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Kultur

"Die radikalen Töne sind ähnlich"

Der österreichische Karikaturist Gerhard Haderer weiß, dass Religion und Satire nicht geräuschlos aufeinander treffen. Sein Comic-Band "Das Leben des Jesus" brachte ihn bis vor Gericht. DW-WORLD sprach mit ihm.

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Ketzerei oder harmlose satirische Übertreibung?

DW-WORLD: In Griechenland hatte die orthodoxe Kirche erwirkt, dass ein europäischer Haftbefehl gegen Sie erlassen wurde, weil Sie Jesus als Kiffer gezeigt haben. Sind Sie froh, dass Sie sich nicht den Propheten Mohammed vorgenommen hatten?

Gerhard Haderer: Es ist ja so, dass graduelle Unterschiede bestehen, das ist mir schon klar. Aber auch in Griechenland war es in der Diskussion um mein Buch so, dass die Extremen, die Radikalen, auf allen Seiten das Wort hatten. Da sehe ich eine Parallele.

Wie würden Sie diesen graduellen Unterschied zeichnen?

Zeichnen würde ich ihn im Augenblick nicht. Er ist einfach spürbar. Immerhin: Morddrohungen hat es nicht gegeben in meinem Fall. Aber ich sage es noch einmal: Die radikalen Töne sind ähnlich.

Wie fühlt man sich als Karikaturist gegenüber religiöser Kritik?

Sicher, es ist eine ganz besonders sensible Thematik. Meiner Meinung nach geht es darum, religiöse Gefühle zu respektieren, dazu habe ich mich immer bekannt. Seit 20 Jahren zeichne ich in dieser Auffassung. Was ich aber nicht akzeptieren und auch nicht verstehen kann, ist der Griff der Religionsgemeinschaften nach der Staatsmacht. In meinem Fall wurde eine Verurteilung zu sechs Monaten Haft ausgesprochen - und das muss man sich im 21. Jahrhundert wirklich auf der Zunge zergehen lassen.

Darf man Religion als Karikaturist so behandeln wie etwa Politik?

Ich bin absolut der Meinung, dass man die irdischen Vertreter, das "Bodenpersonal" sozusagen, in jedem Fall hinterfragen können muss - dass man sie in dem Maße ikonisieren können muss, wie es auch mit anderen Figuren des öffentlichen Lebens geschieht. Wenn das gläubige Menschen als Angriff auf ihren Glauben verstehen, dann kann das nur ein Missverständnis sein. Aber es ist ein höchstsensibler Bereich, völlig klar.

Werden Sie jetzt vorsichtiger mit religiösen Themen umgehen?

Für mich ändert sich überhaupt nichts. Es kann sich nichts ändern. Ich kann auf 20 Jahre zurückblicken und sagen, dass immer dann, wenn sich Menschen ganz besonders absurd benehmen - egal, aus welchem Anlass - dies ein Thema für die Karikaturisten ist. Dass es zwischen den extremen Randgruppen einen großen Bereich derer gibt, die die aktuellen Ereignisse (so wie auch in meinem Fall vor wenigen Jahren) mit Kopfschütteln kommentieren, das muss man verstehen. Aber man muss sich darum kümmern, dass die Randgruppen wieder miteinander kommunzieren.

Gibt es einen Gruppenvorteil, den Sie vielleicht hatten, weil Sie aus dem religiösen Westen kamen und sich über diesen lustig gemacht haben? Denn jetzt ist das Gegenteil passiert: Aus der einen Gruppe heraus wird die andere kritisiert.

Das macht sicher einen Unterschied, da haben Sie absolut recht. Ich bin ja aus der Kirche ausgetreten aber nicht aus dem Christentum. Ich habe einen christlichen Wertekodex, und ich übe Selbstkritik und frage mich: "Augenblick, wohin geht denn diese Wertegemeinschaft?" Aber jetzt ist das etwas ganz anderes. Jetzt droht ein Kulturkampf. Da kann es schon sein, dass es die Gegenseite als Angriff empfindet - entsprechend kriegerisch sind ja die Auseinandersetzungen im Augenblick. Es ist da sehr viel passiert in den letzten Jahren.

Wann kommt Ihr nächster religiöser Band?

Ich kann jetzt nichts versprechen. Ich habe einen Band dazu gemacht, damit ist dieses Thema für mich durch. Aber es wird Karikaturen zu jedem aktuellen Thema geben, auch zur jetzigen Entwicklung, denke ich.

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