dem Ausland werden.“


Autorin: Sabine Damaschke
Redaktion: Gaby Reucher

WWW-Links