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Kultur

Die Raumfähren fliegen wieder

Die "Discovery" ist als erste US-Raumfähre nach dem Unglück der "Columbia" vor zweieinhalb Jahren ins All gestartet.

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Die "Discovery" hebt ab

Space Shuttle Discovery vor dem Start Besatzung

Die Crew: In der ersten Reihe von links James Kelly, Wendy Lawrence und Kommandeurin Eileen Collins; in der zweiten Reihe von links Stephen Robinson, Andy Thomas, Charles Camarda und Soichi Noguchi

Um 16.39 MESZ endete am Dienstag (26.7.2005) der Countdown: Die drei Haupttriebwerke der "Discovery" und die beiden großen Trägerraketen wurden pünktlich gezündet und trugen die Raumfähre sicher ins All. Nach rund zwei Minuten lösten sich plangemäß die seitlichen Antriebsraketen vom Haupttank. Ihre Erdumlaufbahn erreichte die "Discovery" nach neun Minuten.

Allerdings brach zwei Minuten nach dem Start, wie von einer Kamera am Außentank übertragen, ein größeres Stück vom Tank ab. Die Nasa-Führung warnte vor Panikmache, weil sich bei jedem Start planmäßig Teile lösten. Die Aufnahmen vom Start würden jetzt Bild für Bild ausgewertet, sagte Direktor Mike Leinbach. Nach den Worten des stellvertretenden Programmdirektors Wayne Hale könnte es sich um ein harmloses Stück Papierverkleidung zum Schutz der Schubdüsen vor dem Start handeln. Die NASA habe erst am sechsten Flugtag einen vollständigen Überblick über alle aufgezeichneten Daten und den genauen Zustand des Shuttles.

Die Raumfähre fliegt mit einer Geschwindigkeit von 27.000 Kilometern pro Stunde. Am Donnerstag (28.7.) um 13.18 Uhr MESZ soll sie an der mehr als 350 Kilometer über der Erde kreisenden Raumstation ISS andocken.

15 Tonnen Nachschub

Auf die Besatzung wartet ein volles Arbeitsprogramm. Wichtigste Aufgabe während des zwölftägigen Einsatzes ist nach Angaben der NASA, das Shuttle auf mögliche Defekte im Weltall zu untersuchen und neue Technologien für die Reparatur von Hitzekacheln auszuprobieren. Die "Discovery" bringt außerdem rund 15 Tonnen Nachschub an Verpflegung und Wasser sowie an Ausrüstungsteilen zur ISS. Insgesamt sind drei Spaziergänge im Weltall vorgesehen, die jeweils länger als sechs Stunden dauern sollen.

Die Rückkehr und Landung in Cape Canaveral sind für den 7. August um 11.46 Uhr MESZ geplant.

Space Shuttle Discovery vor dem Start

Ein Hubschrauber bringt die Crew zur Raumfähre

Der Defekt eines der Treibstoff-Sensoren hatte vor zwei Wochen dazu geführt, dass der Flug verschoben wurde. Hunderte von Ingenieuren hatten daraufhin 161 mögliche Ursachen untersucht, ohne zu einem eindeutigen Ergebnis zu gelangen. Die NASA schloss nicht aus, den Start auch mit drei funktionierenden Sensoren freizugeben. Diesmal hätten jedoch alle vier Sensoren funktioniert, teilte ein Sprecher der Behörde mit. Eine halbe Stunde vor dem Start nahm die Nasa noch weitere Tests vor, um jegliches Sicherheitsrisiko auszuschließen.

"Mom" aß einen Obstsalat

Columbia verbrennt

Die "Columbia" verglüht am 1. Februar 2003 über Texas

Erstmals übernahm eine Frau das Steuer einer US-Raumfähre. Das Kommando führt die 48-jährieg erfahrenen Air-Force-Pilotin Eileen Collins, die schon drei Mal im Weltraum war. Ihre Kollegen rufen sie "Mom", weil sie sich wie eine Glucke um ihre Crew kümmert. "Ich fliege nichts, was nicht sicher ist", sagt Collins, die aus Angst in keine Achterbahn steigt. Neben Collins ist eine weitere Astronautin, Wendy Lawrence, an Bord. Die sieben Besatzungsmitglieder, unter ihnen auch der Japaner Soichi Noguchi, nahmen gegen Mitternacht ihre letzte Mahlzeit vor dem Start zu sich. Collins entschied sich für Toastbrot und eine Fruchtschale, ihr Ko-Pilot Jim Kelly aß lediglich etwas Obst.

Reparaturarbeiten an der ISS

Während ihrer zwölftägigen Mission soll die Besatzung der Discovery an die ISS andocken. Zwei Astronauten sollen bei Weltraumspaziergängen versuchen, an der Raumstation mit giftigen Substanzen Reparaturarbeiten vorzunehmen. Darüber hinaus soll ein Roboter-Greifarm mit Laserstrahlen eingesetzt werden. Schließlich ist geplant, ein Gyroskop auszuwechseln, mit dem die Raumstation automatisch durch das All gesteuert wird.

Challenger-Katastrophe

Die Explosion der "Challenger" am 28. Januar 1986

Die Discovery ist die erste US-Raumfähre, die nach dem Unglück der Columbia am 1. Februar 2003 ins All starten sollte. Damals war das Shuttle beim Landeanflug auseinander gebrochen, alle sieben Astronauten kamen ums Leben. 1986 war die "Challenger" kurz nach dem Start explodiert. Insgesamt wurden sechs Space Shuttles gebaut.

Gefahr auf dem Rückflug

Insbesondere der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre stellt ein Risiko dar. Das Space Shuttle drückt dabei die zunehmend dichtere Luft vor sich extrem zusammen. Durch diese Reibung der Gasmoleküle können die Außentemperaturen auf bis zu 1600 Grad Celsius steigen. Die Raumfähren sind dagegen durch Hitzeschutzsysteme geschützt. Dazu gehören Isoliermatten aus Faserdämmstoff und Dichtungsfilz und auf der Unterseite Keramikkacheln.

Space Shuttle Discovery in Cape Canaveral

Die "Discovery" vor dem Start

Die Tragflügelkanten sind die Achillesferse des Shuttles. Bei der Columbia hatte ein beim Start vom Außentank abgesprengtes Stück Schaumstoff den Hitzeschild beschädigt. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre waren durch den Riss heiße Gase eingedrungen und hatten Kabel und Leitungen verglüht. Das Shuttle brach 60 Kilometer über Texas auseinander. (kas)

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