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Musik

Die Reibeisen-Stimme: Joe Cocker

Die Musikwelt trauert um Joe Cocker. Mit "With A Little Help From My Friends" kam er 1968 groß raus. Drogen und Alkohol warfen ihn aus der Bahn, doch er schaffte ein Comeback. Gegen den Krebs war er am Ende machtlos.

Er gehörte zu den ganz Großen der Popmusik. Seine tiefe, rauchige Stimme und seine Bühnenperformance mit den charakteristischen Zappelbewegungen machten ihn unverwechselbar. Der britische Rock- und Blues-Sänger Joe Cocker ist in West Riding of Yorkshire im US-Bundesstaat Colorado gestorben. Cocker wurde 70 Jahre alt. Er erlag seinem Lungenkrebs, an dem er bereits lange Jahre litt.

"Einer der besten Rocksänger aller Zeiten"

"Er war ohne Zweifel die größte Rock- und Soulstimme, die Großbritannien je hervorbrachte", schrieb Cockers Agent in einer Mitteilung. "Niemand, der ihn jemals live erlebt hat, wird ihn jemals vergessen." Prominente Kollegen zeigten sich bestürzt: "Ruhe in Frieden, mein guter Freund", schrieb etwa der kanadische Musiker Bryan Adams beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Du warst einer der besten Rocksänger aller Zeiten."

Ex-Beatle Ringo Starr trauerte ebenfalls: "Goodbye und Gottes Segen für Joe Cocker von einem seiner Freunde. Friede und Liebe", ließ er über Twitter verlauten. Starrs ehemaliger Bandkollege Paul McCartney sagte dem Sender iTV zufolge: "Er war ein toller Kerl, ein großartiger Kerl, der der Welt so viel gebracht hat, und wir werden ihn alle vermissen."

Karrierebeginn mit Urschrei

Cockers internationale Karriere begann 1968 mit einem Urschrei: Im Song "With A Little Help From My Friends" gab er einen vokalen Kraftakt, der in die Geschichte der Rockmusik einging. Die Single kam in Großbritannien auf Platz Eins der Hitparade und wurde auch in vielen anderen Ländern zum Hit. Der Originalsong stammt vom 1967 veröffentlichten "Sgt. Pepper's"-Album der Beatles. Er wurde aber nicht als Single veröffentlicht und daher auch lange nicht so berühmt und erfolgreich wie die Version von Joe Cocker. Die Chefs der Schallplattenfirma, die Joe Cocker damals unter Vertrag genommen hatten, waren von ihrem neuen Künstler sehr überzeugt.

Sie steckten viel Geld in Cockers Debütalbum, das wie die Single "With A Little Help From My Friends" hieß. Viele berühmte Künstler waren für die Aufnahmearbeit als Gastmusiker engagiert worden - darunter Steve Winwood und Jimmy Page, zwei Musiker, die man heute mit Bands wie "Yardbirds", "Led Zeppelin", "Traffic" oder der "Spencer Davis Group" in Verbindung bringt.

Mit Woodstock zu Weltruhm

Nachdem Joe Cocker in Europa alle Erwartungen übertroffen hatte, schickte man den 24-jährigen Sänger 1969 in die USA. Dort sollte er auch das amerikanische Publikum für sich gewinnen. Während seiner US-Tournee war ein Auftritt beim legendären "Woodstock Festival" eingeplant. Am frühen Nachmittag des 17. August, ein Sonntag und der dritte Tag des Festivals, betrat Joe Cocker mit seiner Begleitgruppe "Grease Band" die Bühne. Knapp 90 Minuten dauerte sein Auftritt, dann setzte ein so heftiges Gewitter ein, dass die gesamte Veranstaltung für drei Stunden unterbrochen werden musste.

Joe Cocker hatte seinen Auftritt optimal nutzen können. Mit seiner kraftvollen Reibeisenstimme, seiner ungelenk wirkenden Bühnengestik und seinem berühmten Urschrei hatte er das Publikum begeistern - und sich als eine der Hauptattraktionen von Woodstock auszeichnen können. Doch nicht nur das. Während seines Aufenthaltes in den USA wurde der Musiker aus England in verschiedene TV-Sendungen eingeladen. Auch in der populären Ed Sullivan-Show trat er auf. So konnte sich Cocker Millionen von Fernsehzuschauern in den USA präsentieren. Der Mann aus Sheffield war auf dem Weg zum Weltstar.

