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Kultur

Die Reise geht nach Istanbul

Bis zum Schluss lieferten sich die Kandidaten des Grand-Prix-Schlagerwettbewerbs im lettischen Riga ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Schließlich gewann die türkische Sängerin Sertab Erener. In ihrer Heimat ist man begeistert.

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Handküsse für ihre Fans: Grand-Prix-Siegerin Sertab Erener

Mit der Stimme Sloweniens, dem letzten der 26 Kandidaten beim Grand-Prix-Schlagerwettbewerb im lettischen Riga, stand die Überraschung fest: Die in ihrer Heimat äußerst populäre Sängerin Sertab Erener holte den Musik-Preis mit ihrem Weltmusik-Song "Everyway that I can" am Samstagabend (24. Mai 2003) zum ersten Mal in die Türkei. Für den Favoriten, die russische Mädchenband t.A.T.u., reichte es hingegen nur zum dritten Platz. Nach dem Debakel vom vergangenen Jahr, als Deutschland auf dem viertletzten Platz gelandet war, erreichte die deutsche Bewerberin Lou mit ihrem Lied "Let's get happy" von Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel mit dem zwölften Platz das Mittelfeld.

In der Türkei ein Superstar

Bis zum Schluss lieferten sich die Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die ersten Plätze. Erener, die zum ersten Mal einen türkischen Beitrag auf Englisch sang, war im Vorfeld zwar unter den Favoriten gehandelt worden, doch mit einem Sieg hatte niemand gerechnet. Dabei ist die 39-jährige ausgebildete Sängerin im eigenen Land mit rund vier Millionen verkauften Alben ein Superstar. Auch außerhalb der Türkei fiel sie durch Duette unter anderem mit José Carreras und Ricky Martin auf. Die sichtlich bewegte Sängerin lud nach der Preisverleihung in die Türkei zum Schlagerwettbewerb im kommenden Jahr ein.

Geradezu ekstatisch reagierte die türkische Presse am Sonntag auf den Erfolg: "Danke Sertab" titelte das Massenblatt "Hürriyet", während die liberale Tageszeitung "Milliyet" triumphierend schrieb: "Nach 28 Jahren hat Sertab es geschafft." 1975 hatte die Türkei zum ersten Mal einen Vertreter zu dem Wettbewerb entsandt. Präsident Necdet Sezer und Regierungschef Recep Tayyip Erdogan ließen es sich nicht nehmen, der Sängerin Gratulationsbotschaften zuzuschicken.

Leicht lustlose Teenager

Das vor allem wegen seiner lesbisch-erotischen Auftritte und seiner Chart-Erfolge hoch gehandelte Duo t.A.T.u. sorgte bis zuletzt für Schlagzeilen, weil Yulia selbst der Generalprobe ferngeblieben war. Doch statt Skandalnudeln präsentierten sich am Abend zwei reichlich normale und möglicherweise auch leicht lustlose Teenager in Jeans und weißem T-Shirt mit selbstbewussten Aufdruck "1" mit ihrem auf Russisch vorgetragenen Lied: "Glaube nicht, habe keine Angst, frage nicht".

Knapp auf dem zweiten Platz landete die belgische Folkband Urban Trad mit dem in einer Fantasiesprache vorgetragenen Lied "Sanomi". In Belgien hatte es immer wieder Streit gegeben, ob der Bewerber in Französisch oder Flämisch singt. Der keltisch angehauchte Song "Sanomi" erhielt 165 Punkte und damit nur zwei Punkte weniger als die Siegerin Erener.

Steirisch geknödelter Nonsens-Song

Die aus der Nähe von Mannheim stammende 39-jährige Lou landete wie erwartet mit dem eher klassischen, aber strahlend vorgetragenen Lied auf einem achtbaren Platz im Mittelfeld, nicht zuletzt dank Island, Russland und Schweden, die Lou großzügig mit acht, sieben und zehn Punkten versahen. Überraschender war der sechste Platz für den Österreicher Alf Poier. Ganz in der Tradition von Guildo Horn und Stefan Raab knödelte sich der 36-jährige Komiker auf Steirisch durch seinen Nonsens-Song "Weil der Mensch zählt", unterbrochen von Rockeinlagen und einer Bühnenshow a la Mick Jagger. Weit abgeschlagen dagegen Großbritannien, dessen Duo "Jemini" dank ungewollt schräger Töne nicht einmal einen Punkt für sich verbuchen konnte, und Gastgeber Lettland mit der Gruppe F.L.Y..

Dabei hatte sich Lettland beim 48. Eurovision Song Contest als besonders einfallsreicher Gastgeber erwiesen. Vor den rund 6000 Zuschauern in der Skonto-Halle und den 100 Millionen Zuschauern vor den Bildschirmen erstrahlte die als galaktischer Sternenhimmel samt Milchstraße gestaltete Bühne immer wieder in neuen Farben, während unter den Füßen der Bewerber immer neue Filme von Vulkanen, Meeren oder Disco-Flimmer abspulten. Die Kandidaten warteten dann auf Wolkensofas auf die Entscheidung. (afp)

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