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Alltagsdeutsch – Podcast

Die Region der Weltmarktführer

Deutsche Unternehmen wie Würth, Huber, Klafs, Stahl haben weltweit einen Namen. Sie haben – zusammen mit vielen weiteren Weltmarktführern – ihren Sitz in einer Region Baden-Württembergs: in Heilbronn-Franken.

Sprecher:
Die Region Heilbronn-Franken im Bundesland Baden-Württemberg ist eine touristische Attraktion: Burgen und Schlösser schmücken die grünen Weinberge. Niemand würde vermuten, dass hier zwischen den Flüssen Neckar und Main nördlich von Stuttgart auch rund 80 führende deutsche Wirtschaftsunternehmen sowie noch hunderte andere Unternehmen ansässig sind, die in der obersten Liga auf dem Weltmarkt mitspielen. Gerade die etwas versteckte Lage wurde der Region zum Vorteil, meint Unternehmensberater Steffen Schoch, der früher Geschäftsführer der Gesellschaft „Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken“ war.

Steffen Schoch:
„In der Nachkriegszeit kamen viele Unternehmen aus den ausgebombten Zentren – München, Stuttgart, Berlin, Frankfurt – in unsere Region, weil in den Großstädten halt meist die Infrastruktur nicht funktioniert[e]. Hier auf’m Land konnte man selbst mit anpacken und das aufbauen und konnte sich dann fernab des Trubels dann auch am Markt etablieren.“

Sprecher:
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die Region eine Art Zuflucht für viele Unternehmen aus den Großstädten. Diese waren durch Bomben zerstört, die Infrastruktur, das Transport- und Versorgungswesen, funktionierte nicht mehr. Außerhalb, auf dem Land, sah es etwas anders aus. Dort konnte jeder selbst mit anpacken, um etwas Neues nach den eigenen Vorstellungen aufzubauen – weit entfernt vom Durcheinander, vom Trubel, in den Städten. Nach und nach fanden die Unternehmen ihre Kundschaft, sie konnten sich am Markt etablieren. Mit der Umsiedlung von der Stadt aufs Land ging ein Strukturwandel der Region einher. Die Landwirtschaft verlor zunehmend an Bedeutung. Die Industriefirmen fanden in den Bauern zuverlässige und qualifizierte Arbeitskräfte, die später wiederum ihre eigenen Unternehmen gründeten. Steffen Schoch sieht in der landwirtschaftlichen Prägung einen wichtigen Faktor für den Erfolg der Region:

Steffen Schoch:
„Der Landwirt musste auch handwerklich begabt sein, der musste mit Metall umgehen können, wenn sein Pflug, seine landwirtschaftlichen Geräte kaputt waren. Der musste schweißen, der musste schmieden können und auch dieses Geschick in der Technik, im Umgang mit Materialien, mit Produkten, hat sich wohl dann bis heute auch in der Industrie bei den erfolgreichen Unternehmen festgesetzt.“

Sprecher:
Die Leidenschaft für Technik, das mache den Menschentypus hier aus und auch den Erfolg der Unternehmen, sagt Steffen Schoch. Denn die Bauern mussten ihre Geräte, wie zum Beispiel einen Pflug zum Auflockern des Bodens, selbst reparieren können. Diese handwerkliche Fähigkeit, dieses Geschick, konnten sie in ihren Unternehmen gut umsetzen. Erfolg am Weltmarkt haben die Firmen aus der Region Heilbronn-Franken aus einem besonderen Grund:

Steffen Schoch:
„Dass sie nicht mit ’ner Vielzahl von Produkten und über Masse und Preis an den Markt gehen, sondern sich ihre Nische suchen und dort auch ’ne globale Marktführerschaft von Beginn an mit anstreben.“