Aus einfachen Verhältnissen

Für den jungen Musiker, der am 20. Mai 1944 in der Industriestadt Sheffield in der britischen Grafschaft South Yorkshire geboren und in einfachen Verhältnissen aufgewachsen war, ging ein langgehegter Traum in Erfüllung. Schon mit zwölf Jahren hatte er in der Skiffle-Band seines Bruders Victor seinen ersten Auftritt gehabt. Mit sechzehn hatte Joe Cocker dann seine eigene Gruppe "Cavaliers" gegründet. Tagsüber absolvierte der Teenager damals eine Lehre als Gasinstallateur, abends stand er mit seiner Band auf der Bühne.

1964 hatte er endlich seine erste Single aufgenommen. "I'll Cry Instead" war die Coverversion eines "Beatles"-Songs. Doch das Stück brachte ihm nicht den erhofften Durchbruch. Auch sein nächstes Projekt, "Vance Arnold And The Avengers", war nicht von Erfolg gekrönt. 1966 hängte er den Installateur-Beruf an den Nagel und gründete "The Grease Band". Das Blatt wendete sich, als Joe Cocker in die Musikmetropole London ging und 1968, mit einem professionellen Management und neuen Musikern, seine erste Langspielplatte aufnahm.

Vom Erfolg in den freien Fall

Durch den großen Erfolg des Albums und der Single "With A Little Help From My Friends" und die anschließenden erfolgreichen Konzerte angespornt, gerieten Joe Cockers Manager geradezu in Goldgräberstimmung. Während der Sänger dringend eine Pause gebraucht hätte, hetzten sie ihn weltweit von Auftritt zu Auftritt. Schallplatten wurden wie am Fließband aufgenommen. Cocker war vertraglich gebunden und musste alle Termine wahrnehmen.

Bis Mitte der 1970er wurde der Künstler regelrecht verheizt, bis er schließlich am Ende seiner Kräfte war. Er wurde depressiv, betäubte sich und seine seelischen Probleme immer öfter mit Alkohol und Drogen. Zwar war er mit Alben wie "I Can Stand A Little Rain" und mit Singles wie "You Are So Beautiful" immer noch sehr erfolgreich, doch auf der Konzertbühne war der oft alkoholisierte Sänger kaum noch zu ertragen. Joe Cockers Karriere befand sich im freien Fall.

Reißleine und Comeback

Völlig erschöpft gibt Joe Cocker mit Bart und langen Haaren seinen legendären Auftritt beim Woodstock Festival 1969 (Foto: Mary Evans Picture Library)

1969: Legendärer Auftritt in Woodstock

Der Musikmanager Michael Lang zog für Joe Cocker die Reißleine. Er nahm den Musiker unter seine Fittiche und wagte mit ihm Anfang der 1980er-Jahre einen Neustart. Zur Bedingung hatte er allerdings absolute Drogen- und Alkoholabstinenz gemacht. Cocker bewies Willensstärke und schaffte es, sein Leben und seine Laufbahn in den Griff zu bekommen. Erfolgreiche Tourneen waren der Anfang. Die Single "Up Where We Belong", die er gemeinsam mit Jennifer Warnes aufgenommen hatte, markierte 1982 den endgültigen Wendepunkt zum erfolgreichen Comeback.

Seitdem mischte Joe Cocker wieder in der ersten Reihe der internationalen Musikerriege mit, landet durch den Film "9 1/2 Wochen" mit "You Can Leave Your Hat On" einen Riesenhit und veröffentlichte in regelmäßigen Abständen neue Alben, die sich am besten in Deutschland verkauften. Hier lebt seine größte Fangemeinde. Er selbst fand 1978 in Kalifornien seine neue Heimat. Dort wohnte Joe Cocker mit seiner Frau, mit der er seit 1987 verheiratet ist, auf einer abgelegenen Farm. Über seine kraftvolle Stimme verfügte Joe Cocker auch im Rentenalter noch. Und auch für seinen markanten Urschrei hatte der Sänger noch genügend Luft, wie er 2013 bei seiner "Fire It Up"-Tournee unter Beweis stellen konnte.

Gegen den Krebs hat Joe Cocker den Kampf am Ende nicht gewinnen können.

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