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Politik

Die Rückkehr des Untoten

In Brüssel wird der Wahlausgang in Italien mit gemischten Gefühlen verfolgt. Nicht, dass man von Berlusconi begeistert wäre, aber musste es ausgerechnet Prodi sein, der als EU-Kommissionspräsident Unheil verbreitete?

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Der ewig grinsende Professore aus Bologna war verwaltungsmäßig ein Flop. Darin erinnern sich die Beamten in der Kommission noch gut. Politisch gilt Romani Prodi unter lang dienenden Brüssler Korrespondenten als einer der schwächsten, wenn nicht als der schlechteste EU-Kommissionspräsident überhaupt. Prodi hatte keinen Sinn für die Realität, konnte seinen 25.000 Beamte umfassenden Laden nicht führen, sondern hing lieber seinen politischen Träumen nach. Besonders nervend war seine unverbrüchliche Männerfreundschaft zum libyschen Revolutionsführer Ghaddafi, den er zu einem Besuch nach Brüssel lotste. Der schrille Ghaddafi verhalf mit seiner weiblichen Leibgarde Prodi zu einer der peinlichsten Pressekonferenzen, die je in Brüssel stattfanden.

Bernd Riegert

In schlechter Erinnerung sind noch Prodis längliche Ausführungen über seine Visionen. Aber meistens nuschelte er so stark (sowohl in Englisch als auch in seiner Muttersprache Italienisch), dass man ihn kaum verstehen konnte. Praktische Impulse für Europa? Fehlanzeige! ätzen Prodis Kritiker heute in Brüssel. "Viel Spaß Italien beim zweiten Versuch mit dem Farblosen!" kann man da nur wünschen.

Es hatte seine Gründe, dass die Staats- und Regierungschefs der EU Prodi keine zweite Amtszeit als Kommissionspräsident anboten, sondern ganz froh waren, dass sich der verkopfte Italiener selbst in die Heimat entsorgte. Nun ist er also wieder da. Der Wiedergänger, der Untote.

Mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac verband Prodi in seiner Brüssler Zeit eine herzliche Feindschaft. Jetzt werden die beiden gemeinsam am Gipfeltisch Platz nehmen. Das wird lustig, zumal Prodi gleich am Tag nach seinem mühsamen Wahlsieg Chirac einen Knochen hinwarf. Prodi forderte Chirac auf, dafür zu sorgen, dass die Franzosen die EU-Verfassung doch noch annehmen. Dabei müsse Chirac auch Risiken eingehen, er könne bei den Präsidentenwahlen in Frankreich im nächsten Frühjahr ja eh nicht wiedergewählt werden.

Auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ kein gutes Haar an dem italienischen Kommissions-Präsidenten, dem er einst ins Amt verholfen hatte. Da kann Prodi jetzt freilich nur milde lächeln. Er ist wieder da. Und Schröder längst abserviert.

  • Datum 12.04.2006
  • Autorin/Autor Bernd Riegert
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8Fye
  • Datum 12.04.2006
  • Autorin/Autor Bernd Riegert
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