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Kultur

Die Renaissance des Weihrauchs

Bereits vor 3500 Jahren beschrieben die Ägypter die heilende Wirkung von Weihrauch. Doch auch die moderne Medizin entdeckt den Rohstoff zunehmend für sich. Nur die Pharmaindustrie ist bisher zurückhaltend.

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Weihrauchbäume im Oman

Die Anfänge der Weihrauchstraße im 10. Jahrhundert vor Christus sind eng mit der biblischen Geschichte verbunden - unter anderem mit der Legende der äthiopischen Königin Saba und des Königs Salomon. Weihrauch war neben Gold und Myrrhe auch eine der drei Gaben, die die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland Jesus an die Krippe brachten. Das begehrteste Handelsgut der antiken Welt wurde damals auf Kamelrücken aus Ostafrika, Indien und Südarabien an die wichtigsten Handelsplätze am Mittelmeer gebracht.

Katholischer Priester mit Weihrauch

Weihrauch - nicht nur gut für die Seele

Auch heute ist Weihrauch wieder ein begehrter Rohstoff. Eines der wichtigsten Erzeugerländer ist Äthiopien. Dort werden die Weihrauchbäume angepflanzt, aus dessen Harz der Rohstoff gewonnen wird. "Wenn man dem Baum eine Wunde zufügt, dann produziert dieser Harz, das an der Oberfläche austritt. Bei hohen Temperaturen trocknet das Harz schnell und man kann dann Weihrauchkörner absammeln", erklärt Kindeya Gebrehiwot, Juniorprofessor für Forstökologie an der Universität in Mekelle in Nordäthiopien, den Vorgang zur Gewinnung.

Gefährliche Überwirtschaftung

Die 22 Arten Weihrauchbäume sind in Ostafrika, Südarabien und Indien beheimatet und gehören zur Gattung Boswellia. In Äthiopien sind fünf Arten verbreitet. Vorteilhaft ist, dass die Weihrauchbäume in steinigen, regenarmen Gebieten des Tieflandes gedeihen, wo andere Bäume nicht wachsen können. Sie bieten den dort lebenden Bauern eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit. Doch mit stetig wachsender Bevölkerung und Nutztierbeständen verschärft sich der Interessenkonflikt zwischen Mensch und Natur. Es kommt zur Überbewirtschaftung der 40 bis 50 Jahre alten Baumbestände. Und Jungpflanzen können nicht nachwachsen. Kindeya Gebrehiwot befürchtet, dass die Bäume in 15 bis 20 Jahren ausgestorben sein werden, sollte die Ausbeutung sich in diesem Maße fortsetzen.

Der Raubbau erklärt sich dadurch, dass erst der dritte Schnitt in die Baumrinde die gewünschte helle Exportqualität der Weihrauchkörner bringt. Darüber hinaus werden die notwendigen Schonzeiten der Bäume immer mehr verkürzt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, arbeitet die Universität Mekelle beispielsweise mit der belgischen Katholischen Universität in Loewen und mit der deutschen Universität in Göttingen zusammen. Ziel dabei ist die Vergrößerung der Boswellia-Waldbestände durch eine natürliche Regenerierung von Anbaugebieten. Unter anderem werden mittlerweile Gebiete mit Jungpflanzen umzäunt, um sie vor Fraßschäden durch Nutzvieh zu schützen. Auch schnelle Methoden zur Vervielfältigung der Ableger werden getestet.

Äthiopien exportiert 1.500 Tonnen jährlich

Als einer der größten Weihrauchexporteure weltweit führte Äthiopien in den vergangen Jahren durchschnittlich 1.500 Tonnen Weihrauch aus. Ebensoviel wird jedes Jahr vor Ort bei Kaffeezeremonien, in Kirchen und zur Vertreibung von Insekten verbraucht. Doch damit sind die Anwendungsmöglichkeiten bei weitem nicht erschöpft.

Die Inder setzen Weihrauchextrakte schon seit 3000 Jahren bei chronischen Entzündungen wie Bronchitis und Arthritis ein. Die alten Ägypter bei Rheumaleiden. In der deutschen Klostermedizin wurde er von Hildegard von Bingen im 11. Jahrhundert bei Schwerhörigkeit und Tinnitus eingesetzt. 1991 gelang es der Universität Tübingen, den genauen Nachweis des Wirkungsprinzips der Boswelliasäuren zu führen. Es wurden unter anderem antibakterielle, schmerzstillende und Tumor hemmende Wirkungen des indischen Boswellia serrata nachgewiesen.

Kostbares Gut

Für die Boswellia-Arten Afrikas lassen sich ähnliche therapeutische Möglichkeiten erhoffen. Die wollen sich jetzt auch deutsche Mediziner zunutze machen, zum Beispiel bei der Behandlung von Rheuma, der chronischen Darmerkrankung Morbus Crohn oder bei der Wundheilung. Bei all diesen Möglichkeiten habe es ihm manchmal wehgetan zu sehen, wie dieses kostbare Gut in der Kirche verbrannt wurde, sagt Henning Gerhard, Arzt für Innere Medizin an der Universitätsklinik Mannheim, der seit über zehn Jahren mit Boswellia serrata therapiert.

Neben vielen weiteren Wirkungsbereichen hebt Gerhardt besonders den Aspekt der guten Verträglichkeit bei einer Dauertherapie hervor. Deutsche Wissenschaftler unterstützen weitere Arzneimitteluntersuchungen von Weihrauch, da sie neue Wege zur Behandlung schwerster entzündlicher Krankheiten eröffnen können. Bisher können Boswellia-Präparate nur auf ärztliches Rezept importiert werden. Gerhardt setzt sich allerdings für eine Zulassung auch in Deutschland ein. Bisher zeigt die Pharmaindustrie jedoch nur gedämpftes Interesse.

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