Sprecher:
Die Firmen gingen – wie Steffen Schoch sagt – nicht über Masse. Sie produzierten nicht viele Waren in hoher Stückzahl, sondern suchten sich bewusst eine Nische, einen Bereich, der noch nicht besetzt war. Und mit sogenannten Nischenprodukten, Waren, die nicht jeder produziert, konnten und können sie sich auf dem Weltmarkt etablieren und sogar die Marktführerschaft übernehmen. Zu solchen Nischenprodukten gehören zum Beispiel ein Zapfhahn, mit dem sich Bier von oben zapfen lässt, oder Produkte zum Explosionsschutz. Hier gilt die Firma Stahl in Waldenburg als Marktführer. Um den Vorsprung zu halten, investiert das Unternehmen zusammen mit anderen in der Region sehr stark in die Ausbildung. Wie man vorgeht, sagt Vorstandschef Martin Schomaker:

Martin Schomaker:
„Technologieverständnis wecken und die jungen Menschen dazu begeistern, später technische Berufe zu ergreifen. Und diese technische Prägung unserer Ausbildung und an unseren Schulen hier in der Region ist eine wichtige Basis für diese Stärke der Unternehmen.“

Sprecher:
Heilbronn-Franken ist stark durch Technologiefirmen geprägt, es ist ein typisches Merkmal der Region. Weil diese Firmen auf Nachwuchskräfte angewiesen sind, wird bereits in den Schulen dafür geworben, sich für einen technischen Beruf zu interessieren. Unter den Unternehmen selbst gibt es jedoch auch einen gewissen Wettbewerb. Und das hat nicht unbedingt wirtschaftliche Gründe, wie Steffen Schoch sagt:

Steffen Schoch:
„Es sind viele Schulkameraden, Klassenfreunde, Jahrgangskollegen, die teilweise unabhängig voneinander Unternehmen aufgebaut haben, wo natürlich auch ein Ehrgeiz entwickelt wurde. Da möchte man doch auch so gut sein wie sein Schulkamerad.“

Sprecher:
Eines haben Unternehmen wie Huber, Klafs, Würth und Stahl gemeinsam: Sie sind Familienunternehmen, die entweder direkt von der Familie geführt werden oder bei denen die Familie zwar im Hintergrund bleibt, aber mehr als die Hälfte der Unternehmensanteile besitzt. Rainer Opferkuch, der früher für das Familienunternehmen Huber gearbeitet hat, sieht darin mehrere Vorteile:

Rainer Opferkuch:
„Dass wir unabhängig sind vom Kapitalmarkt, dass wir die Möglichkeit haben, auch sehr langfristig zu denken. Auf der anderen Seite sind wir als Familienunternehmen ein mittelständisches Unternehmen von überschaubarer Größe und haben die Möglichkeit, auch sehr schnell zu handeln, unbürokratisch zu handeln.“

Sprecher:
Viele Familienunternehmen können die Entwicklung selbst bestimmen, weil sie zum Beispiel keine Aktionäre haben, die Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen, um die Rendite, den Gewinn ihrer Aktien, zu steigern. Diese Unternehmen sind unabhängig vom Kapitalmarkt. Und anders als bei großen Firmen haben mittelständische Unternehmen nicht so viele Mitarbeiter, sie haben eine überschaubare Größe. Und weil die Region selbst auch viel für ihr Image und die Wirtschaftsförderung tut, ist und bleibt Heilbronn-Franken eben die „Heimat der Weltmarktführer“.



Fragen zum Text

Hat eine Firma keinen Erfolg beim Verkauf ihrer Produkte, dann …
1. verfügt sie über ein großes Geschick.
2. kann sie sich kaum am Markt etablieren.
3. fasst sie gleich Fuß.

Hat jemand ein Produkt, das eine bestimmte Zielgruppe kaufen will, …
1. hat er eine Nische gefunden.
2. konnte er sich keinen Absatzmarkt schaffen.
3. hat die Firma eine überschaubare Größe.

Anna kann gut stricken. Sie ist …
1. geschockt.
2. gescheckt.
3. geschickt.


Arbeitsauftrag
Setze die vier Aussagen von Steffen Schoch in indirekte Rede. Formuliere sie gegebenenfalls etwas um. Beginne die Sätze zum Beispiel wie folgt: „Steffen Schoch sagt, dass der Wettbewerb unter den Unternehmen in der Region nicht unbedingt wirtschaftliche Gründe habe. Es gebe …“

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